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Von Peter Geiger |
30.01.2012
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Amberg
Neugierig, erstaunt, begeistert
Nicolette Baumeister hat den dritten Band von "Architektur in der Oberpfalz" herausgegeben - Ausstellung bis 19. Februar
Inmitten der Auenlandschaft des Flusses Wondreb liegt die Zisterzienserinnen-Abtei Waldsassen, in deren Klostergarten die Schulsporthalle eingebettet wurde. (Architekt: Coopia Architekten, Regensburg). Bild: Coopia
Ob die Baukultur eines Landstrichs in enger Beziehung zur Mentalität seiner Bevölkerung steht? Den Oberpfälzern wird ja gemeinhin eine große Zurückhaltung unterstellt, vor allem, was die Produktion von verbalem Klimbim anbelangt. Liest man den Klappentext der "Aktuellen Architektur in der Oberpfalz", so bestätigt sich dieser Eindruck: Denn der Amberger Verleger und Leiter des Luftmuseums Wilhelm Koch äußerte sich schon vor Jahren zum Thema in regionaltypischer Manier: "Vorher war nichts, jetzt ist ein bissl was."
Dieses "Bissl" ist mittlerweile so gewachsen, dass jetzt ein dritter Band notwendig wurde, um all die Neuigkeiten und Besonderheiten zwischen Buchdeckeln zu präsentieren. Ab 29. Januar zeigt das Stadtmuseum in Amberg obendrein eine Ausstellung zum Thema. Die Kulturredaktion sprach mit der Autorin des Bandes, der Münchener Architekturjournalistin Nicolette Baumeister.
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Amberg
Neugierig, erstaunt, begeistert
Nicolette Baumeister hat den dritten Band von "Architektur in der Oberpfalz" herausgegeben - Ausstellung bis 19. Februar
In unmittelbarer Nähe zu den Produktionshallen der Stahlbaufertigung gelegen, orientiert sich das neue Verwaltungsgebäude der Max-Bögl-Bauunternehmung in Greißelbach (Landkreis Neumarkt) an den vorhandenen Strukturen des Werksgeländes. (Architekt: Bögl Gierer Architekten, München) Bild: Heinrich
Die Oberpfalz liegt ja eher im Windschatten des Medieninteresses. Aber guckt man auf Sportarten wie das Fahrradfahren, so stellt man fest: Wer viel im Windschatten unterwegs ist, hat gute Chancen, am Ende ganz vorn zu sein. Darf man Architektur und Fahrradfahren vergleichen? Nicolette Baumeister: Alles, was dazu dient, gute Architektur bekannt zu machen, ist erlaubt! Die zeitgenössische Architektur hat es ja nicht nur in der Oberpfalz schwer, sowohl von den Medien als auch von der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen zu werden. Aber in der Oberpfalz gibt es eine ganze Reihe guter Architekten und Initiativen, die sich für die Baukultur in der Region im wahrsten Sinne des Wortes "abstrampeln". So gesehen ist der Vergleich mit dem Windschatten beim Fahrradfahren durchaus statthaft.
Die Architekturjournalistin Nicolette Baumeister stammt aus Detmold, lebte lange Jahre in Berlin und ist seit 12 Jahren in München. Bild: privat
Was macht die Oberpfalz als Architekturregion aus?
Baumeister: Natürlich gibt es aus der Vergangenheit zahlreiche Burgen, Schlösser und prachtvolle sakrale Bauten, die die Bedeutung der Region in der Geschichte widerspiegeln. Aber die Alltagsarchitektur in der Oberpfalz war und ist ja eher schlicht, bodenständig und von einheimischen Materialien geprägt. Und darin besteht die Herausforderung, die Chance, eine regional geprägte, eigenständige Architektursprache zu entwickeln. Bei einer ganzen Reihe der in den letzten Jahren realisierter Bauten hat sich eine "regionale Moderne" herausgebildet, eine Architektur, die durch das raue Klima der Oberpfalz, die lokalen Werkstoffe und Typologien geprägt ist, ohne in Folklorismus zu verfallen. Das ist eine interessante Entwicklung, die zeigt, welches Potenzial die Oberpfalz auch in Zukunft noch hat.
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Amberg
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Nicolette Baumeister hat den dritten Band von "Architektur in der Oberpfalz" herausgegeben - Ausstellung bis 19. Februar
Die Erweiterung und der Umbau der Pfarrkirche St. Peter in Wenzenbach (Landkreis Regensburg) schaffen eine architektonische Verbindung der vergangenen Geschichte mit der Gegenwart bis hin zur Zukunft. (Architekt: Brückner & Brückner Architekten, Tirschenreuth). Bild: Manev
Sie haben ja durch die Hereinnahme von Aufnahmen des Landschaftsfotografen Clemens Zahn auch die Gegend zu ihrem Recht kommen lassen.
