Zwieseler Hausberg
Zwei Touren im Gebiet des Großen Falkenstein
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| Vom Gipfelfelsen des Kleinen Falkenstein hat der Wanderer einen tollen Ausblick hinüber zum Großen Arber. Bilder: Schaller (3) |
Das Schwellhäusl stammt noch aus der Zeit, als die Waldarbeiter das am Berg geschlagene Holz in Bachläufen ins Tal beförderten. Um die Kraft des Wassers zu verstärken, legten sie Stauanlagen an. Wurde die Sperre des künstlichen Teichs geöffnet, trifteten die Stämme auf einem enormen Wasserschwall zu Tal. Die erste Stauanlage des Schmalzbachs, westlich von Zwieslerwaldhaus, entstand 1798. Die Waldarbeiter bekamen an der Klause eine Unterkunftshütte, das Schwellhäusl, das sich in den folgenden Jahrzehnten zu einer Wirtschaft entwickelte. Heute ist diese ein beliebtes Ausflugsziel, das man auf verschiedenen Wander- und Radwegen erreicht.
Ein Abenteuerspielplatz und ein Kleintierzoo gefällt vor allem den Kindern, der wunderschöne Biergarten den Erwachsenen, die sich hier das "Bier vom Stoa", ein äußerst süffiges, obergäriges Dampfbier, schmecken lassen, während im Hintergrund das Wasser lautstark in den Klausenteich rauscht. Prinz Luitpold von Bayern hat die Familie Lettenmaier, die das Gasthaus seit dem 19. Jahrhundert, nunmehr in der vierten Generation, bewirtschaftet, im Jahr 2002 zum "Königlich-Bayerischen Mundschenk" ernannt.
Meditative Stimmung
Doch nicht nur das Wanderziel selbst ist anziehend, sondern auch der Weg dahin. Der Schwellsteig führt an einem künstlich angelegten Wasserkanal entlang durch einen Buchenstangenwald. Der Anblick des Lichtspiels, das durch das Buchenlaub bricht, könnte einem Gedichtband oder einem Gebetbuch entstammen. Meditative Stimmung stellt sich von selbst ein. Im gemächlich dahinfließenden Bächlein, das seinerzeit die Schmalzbachschwelle zusätzlich aus dem Flüsschen Große Deffernik speiste, können Kneipp-Freunde, denen Kälte nichts ausmacht, im Wasser waten.
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| Auf dem Kneippweg namens Schwellsteig stellt sich die meditative Stimmung von selbst ein. |
Auf dem Rückweg nach Zwieslerwaldhaus bietet sich ein weiterer besonderer Steig an: Der Urwald-Erlebnisweg Watzlik-Hain führt durch ein unter Schutz stehendes, unberührtes Stück Bergmischwald, in dem der Wanderer erfährt, wie sich der naturbelassene Wald aus dem abgestorbenen Holz wieder regeneriert. Mit Moos und Flechten überwucherte Stämme liegen kreuz und quer herum oder ragen abgebrochen in den Himmel. Und doch ist überall zu erkennen: Hier entsteht gerade neues Leben. Mehrere uralte Baumriesen, bis zu 2 Meter dick und bis zu 50 Meter hoch, lassen Jung und Alt staunen. Der Eingang zum Watzlik-Hain ist versteckt am rechten Wegrand gleich hinter einem hölzernen Wegweiser unter anderem nach Bayerisch Eisenstein und Hochbergsattel.
Nach dem erholsamen Spaziergang nun zu einer Herausforderung ganz anderer Art. Auch wenn der Große Falkenstein bei vielen Bergfreunden auf dem Tourenplan steht, ist der "Foikastoa", wie die Zwieseler ihren Hausberg nennen, bei weitem nicht so überlaufen wie der Arber. Den Aufstieg beginnen wir auf etwa 680 Metern Höhe direkt an der Gaststätte "Zwieseler Waldhaus", deren Biergarten schon jetzt den Lohn für den in den nächsten Stunden fließenden Schweiß verspricht.
Vermesser mit Hörfehler
Man sollte am besten vormittags bis 10 Uhr starten, denn mit Pausen sind rund 7 Stunden einzuplanen. Der steinige Wurzelsteig führt, zunächst begleitet von einem Bachlauf, durch den für die Region so typischen Bergmischwald, unter dem Dach von Buchen, Tannen und Fichten. Als Markierung hilft uns ein grünes Dreieck. Nach eineinhalb Stunden lichtet sich der Wald, und wir betreten eine große, freie Fläche, den Ruckowitz-Schachten (1150 Meter). Als Schachten bezeichnen die Waldler ihre ehemaligen Viehweiden in den höheren Berglagen. Der Name der größten Weide im Falkensteingebiet dürfte auf einen Hörfehler der Landvermesser zurückgehen, die die ersten Karten des Gebiets erstellten. Die Bauern aus dem Zwieseler Winkel sprachen nämlich von der "Rucka-Wies", also der Wiese auf dem Bergrücken.
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| Der Biergarten des Schwellhäus'ls spiegelt sich im Klausenteich. Die beliebte Ausflugsgaststätte ist aus einer alten Trifter-Unterkunft entstanden. |
Suppe und Brotzeit
Den Großen Arber im Blick verlassen wir die Weide auf einem Fahrweg, der zuerst leicht abfällt, um dann in Richtung Kleiner Falkenstein (1190 Meter) wieder etwas anzusteigen. Hier sollte man auf keinen Fall den Aufstieg auf die Felsnase versäumen, denn der Blick ins Zwieseler Tal und hinüber zum Arber entschädigt reich für die ersten 2 Stunden der Tour.
Jetzt ist es nur noch eine halbe Stunde zum Gipfel des Großen Falkenstein (1312 Meter). Nach Süden und Westen ist die Sicht vom Gipfelkreuz aus frei, bei Föhnlage wäre sogar der Watzmann zu sehen. Mit der Bewirtschaftung des Schutzhauses hat sich Jürgen Mader einen langgehegten Traum erfüllt. Die Speisekarte ist bewusst einfach gehalten, denn auf einer Wanderung sei eine Suppe oder eine Brotzeit genau das Richtige, meint er - und er hat Recht.
Nach einem Besuch in der kleinen Bergkapelle orientieren wir uns beim Abstieg an der Heidelbeer-Markierung. Die nächste Stunde wird aufsehenerregend: Durch das düstere Urwaldgebiet Höllbachgespreng führt ein glitschiger, steiniger Pfad zwischen haushohen, mit Schwefelflechte überzogenen Felswänden hindurch steil nach unten. Nach der Überquerung des Höllbachs, der in Wasserfällen und Kaskaden ins Tal stürzt, wird der Weg wieder bequemer. Die Höllbachschwelle (972 Meter), wie die Schmalzbachschwelle ehemals eine Holztransporteinrichtung, lädt zu einer kurzen Rast vor der unter Denkmalschutz stehenden Holzhütte ein - noch eineinhalb Stunden vom Ziel entfernt.
Von hier aus folgen wir nach der abermaligen Bachüberquerung weiter der Heidelbeer-Route, die uns auf einem angenehmen Waldpfad in einem großen Bogen zuerst zur sehenswerten Felsformation Ahornriegel (980 Meter) bringt. Auf dem Schillerweg, einer Forststraße, erreichen wir nach knapp 16 Kilometern - mit leichtem Muskelkater in den Wadeln - den Ausgangspunkt Zwieslerwaldhaus. Die erfrischende Radlerhalbe haben sich die Wanderer echt verdient.
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Infobroschüre: Rund um den Großen Falkenstein
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