Von Reiner Wittmann |
17.08.2010
| Netzcode: 2455092 | 1576 Mal gelesen.
Begegnung zwischen Mensch und Berg
Wanderimpressionen aus dem Rätikon
Es geschehen ungewöhnliche Dinge, wenn Mensch und Berg einander begegnen. So wie an einem erfrischenden Morgen. Leichter Schneefall hat die Höhen und Gipfel des Rätikon über Nacht in ein zartes, weißes Negligé gehüllt. Im flachen Winkel bescheint die frühe Sonne die senkrecht aufragenden Wände der Sulzfluh, bringt die "Dri Türm" der Drusenfluh im Gegenlicht des jetzt blauen Himmels zum Glühen. Freiheit, Glück.
Rast im Eistobel, einer in den Hochlagen vergletscherten Mulde im Nordabfall der Drusenfluh-Türme.
Die gewaltigen Kalkriesen vor uns trennen das österreichische Bundesland Vorarlberg vom Schweizer Kanton Graubünden. Vom Menschen hat diese Region ihren Namen bekommen, Rätikon, von der Natur die wilde Schönheit. Eine Landschaft zum Wandern, zum Bergsteigen, Klettern, Tourengehen, eine Landschaft zum Träumen, zum Suchen und zum Finden.
Ein guter Ausgangspunkt für Bergtouren im Rätikon ist die Lindauer Hütte des Deutschen Alpenvereins (1744 Meter über Normalnull. Über den Pfändertunnel am Bodensee sind die Talorte Schruns und Tschagguns schnell zu erreichen. Von dort ist es nur ein anspruchsvoller Spaziergang über den Ort Latschau (Parkmöglichkeit am Stausee, 994 Meter) zur im Talschluss des Gauertals gelegenen, gut frequentierten Bergsteigerunterkunft.
Das Essen ist lecker hier, die Dirndln der Bedienungen sind fesch, die Stimmung der Gäste gut. "An die zehntausend Nächtigungen haben wir hier im Sommer", schmunzelt der geschäftstüchtige, aber nicht minder freundliche Wirt Thomas Beck, der uns einen Marillenschnaps nach dem anderen kredenzt - "Lasst's eich schmecka!", schiebt er hinterher.
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Von Reiner Wittmann |
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Begegnung zwischen Mensch und Berg
Wanderimpressionen aus dem Rätikon
Blick auf Lindauer Hütte und Drusenfluh, deren mächtige "Dri Türm" das Panorama bestimmen. Bilder: Wittmann (4)
Bis Mitte Oktober hat er das Haus der Sektion Lindau des Deutschen Alpenvereins (DAV) für den Sommerbetrieb geöffnet, bevor später im Jahr die Skitourengeher Einzug halten. Wir nutzen die Hütte eine Woche als Bergheimat, als abendliches Zuhause nach langen Touren auf die vielen Wanderberge der Umgebung. Da ist zum Beispiel die Geißspitze (2334 Meter), der Grasberg im Norden, der dem ambitionierten Berggeher grandiose Blicke auf die höchsten Gipfel der Umgebung eröffnet (von denen etliche an der 3000er-Marke kratzen).
Genuss für Geübte
Selbst der Sepp ist angetan, der globetrottende Taufkirchner, in dessen Trekking-Tagebuch sich ansonsten eher Berge wie Kilimandscharo oder Ararat finden. "Des is scho echt klasse hier!", gesteht er in sympathischem oberbayerisch. Und Rosi, unsere sportliche Allgäuerin, die selbst nach einem ganzen Bergtag noch einen eleganten Spurt hinzulegen vermag und Zuhause ihre "eigenen" Berge vor der Haustür hat, beglaubigt Sepps Expertenmeinung immer wieder mit einem "wunder-, wunderschön!".
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Begegnung zwischen Mensch und Berg
Wanderimpressionen aus dem Rätikon
An der Unteren Sporaalpe (1524 Meter) vorbei führt der Aufstieg durchs Gauertal zur Lindauer Hütte (1744 Meter).
Unser Höhepunkt freilich ist die Sulzfluh-Überschreitung. Ein Genuss für Geübte, die fähig und willens sind zehn bis zwölf Stunden Gehzeit (inklusive Pausen) in ihre Leidenschaft zu investieren. Über den Bilkengrat, einen langen, technisch aber eher unschwierigen Anstieg, führt uns unser Weg zunächst durch Bergwald und Latschen in die Felsen, zur Schwarzen Scharte (2336 Meter), und schließlich über ein ausgeprägtes Kalkplatau auf die Sulzfluh (2817 Meter). Kein Wölkchen am Himmel, vor uns ein Horizont voller atemberaubender Gipfel. "Des is d'Silvretta, da d" Piz Buin, des...", Jürgen und Ludwig, unsere Bergführer, kennen sie alle.
Für Könner und Genießer
Wir steigen über den Gemschtobel in die Schweiz ab, "alpin", über Fels, Geröll und einen etwas ausgesetzen, kabelversicherten Weg. Auf der Graubündener Carschina-Hütte (2236 Meter) erwartet uns nicht nur eine bildhübsche "Heidi", sondern auch ein blondes Bier, dessen Charme heute obsiegt. Ab in die Sonne, Augen zu, ein Nickerchen - dann frisch gestärkt weiter! Die senkrecht aufragende Südwand der Drusenfluh (2830 Meter) vor uns ist ein beliebtes Kletterziel, etwas für echte Könner.
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Begegnung zwischen Mensch und Berg
Wanderimpressionen aus dem Rätikon
Der Vorarlberger denkt an alles: stilles Örtchen im stillen Gebirge.
Etwas wehmütig erinnert sich Bergführer Ludwig an seine Begehungen in dieser grandiosen Flanke. Wir hingegen sind Genießer und allein schon die Überschreitung des Drusentors (2242 Meter), einer einst auch von Schmugglern genutzten Passhöhe zwischen Österreich und der Schweiz, erfüllt uns mit Genugtuung. Wir blicken voraus, hinab ins Gauertal, wo die Lindauer Hütte auf uns wartet, und lassen Alltag und Sorgen weit zurück. Stille, die nur der Wind durchbricht. Zwiesprache mit Fels und Natur, Freiheit, Glück. Es geschehen eben ungewöhnliche Dinge, wenn Mensch und Berg einander begegnen...
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Informationenzum Rätikon
Die beschriebene Region liegt im Montafon, das seinerseits dem Rätikon zugerechnet wird. Film- und Bildmaterial der Gegend im Internet unter mehr...
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Die beschriebene Region liegt im Montafon, das seinerseits dem Rätikon zugerechnet wird. Film- und Bildmaterial der Gegend im Internet unter mehr...
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