Von Bürgerreporter/in Alexander Grundler  |  13.05.2009  | Netzcode: 1826804  |  375 Mal gelesen.Beitrag einer OWZ-Bürgerreporter/in
Weiden

"Dann hat der liebe Gott bei dir also einen Fehler gemacht?"

Ein kleines Mädchen zeigt, wie einfach die Welt sein kann

Lange habe ich überlegt ob ich die nun folgende Geschichte auf virtuelles Papier bringen soll oder nicht. Ich habe mich dann heute dafür entschieden. Vor einigen Wochen ging ich durch die Stadt Weiden um einige Erledigungen zu tätigen. Da kam in der Fußgängerzone ein kleines Mädchen auf mich zugerannt. Ich dachte erst, es rennt an mir vorbei, aber dann merkte und sah ich ganz deutlich: Nein, es wollte zu mir.

Die Mutter lief hetzend hinterher. Als das Mädchen direkt vor mir stand, schaute es mich mit großen Augen von oben bis unten an. Drehte sich zur Mutter um und sagte: "Siehst Du Mami, ich habe es doch gewusst - der Mann ist irgendwie kaputt." Damit meinte sie meine weithin sichtbare Gehbehinderung. Der Mutter war das immens peinlich und sie fuhr das Kind auch gleich an: "Sowas sagt man doch nicht, das habe ich dir schon hundert mal erklärt." Darauf antwortete das Mädchen: "Aber du hast mir doch gestern erklärt, man soll immer die Wahrheit sagen."

Der Mutter wurde die Situation zusehens peinlicher und sie wollte das Kind gerade wegzerren, da dachte ich, nun sollte ich aber schon einschreiten und erklärte dem Mädchen dass ich von Geburt an eine Gehbehinderung habe und dass meine Muskeln und mein Bewegungsapparat leider nicht so funktionieren, wie bei vielen anderen Menschen. Da schaute sie mich verständnisvoll an uns sagte: "Dann hat der liebe Gott bei dir also einen Fehler gemacht?" Diese prägnante und dennoch treffende Analyse eines etwa 4-jährigen Mädchens verblüffte mich derart, dass ich einigermaßen verdattert aber auch gerührt antwortete: "Ja so kann man es in etwa sagen."

Die Mutter war über diese Feststellung ihrer Tochter auch dermaßen verwundert, dass sie wie angewurzelt da stand und sichtlich nicht wusste, wie sie mit der Situation umgehen sollte. Das Mädchen aber wusste es sehr wohl und meinte: "Du, also ich muss jetzt mit meiner Mami weiter - wir wollen noch Spielsachen anschauen. Aber danke, dass du mir das so toll erklärt hast und bitte mach' dir nichts draus, der liebe Gott hat alle Menschen lieb, auch die, bei denen er einen Fehler gemacht hat." Sprach es und eilte schnurstracks davon.

Die Mutter murrmelte im Weggehen noch schnell: "Entschuldigung und nix für ungut." Dieser Moment hat mich dann noch über Tage hinweg beschäftigt, aber auch zu der Erkenntnis gebracht, würden wir alle die Welt mit den Augen von Kindern sehen hätten wir viele Probleme, die in unserer Gesellschaft existieren, überhaupt nicht. Der verdatterten Mutter kann ich nur den Rat geben: Seien sie froh, dass ihr Kind noch so neugierig ist und die Welt erfahren möchte. Ich persönlich empfinde es auch in keinster Weise verletzend wenn Kinder mich auf meine kleine Einschränkung direkt ansprechen, denn sie sind oftmals die weitaus ehrlicheren Gesprächspartner. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine schöne und erfolgreiche Woche.

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