Furth im Wald
Arthur C. Clarke: Childhood's End (1953)
Buch-Tipp: Lesenswerter Klassiker der Science-Fiction-Literatur (Dt. Titel: "Die letzte Generation")
(Christian Vogl) Arthur C. Clarke ist einem breiten Publikum bekannt v.a. durch die Film-Adaption seiner Kurzgeschichte "The Sentinel" für Stanley Kubricks "2001: A Space Odyssey". Dass der Weltruhm nicht von ungefähr kommt, belegt der dreiteilige Roman "Childhood's End", der erstmals 1953 veröffentlicht wurde und in deutscher Übersetzung unter dem Titel "Die letzte Generation" lieferbar ist.
"Die letzte Generation" lautet auch der Titel des dritten Teils und meint die letzte Generation der Menschheit. Am zweiten Höhepunkt des Romans entwickeln zwei Kinder in einer Art mythischem Evolutionssprung erweiterte geistige Fähigkeiten im Sinne einer Schwarmintelligenz, die sie teilhaben lässt am "Overmind", mutmaßlich der gesammelten geistigen Kapazität des Universums.Diese ist nicht mehr an eine materielle Basis und damit auch nicht an die physikalischen Gesetze gebunden, insbesondere nicht an die Höchstgeschwindigkeit von Signalübertragungen und die inzwischen auch quantenphysikalisch in Frage gestellte Lokalität von Krafteinwirkungen. Daher vermag sich der Evolutionssprung binnen weniger Tage epidemisch auszubreiten auf sämtliche Kinder des Planeten bis zum Alter von zehn Jahren, resultierend im Aussterben der Menschheit qua Aufhebung in der nächsten Evolutionsstufe.
In den beiden vorangehenden Teilen des Romans wurde die Menschheit auf diesen Evolutionssprung hingeführt durch eine freundliche Invasion einer technisch und intellektuell überlegenen extraterrestrischen Spezies aus einem vierzig Lichtjahre entfernten Sonnensystem. Hieran macht insbesondere die Verknüpfung an einen historischen Mythos staunen: die "Overlords" genannten Außerirdischen verfügen über die Gestalt von Teufeln.
Stilistisch ist der Roman nicht weiter interessant, wie so oft auf dem Feld der Science Fiction dominieren kursorische Beschreibungen von Geräten und sozialen Vorgängen sowie Dialoge. Immerhin schrieb Clarke in den 50ern eine solide Prosa, und die Gespräche rutschen nie ins Hölzerne ab. Zu bemängeln wäre allenfalls die zu geringe Detailtiefe auf der technischen Ebene, wodurch die Szenerie unterm Strich zu blass bleibt.
Die Konstruktion der Geschichte hingegen beeindruckt nachhaltig. Clarke umschifft souverän logische Probleme und diverse in mythischen Kontexten zwangsläufig aufklaffende Erklärungslücken. Vor allem die Konstruktion eines "letzten Menschen" mit Hilfe von Reisen mit Geschwindigkeiten in Nähe der Lichtgeschwindigkeit mit dem Resultat des langsamen Alterns nach Maßgabe der Allgemeinen Relativitättheorie gilt es hier zu erwähnen. Als einziger Zeuge wohnt ein junger Astrophysiker der Verschmelzung der vormaligen Menschenkinder mit dem "Overmind" bei und übermittelt den "Overlords" per Funksignal einen ergreifenden Live-Bericht, mit dem der Roman schließt.
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