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Von Holger Stiegler |
21.01.2012
| Netzcode: 3112915 | 77 Mal gelesen.
Symbol für millionenfachen Mord
Vor 70 Jahren begannen die Massendeportationen nach Auschwitz-Birkenau
Die Schornsteine erinnern an die Baracken, in denen früher die Gefangenen in Auschwitz-Birkenau (Auschwitz II) hausen mussten.
Hiroshima, Jalta, Verdun, Gettysburg - viele Orte auf der ganzen Welt stehen synonym für historische Ereignisse. Aber wohl nur eine einzige Stadt kennzeichnet ein ganzes Kapitel - das dunkelste - deutscher Geschichte: Auschwitz.
Keine andere Stadt wird auch heute, 67 Jahre nach Ende der Hitler-Herrschaft, so gleichgesetzt mit dem Massenmord der Nationalsozialisten an den europäischen Juden und dem NS-Rassenwahn. "Auschwitz steht symbolhaft für millionenfachen Mord - vor allem an Juden, aber auch an anderen Volksgruppen. Es steht für Brutalität und Unmenschlichkeit, für Verfolgung und Unterdrückung, für die in perverser Perfektion organisierte "Vernichtung" von Menschen", sagte am 27. Januar 1996 der damalige Bundespräsident Roman Herzog vor dem Bundestag.
Er hatte dieses Datum - am selben Tag wurde 1945 das Konzentrationslager Auschwitz befreit - zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus proklamiert. Seit 2006 wird er auf der Basis einer Resolution der UN-Vollversammlung als Internationaler Holocaust-Gedenktag begangen.
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Symbol für millionenfachen Mord
Vor 70 Jahren begannen die Massendeportationen nach Auschwitz-Birkenau
In Baracken wie dieser lebten die Deportierten, die an der Rampe noch nicht für die Gaskammer selektiert worden waren. Bilder: Stiegler (2)
Wer sich mit der millionenfachen Ermordung der europäischen Juden beschäftigt, kommt an der "Todesfabrik" Auschwitz nicht vorbei. Man muss von mindestens einer Millionen Juden ausgegangen werden, die 60 Kilometer westlich von Krakau ermordet wurden. Bereits 1947 ist auf dem Gelände des Konzentrations- und Vernichtungslager durch die polnische Regierung ein Staatliches Museum eingerichtet worden.
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Die Besucherzahlen sind in den vergangen Jahren stetig nach oben gegangen: Allein 2011 war es mit 1,4 Millionen Menschen - zwei Drittel davon sind Jugendliche - ein neuer Rekord. Rund 58 000 Besucher des Jahres 2011 kamen aus Deutschland.
Claude Lanzmann, Regisseur des mehrstündigen Dokumentarfilms "Shoa", hat Mitte der 80er Jahre festgestellt: "Ich bin an die Orte gefahren, allein, und habe begriffen, dass man die Dinge kombinieren muss. Man muss wissen und sehen, und man muss sehen und wissen. Das eine ist vom anderen nicht zu trennen. Wenn Sie nach Auschwitz fahren, ohne etwas über Auschwitz und die Geschichte dieses Lagers zu wissen, sehen Sie nichts, verstehen Sie nichts." Das Lager Auschwitz - das waren im eigentlichen Sinne drei Lager: Zum einen das Stammlager Auschwitz (Auschwitz I), das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau (Auschwitz II) und das Arbeitslager Monowitz (Auschwitz III). Bereits im April/Mai 1940 wurde das Konzentrationslager eingerichtet, das dann ab 1941/42 erweitert wurde. Unter anderem die Lage von Auschwitz - zum einen die Eisenbahnanbindung, zum anderen die Abgeschiedenheit - hat dazu geführt, dass Auschwitz -Birkenau sich zum größten nationalsozialistischen Vernichtungslager entwickelte.
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Symbol für millionenfachen Mord
Vor 70 Jahren begannen die Massendeportationen nach Auschwitz-Birkenau
Diese zeitgenössische Aufnahme zeigt die Neuangekommenen in den Jahren 1943 und 1944 an der Selektionsrampe. Repro: stg
Der Anfang des Jahres 1942 markierte den Auftakt der Massendeportationen nach Auschwitz-Birkenau. Hier wurden die Ankommenden bereits kurz nach Verlassen des Waggons noch an der Rampe von den SS-Ärzten - unter ihnen der berüchtigte Josef Mengele - selektiert: Alte Menschen, Kranke, Schwache und Kinder wurden in der Regel sofort in die Gaskammern geschickt und ermordet. Die Arbeitsfähigen kamen ins Lager, doch auch hier überlebten nur wenige.
