Weiden/Vohenstrauß
Aus dem Nest gefallen
Oder: Wie lernt man fliegen?
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| Winzig ist der kleine Vogel. Bild: Karin Siegel |
Zugegeben, ein niedliches „ach wie süüüß Rufe “ entlockendes Tierchen ist es nun nicht gerade, so ein Vögelchen.
Wie ein winziges, nacktes Hühnchen lag es da im Gras.
Kaum daumengroß, durchscheinend zart, die Haut fast glitschig aussehend, ein winziges, fingernagelgroßes Köpfchen, dafür viel Schnabel.
Angerührt von so viel Hilflosigkeit nahm Alexandra das kleine Wesen unter ihre Fittiche.
Ein sehr hungriges Pflegekind, wie der aufgerissenen Schnabel deutlich zu verstehen gibt.
Als Vogelmama besorgt man in diesem Fall einfach ein paar Würmer und Insekten, zerkleinert sie ein bisschen und stopft sie dem Kind in den Schnabel.
Als Adoptivmama tut man praktisch dasselbe. So einfach ist das. Leicht gesagt und schwer getan. Aber: Besondere Umstände erfordern besondere Taten.
Ein Nestling braucht ein Nest. In diesem Falle eine Schachtel.
Alexandra braucht einen verständnisvollen Chef und gute Ratschläge.
Beides ist vorhanden und so haben viele Kunden des Frisörgeschäftes am
Stadtmühlweg Freude am SpatzSchwalbeAmsel-Kind.
Vorbeikommende Passanten geben wohlmeinende Tipps. So liegt das kleine Ding binnen kurzem auf einer Wärmflasche, ist in warme, weiche Watte gehüllt und wird mittels Einwegspritzen, Pinzette und Aufzuchtfutter getränkt und gefüttert.
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| Ein großes Herz für Tiere hat Alexandra Breu. Bild: Karin Siegel |
Nun ist es ja so: Kein Baby schläft nachts durch. Dieses da macht keine Ausnahme.
Mindestens dreimal in der Nacht werden alle Prozeduren wiederholt, an ruhigen Schlaf ist nicht zu denken.
Übrigens auch nicht für die drei Katzen, die den neuen Mitbewohner naturgemäß
zum Fressen gern hätten und deshalb aus dem Haus verbannt werden.
Ein voller Magen ist nun nicht alles – das aufmunternde Gezwitscher seiner Artgenossen sollte man schon hören, sei es nun spätzisch oder schwälbisch, dachte sich Alexandra sehr einfühlsam.
Und so ging sie mit ihrer Schachtel öfter mal in den nahegelegenen Park, lupfte ein bisschen das Handtuch und hoffte, dass Sonne, Licht und aufmunterndes Vogelgezwitscher dem kleinen Ding Lebenskraft geben würden.
Und die seltsamsten Gedanken gehen einem durch den Kopf. Zum Beispiel:
Wie lernt man fliegen? Wenn man in einer Schachtel wohnt? Und keinen hat der´s einem zeigt?
Und einen Namen könnte man sich langsam auch überlegen, das Vögelchen ist kräftiger geworden.
Aber nicht kräftig genug.
Nach drei Tagen Fürsorge, Wärme und Geborgenheit
war es leider vergebliche Liebesmüh – im wahrsten Sinne des Wortes.
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