„Der Christbaum blieb ein Jahr lang ’frisch’!“
Wanderung auf den Spuren der Fluss-Spatwerke bei Nabburg
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| Schon aus der Entfernung signalisiert dieser von der Grube "Hermine" hierher transportierte Förderturm den Eingang zum Besucher-Museum "Reichart-Schacht". |
Beim Eintritt in den Wald stoßen wir auf das erste ehemalige Fluss-Spatwerk. Neben einem Haufen für den Laien rätselhaften Schrotts sammelt sich vor einem leerstehenden Haus lärmend eine große Gruppe von Motorradfahrern. Sie bilden den Kontrast zu der Fassade eines anderen verlassenen Hauses mit dem Namen "Waldfrieden". Am Ende steht dann das Ferienhaus "Grube Erika", vor dem zwei Autos aus Niedersachsen und aus dem thüringischen Unstrut-Hainich-Kreis parken. Ihre Besitzer rufen uns schon wohlgeübt "Grüß Gott" zu.
Rostige Schranke
Weiter geht es auf schmalen unmarkierten Wegen durch den Wald nach Norden, während wir über uns zwei ultraleichte Flugzeuge erblicken. Am Waldrand liegt linker Hand ein weiteres ehemaliges Bergwerk. Die rostige Schranke weist wie ein warnender Finger senkrecht nach oben. Dann stoßen wir auf den von Nabburg nach Freiung mit dem typischen Bergwerks-Kreuz bestens markierten Wanderweg. Hier begegnet uns Sepp, der sich vor fünfzig Jahren als Student in der Grube "Hermine" sein Studium finanziert hat. Er erzählt: "Der Christbaum hat wegen der klimatischen Bedingungen unter Tage ein ganzes Jahr "gehalten". Und bis vor wenigen Jahren haben sich viele Ehemalige in der Vorweihnachtszeit zur 'Mettenschicht' getroffen." Vor allem aber klärt er uns darüber auf, wie begehrt Fluss-Spat früher für die Hütten- und Glasindustrie gewesen ist.
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| In den Teichen bei Geiselhof hört und sieht man die Fische nach Insekten schnappen. Bilder: Tamme (3) |
Der Bergwerks-Weg zeigt sich zunächst nach Regenfällen von seiner schlammigen Seite. Dafür ist er weicher als der später folgende asphaltierte Abschnitt. Im lichten Kiefernwald wartet schon eine Futterraufe auf den kommenden Winter. Schwammerln finden sich hier, ohne dass man sie suchen muss. Sogar eine krause Glucke ist dabei. Im dämmrigen Wald leuchten die himbeerfarbenen Blüten der amerikanischen Springkraut-Büsche besonders intensiv. Das laute Plätschern zweier Bäche übertönt die aus der Ferne hörbaren Fahrgeräusche der neuen Autobahn. Beim Verlassen des Waldes sehen wir rechter Hand die Häuser von Freiung und vor uns viele Autos aus nah und fern, einen Bus aus Augsburg und etliche Camping-Zelte. Entsprechend lebhaft ist der Betrieb im überdachten Biergarten des "Steigerhäusls" mit seiner umfangreichen Speisekarte. Hier kann man verschnaufen und warten, bis die nächste Führung im Besucher-Bergwerk "Reichhart-Schacht" beginnt.
Dabei kommen wir mit einem Einheimischen ins Gespräch, der sieben Jahre lang im nahegelegenen Spatwerk Lissenthan als Hauer gearbeitet hat. Inzwischen ist er Landwirt und verkauft seine hervorragenden Erdäpfel auf dem Weidener Markt.
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| Diese "Glückwunsch-Lore", die sich auch an Fußwanderer richtet, erinnert an die "Fluss-Spat-Blütezeit" in den 50er Jahren. |
Tiefschwarze Hagebutten
Der letzte Streckenabschnitt vergeht wie im Flug beim Plaudern über das Gesehene. Rechter Hand erblicken wir eine einmotorige Propeller-Maschine bei der Landung auf einem kleinen Flugplatz, während am Wegrand knallrote und tiefschwarze Hagebutten leuchten. In einem der Teiche von Geiselhof blühen die letzten Seerosen, in einem anderen hört und sieht man Fische nach Insekten schnappen und nahe dem letzten Teich steht unser Auto.
Unsere erste Herbstwanderung endet hier mit der Erinnerung an eine Epoche, in der in der Oberpfalz siebzehn Prozent der Weltförderung an Flussspat erfolgte. Sie stand damals in einem erfolgreichen Konkurrenzkampf mit Produzenten in den USA, Großbritannien und Russland.
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