Regensburg
Oberpfälzer Pflichtfilme (Folge 8)
Filmtipps für Oberpfälzer Kinos in der Woche vom 1. bis 7. Juni 2009
Regensburg. (Christian Vogl) Neben zwei Spielfilmen von Werner Herzog aus den 70ern auch der Hinweis auf zwei aktuelle Produktionen, die relativ wahrscheinlich den "Test der Zeit" überstehen werden: "Simons Geheimnis" von Atom Egoyan und "The Limits of Control" von Jim Jarmush.
Werner Herzog: Aguirre, der Zorn Gottes (1972)
Herzogs Filmschaffen stellt einen im Stakkato vorgetragenen Einspruch gegen das Fingierte, das Gekünstelte, die Illusion dar. Aber mit den Mitteln der Kunst in einem emphatischen Sinn. Klaus Kinski wirkt in dieser Konstellation trotz aller expressionistischer Selbststilisierung so echt wahnsinnig, dass mit dieser ersten Zusammenarbeit mit Werner Herzog der viele Krampf und die wenigen guten Spät- und Spaghetti-Western, in denen er bis dato gespielt hatte, zu Fußnoten der Filmgeschichte degradiert wurden. (Akademiesalon Regensburg, Mittwoch 20 Uhr)
Werner Herzog: Kaspar Hauser - Jeder für sich und Gott gegen alle (1974)
Man erkennt Herzog an seinen Stoffen und seinem Casting: den geistig beeinträchtigten und schon im 41. Lebensjahr stehenden Bruno S. als Kaspar Hauser zu besetzen, war ebenso gewagt und ist ebenso geglückt wie Kinski als Aguirre, Fitzcarraldo oder Nosferatu. So wenig "Wand" zwischen einem Schauspieler und seiner Rolle sieht man nie. Alfred Edel hat einen Gastauftritt als Professor der Philosophie, markant wie immer. (Akademiesalon Regensburg, Freitag 20 Uhr)
Sehenswerte Neuproduktionen
Atom Egoyan: Simons Geheimnis (2008): Medienreflexion materiell zurückgebunden an unsere Emotionen: welche Elemente einer Erzählung haben ein reales Fundament, was ist Deutung, was frei erfunden? Am Thema des islami/stischen Terrorismus durchexerziert. (Filmgalerie Regensburg, Dienstag, 19 Uhr)
Jim Jarmush: The Limits of Control (2009): Der allzu vage Plot um einen wortkargen Auftragsmörder schmarotzt zwar zu sehr an zitierten kulturellen und künstlerischen Leistungen, verfremdet sie aber immerhin so weit ins Statische, um Christopher Doyles grandios bewegliche Kameraarbeit hinreichend Fundament zu bieten. Trotz der Mängel definitiv "größeres Kino" als ungefähr alles, was uns im laufenden Jahrzehnt aus der Traumfabrik aufgetischt wurde. (Kino am Ostentor, Regensburg, täglich 21:30 Uhr, Do - Sa auch 19:15 Uhr)
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