Von (dpa) |
31.01.2011
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Berlin/Köln
Alleinunterhalter hat ausgedient
Tui schickt moderne Schiffe auf die Reise - Richtungsstreit in der Flusskreuzfahrt
Die Kapazität ist begrenzt. Flusskreuzfahrtschiffe - hier die "Viking Schumann" auf der Elbe in Sachsen - können bestimmte Abmessungen nicht überschreiten. Bei 135 Metern Länge, 11,45 Metern Breite und 6,5 Metern Höhe ist derzeit Schluss. Größere Schiffe passen nicht in die Schleusen und könnten viele Ziele nicht erreichen. Bild: dpa
Das Image der Flusskreuzfahrten müsste Werber erschauern lassen: alte Mittelklassekähne, die voller Grauköpfe durch die Landschaft tuckern. Der Altersschnitt an Bord ist weit jenseits der 60. Vom Glamour der Hochseekreuzfahrt keine Spur. Doch genau diese scheinbar biederste aller Urlaubsarten wächst Jahr für Jahr.
Im Jahr 2010 machten die Anbieter mit Flusskreuzfahrten laut dem Deutschen Reiseverband (DRV) in Berlin 5 Prozent mehr Umsatz. Und jetzt steigt mit der Tui einer der Großen aus der Reisebranche so richtig in den Nischenmarkt ein. "Wir haben uns den Markt seit 2004 angeschaut und sehen großes Potenzial", erklärt Andreas Casdorff, Kreuzfahrtexperte der Tui. 2008 ließ der Veranstalter die "Maxima" als erstes Flusskreuzfahrt-Schiff im Tui-Bübchenblau streichen. 2010 wurde die "Sonata" getauft, und in diesem Jahr verdreifacht Tui seine Flussflotte auf sechs Schiffe. In der Stralsunder P+S-Werft werden die "Allegra" und "Melodia" zusammengeschraubt, die baugleich mit der "Sonata" sind und im April 2011 auf Jungfernfahrt gehen sollen. In der Winterpause werden außerdem die Fünf- und Sechs-Sterne-Schiffe "Mozart" und "Premicon Queen" umgebaut, die noch unter Transocean-Flagge unterwegs sind.
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Alleinunterhalter hat ausgedient
Tui schickt moderne Schiffe auf die Reise - Richtungsstreit in der Flusskreuzfahrt
Geranienkästen am Heck
Tui will den Markt aufmischen und manches anders machen als die Konkurrenz. Viele Schiffe seien noch staubig und altbacken, sagt Casdorff - mit Treppenliften und Geranienkästen am Heck. Bisher sei wenig getan worden, um jüngere, weltoffene und wissbegierige Kunden anzulocken. Casdorff will die Flusskreuzfahrt nun entstauben. Er will moderne Schiffe, Kabinen mit einem Komfort wie richtige Hotelzimmer. Und er will frischere, anspruchsvollere Unterhaltung an Bord, Freilichtkino, Open-Air-Barbecue und Lesungen. "Der klassische Alleinunterhalter fährt bei uns nicht mehr mit."
Doch wird sich die Frischzellenkur auszahlen? Wollen die Flussurlauber das überhaupt? Guido Laukamp denkt: nein. "Das Möchtegernjunge sehe ich als Anfängerfehler, den andere schon gemacht haben", erklärt der Geschäftsführer von Viking-Flusskreuzfahrten in Köln und Vize-Vorsitzender im DRV-Schifffahrtsausschuss. "Wir haben alte Kunden, und wir sind glücklich damit."
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Berlin/Köln
Alleinunterhalter hat ausgedient
Tui schickt moderne Schiffe auf die Reise - Richtungsstreit in der Flusskreuzfahrt
Casdorff kündigt für die neuen Tui-Flussschiffe Rückzugszonen an: eine zweite Bar, ein kleiner Veranstaltungsraum. Helge H. Grammerstorf, Chef des Beratungsunternehmens SeaConsult in Hamburg, sieht die Verjüngungspläne aber skeptisch. "Ich verstehe gar nicht, was man gegen ältere Gäste hat." Sie hätten Zeit und Geld. Bis 2014 sollen 18 Prozent mehr Schiffe auf Westeuropas Flüssen schippern, schätzt der Experte.
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