Auf den Spuren der Vergangenheit
Schneeschuhwandern in Thüringen
Siegfried Stubrach schaut skeptisch auf die Halbschuhe der Schneeschuh-Anfängerin. Viel zu niedrig seien die, da lande massenhaft Schnee im Schuh, prophezeit er. «Probieren Sie mal die Stiefel meiner Frau, damit bleiben Ihre Füße sicher trocken.» Stubrach ist Profi in Sachen Schneeschuhwandern, speziell rund um Reichenbach bei Teuschnitz in Thüringen. Vor drei Jahren hat er eine eigene Schneeschuh-Abteilung im örtlichen Skiverband gegründet, mittlerweile wird diese ruhige Sportart immer beliebter.
|
| Zeigt her eure Füße - für das Wandern auf den schaufelförmigen Konstruktionen mit Holz-, Alu- oder Kunststoffrahmen sind keine Vorkenntnisse erforderlich. Bild: dpa |
Genau dies sieht der DSV als Problem - denn der Verband fördert zwar das Schneeschuhwandern. Doch ihm ist auch daran gelegen, dass die Schneeschuh-Fans möglichst auf den Forstwegen und kleinen Pfaden
bleiben und sich nur im Ausnahmefall ins Unterholz schlagen.
Siegfried Stubrach hält sich an diese Regeln und führt die Gruppe über ein weites Feld und über den «Schönwappenweg» bis zur Kurfürstenstein-Hütte, die direkt an der früheren Grenze von Ost- und Westdeutschland liegt. Heute befindet sich innerhalb des ehemaligen Todesstreifens das Grüne Band, eine Rückzugszone für eine große Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten. Allein in Thüringen ist es länger als 760 Kilometer.
«Hier ist vor kurzem ein Fuchs gelaufen, und da vorne ist ein Reh entlang gestreift», sagt Stubrach und deutet auf die Spuren im Schnee und das sich sachte im Wind bewegende Fellbüschel am Zweig. Die Tour des nächsten Tages beginnt an der Kalten Küche, der ehemaligen Pferde-Einspann-Station. In unmittelbarer Nähe verlief seit dem 15. Jahrhundert die Herrschaftsgrenze der Grafen von Orlamünde, nachdem
die Ortschaft Spechtsbrunn in deren Besitz gelangt war.
Heute markiert jener Punkt das Aufeinandertreffen dreier Landkreisgrenzen und die thüringisch-bayerische Landesgrenze. «Das war früher einer der wichtigsten Übergänge im Thüringer Wald. Hier kreuzten sich der Rennsteig, die Thüringisch-Fränkische Schieferstraße und die alte Heer- und Handelsstraße von Nürnberg nach
Leipzig», erzählt Schneeschuh-Wanderführer Heiko Walter vom Rennsteig-Outdoor-Center in Gräfenthal.
Die deutsche Geschichte lässt den Wanderer hier nicht los. Gespenstisch ragen halb vermoderte Holzpfähle aus dem Schnee, an denen verrostete Stacheldraht-Reste hängen - übrig gebliebene Befestigungsteile der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze.
Informationen:
Frankenwald Tourismus Center, Adolf-Kolping-Straße 1, 96317 Kronach
(Tel.: 09261/601 50);
Regionalverbund Thüringer Wald, Krankenhausstraße 12, 98693 Ilmenau
(Tel.: 03677/689 96 20);
BUND-Projektbüro Grünes Band, Bauernfeindstraße 23, 90471 Nürnberg,
(Tel.: 0911/81 87 80).
Tagesausgabe als E-Paper kaufen und mobil bezahlen
Sie können seit März 2012 auch eine einzelne Ausgabe unserer Zeitung im E-Paper-Format kaufen. Die Bezahlung erfolgt direkt über Ihr Mobiltelefon, eine gesonderte Anmeldung ist nicht erforderlich.
Um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das E-Paper aussieht, können Sie hier klicken und ein kostenloses Ansichtsexemplar anschauen.




