Baumeister: Das war eine sehr gute Idee der Herausgeber, die den in Sulzbach-Rosenberg geborenen Fotografen kennen und die Arbeit von Clemens Zahn verfolgt haben. Die Landschaft ist sein großes Thema und er hat schon für internationale Magazine europaweit Landschaften portraitiert. Die Motive aus der Oberpfalz sind eine wirkliche Bereicherung für das Buch, weil sie ganz subtil zum Verständnis der Region beitragen.
Und bei den Aufnahmen der Wohnhäuser fällt auf: Das sind oft nicht nur ziemlich schöne Häuser, sondern auch tolle Gärten. Wie wichtig ist diese Zwiesprache zwischen Objekt und umgebender Landschaft?
Baumeister: Wer in der Oberpfalz baut, hat meistens Platz. Die Grundstückspreise sind verhältnismäßig günstig und das kommt dann nicht nur der Wohnfläche, sondern auch dem Garten zugute. Umso schöner, wenn dann bei den Bauherren und Planern auch das Bewusstsein für die Gestaltung des Außenraums, die Beziehung zwischen Objekt und umgebender Landschaft, wächst. Das ist nicht nur in der Oberpfalz ein ganz wichtiger Aspekt.
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Nicolette Baumeister hat den dritten Band von "Architektur in der Oberpfalz" herausgegeben - Ausstellung bis 19. Februar
In der exponierten Lage am Fuße des Wallfahrtsortes Habsberg (Landkreis Neumarkt) gelegen, zeigt der Neubau des Zentrums für Regionalentwicklung beispielhaft, dass zeitgenössische Architektur kein Fremdkörper in der Landschaft, sondern vielmehr Wegbereiter einer regionalen Baukultur sein kann. (Architekt: Berschneider + Berschneider, Pilsach bei Neumarkt). Bild: Spahn
Aber auch Zweckbauten wie beispielsweise die Schulsporthalle der Mädchen-Realschule in Waldsassen passen sich fantastisch in die Gegend ein ...
Baumeister: Ja, das ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie Landschaft und Architektur sich gegenseitig bedingen.
Sie sind Architekturjournalistin in München: Wie blickt man denn von der oberbayerischen Schotterebene auf die Oberpfalz?
Baumeister: Neugierig - bin ich grundsätzlich. Erstaunt - weil ich immer wieder Neues entdecke. Begeistert - weil die Akteure so lebendig, offen und engagiert wie kaum woanders sind.
Die Auswahl für das Buch traf eine Jury.
Baumeister: Wir haben auch Sonderpreise verteilt an Projekte, die uns ganz besonders aufgefallen sind: Das sind herausragende Beispiele, die wir so würdigen, dass sie in dem Buch statt nur zwei eben vier Seiten eingeräumt bekommen. Zwei will ich nennen: Da ist zum einen das Verwaltungsgebäude in Greißelbach (Landkreis Neumarkt) der Münchner Architekten Bögl-Gierer. Es zeigt, dass man auch in einem recht spröden Umfeld mit einer klaren und starken Architektur Akzente setzen kann.
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Nicolette Baumeister hat den dritten Band von "Architektur in der Oberpfalz" herausgegeben - Ausstellung bis 19. Februar
Das neu erbaute Wohnhaus mit einer angeschlossenen Notfallpraxis liegt in dem kleinen Dorf Schönreuth, einem Ortsteil von Kemnath (Landkreis Tirschenreuth). (Architekt: Hans Kneidl Architekten + Stadtplaner, Weiden). Bild: Kottje
Und zum anderen die Kirche der Pfarrei St. Peter in Wenzenbach (Landkreis Regensburg) der Tirschenreuther Architekten Brückner & Brückner, die eben aufgrund ihrer Formensprache ebenfalls ein ganz hervorragendes Beispiel ist für eine regionale Architektur.
Welchen Lesern würden Sie das Buch besonders ans Herz legen?
Baumeister: Natürlich allen, die bauen wollen und sich einen seriösen Überblick über Planer in der Region und Referenzobjekte verschaffen wollen. Darüber hinaus ist das Buch für mich aber auch so etwas wie ein Reiseführer zur zeitgenössischen Architektur der Oberpfalz und zu ihren Protagonisten. Es gibt ja nicht nur Projektvorstellungen, sondern auch Porträts der Initiativen und Planer. Das ist auch für Laien spannend und anregend!
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Ausstellung: "Aktuelle Architektur der Oberpfalz III" wird am 29. Januar (11 Uhr) im Stadtmuseum Amberg (Zeughausstraße 18) eröffnet. Begrüßung: Wilhelm Koch (Büro Wilhelm), Grußwort: Wolfgang mehr...
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Ausstellung: "Aktuelle Architektur der Oberpfalz III" wird am 29. Januar (11 Uhr) im Stadtmuseum Amberg (Zeughausstraße 18) eröffnet. Begrüßung: Wilhelm Koch (Büro Wilhelm), Grußwort: Wolfgang mehr...
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