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Von Hans-Jürgen Krehl |
14.05.2011
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Als der Vorhang fiel
Im ehemaligen tschechischen Abfertigungslager in Rozvadov erinnert ein Museum an die trennende Grenze
Den Kalten Krieg als Folge des Zweiten Weltkriegs und den Prager Frühling - vor allem sein gewaltsames Ende im August 1968 - verbinden die Menschen in der Region mit zwei Orten: Waidhaus und Rozvadov, das frühere Roßhaupt. Der Eiserne Vorhang wuchs im oberpfälzischen Grenzland besonders bedrohlich und grausam trennend empor. Nach der Wende im Nachbarland 1989 fiel jene Grenze, die nicht nur beide Orte trennte, sondern vor allem die Machtblöcke Ost und West entzweite.
Der Begriff "Eiserner Vorhang" wurde von Goebbels erstmals als Reaktion auf die Konferenz von Jalta im Februar 1945 gebraucht. Am 12. Mai des selben Jahres wurde er von Winston Churchill in einem Brief an US-Präsident Harry S. Truman aufgenommen und damit in den politischen Sprachgebrauch eingeführt.
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Diesem Eisernen Vorhang ist jetzt ein Museum gewidmet - mitten in der Region und direkt am Ort des Geschehens. Wer, wie in früheren Jahren, am alten Waidhauser Grenzübergang die Brücke in Richtung Böhmen überquert, findet das Museum "Eiserner Vorhang" gleich im ersten Gebäude links auf tschechischem Boden. Dort, wo sich wenige Wochen nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts im August 1968 auf den Treppen des tschechischen Abfertigungsgebäudes auch für die Journalisten aus aller Welt die ersten Russen leibhaftig in ihren langen, dunklen Mänteln und typischen Militärmützen zeigten, breitet das Museum in acht Räumen auf 320 Quadratmetern Ausstellungsfläche zeitgeschichtliche Schätze aus.
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Als der Vorhang fiel
Im ehemaligen tschechischen Abfertigungslager in Rozvadov erinnert ein Museum an die trennende Grenze
"Mit dem Ersten Weltkrieg und seinen politischen Folgen hat die Entstehung des Eisernen Vorhangs eigentlich schon begonnen" sagt Museumgründer Vaclav Viotovec - und zeigt auf eine seiner vielen historischen Aufnahmen im neuen Museum. Bilder: Krehl
Beginnend mit Bildern und Dokumenten zum Ersten Weltkrieg eröffnet am 14. Mai um 13 Uhr der Gründer der "Foundation Iron Curtain", Ingenieur Vaclav Vitovec, im Untergeschoss des Gebäudes das gleichnamige Museum. Die aktuelle Funktion als Duty-Free-Shop und Tankstelle sind dabei sinnfälliges und äußeres Zeichen zugleich, welchen Wandel die Zeiten in Böhmen und in der Oberpfalz genommen haben. In zehnjähriger Sammlerarbeit hat der ehemalige, weltweit tätige Triathlon-Funktionär Vitovec die acht Räume mit einem Inventar ausgestattet, das mit faszinierenden und teilweise noch unveröffentlichten Bildern des international tätigen, renommierten Prager Fotografen Milan Linhard einen weiten zeitgeschichtlichen Rahmen spannt. Auch Fotografien unserer ehemaligen NT-Redakteure Heinz Hoffmannbeck und Alfons Witt finden sich in den Räumen.
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Zu den Objekten sagt Vitovec: "Ich habe Ausstellungsstücke im ganzen Land gesammelt - und zeitweise hart darum kämpfen müssen. Die oft raren Stücke rückte keiner gern heraus. Präsentationsstücke und Fotos kann man nie genug haben - und auch ich wäre froh um weitere."
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Als der Vorhang fiel
Im ehemaligen tschechischen Abfertigungslager in Rozvadov erinnert ein Museum an die trennende Grenze
Stacheldraht und Isolatoren aus Porzellan von den (fast) unüberwindbaren Grenzanlagen entlang des Eisernen Vorhangs.
Von den Schützengräben des Ersten Weltkriegs, "wo der Eiserne Vorhang seinen Ursprung hat", bis in die Gegenwart mit dem Durchschneiden eben jenes Stacheldrahtzaun durch die Außenminister Dietrich Genscher und Jirí Dienstbier nur wenige Kilometer nordöstlich des Museumsbaues reicht das von Vitovec präsentierte Spektrum.
Klar erkennbar ist das Bestreben des Museumsmachers, immer beide Seiten der Grenze, die jeweiligen politischen Beweggründe und Strömungen, Leben und Streben zu zeigen.
So gibt es den geheimen Kommandostand zur Steuerung der Agenten und Spione in Ost und West, die Funkanlagen genauso wie die einsamen inoffiziellen "Grenzübergänge", wo Spione die Fronten wechselten: In Berlin auf der Glienicker Brücke, in der Oberpfalz und Böhmen in den dunklen, geheimnisvollen Wäldern. Überhaupt ist es das Agenten- und Spionagewesen, dessen Wiederaufleben einer untergegangenen, regional empfundenen Bedrohung dem Museum anhaltende Faszination verleiht.
Das damalige, beiderseitig aufgebaute Drohpotenzial macht eine kleine Sammlung zeitüblicher Handfeuerwaffen genauso unverzichtbar, wie die fragwürdigen Spionageattacken des U-2-Piloten Francis Gary Powers oder die immer noch bestehende Bedrohung durch Atomwaffen und das seinerzeitige Overkill-Potenzial.
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Fast alle Ausstellungsstücke werden auf Schrifttafeln auch in deutscher und englischer Sprache erklärt. Führungen sind auf Anfrage möglich. Besucher bekommen am Empfang auch schriftliches mehr...
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