Schilderungen von Auschwitz-Überlebenden - wie die Niederländerin Annetje Fels-Kupferschmidt - geben einen Einblick von dem, was die Deportierten an der Rampe erwartete: "Als Du in Birkenau ankamst, hattest Du keine Vorstellung des Furchtbaren. Du fühltest etwas, Du bemerktest etwas. Heutzutage weiß jeder, dass Menschen vergast wurden, aber für uns war das unvorstellbar. Wir gingen weiter mit dem Gefühl, das könne einfach nicht wahr sein. Du konntest es riechen, aber man wollte nicht verstehen, was man wirklich roch." Die Vernichtung der Juden war für die Nationalsozialisten die "logische" Fortführung der seit 1933 praktizierten staatlichen Repressalien: Boykott jüdischer Geschäfte, Ausschluss vom Staatsdienst, die Nürnberger Gesetze, die Pogromnacht, die Errichtung von Ghettos in den besetzten Gebieten und das Tragen des "Judensterns" waren wesentliche Kennzeichen der antisemitischen und rassistischen NS-Politik.
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Symbol für millionenfachen Mord
Vor 70 Jahren begannen die Massendeportationen nach Auschwitz-Birkenau
Reichsmarschall Hermann Göring beauftragte am 31. Juli 1941 Reinhard Heydrich, Chef der Sicherheitspolizei und des SD, damit, "alle erforderlichen Vorbereitungen in organisatorischer, sachlicher und materieller Hinsicht zu treffen für eine Gesamtlösung der Judenfrage". Der glühende Nazi und "Vordenker der Vernichtung" (Götz Aly) wurde so zum offiziellen Architekten des Holocausts.
Wenn es noch eines weiteren Beweises für die Entschlossenheit der Nazis bedurft hätte, die europäischen Juden zu ermorden, dann spiegelte sich dies in der "Wannsee-Konferenz" wieder, die am 20. Januar 1942, also vor genau 70 Jahren, stattgefunden hat. Bei Berlin verhandelten 15 Spitzenbeamte der Ministerialbürokratie verschiedener Reichsministerien und der SS unter Vorsitz von Heydrich über die organisatorische Durchführung des Holocausts.
In Auschwitz war die Todesmaschinerie "probeweise" schon angelaufen: Bereits im September 1941 kam dort das Giftgas Zyklon B zum Einsatz, es wurden 850 Gefangene damit getötet. Der damalige Lagerkommandanten Rudolf Höß wertete dies auch nach Kriegsende noch als Erfolg: "Auf mich wirkte die Vergasung beruhigend, da ja in absehbarer Zeit mit der Vernichtung der Juden begonnen werden musste. Mir graute immer vor den Erschießungen. Nun war ich doch beruhigt, dass uns allen diese Blutbäder erspart bleiben sollten."
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Zerstörung der Gaskammern
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Der Massenmord an den Deportierten war durchorganisiert: Um Panik zu vermeiden, wurde den Todgeweihten als "hygienische Maßnahme" ein Duschbad angekündigt, dem dann allerdings die Vergasung folgte. Nach einer Viertelstunde waren die Opfer gestorben, sie wurden herausgezerrt, die Haare und Goldzähne entfernt und schließlich im Krematorium verbrannt.
Die Vernichtungsaktionen in den Gaskammern sollten noch bis November 1944 weitergehen, auf Befehl Heinrich Himmlers wurden anschließend Gaskammern und Krematorien zerstört. Im Januar 1945 begann die Evakuierung des Lagers, Zehntausende von Menschen wurden auf "Todesmärsche" getrieben.
Am 27. Januar 1945 wurde das KZ Auschwitz schließlich durch die Rote Armee befreit. Die Soldaten fanden noch rund 8000 Überlebende und einige hundert Leichen vor. Als Mahnmal hat die Gedenkstätte bis heute noch nichts von ihrer Bedeutung verloren.
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