Regensburg
Oberpfälzer Pflichtfilme (Folge 9)
Filmtipps für Oberpfälzer Kinos in der Woche vom 8. bis 14. Juni 2009
Regensburg. (Christian Vogl) Auch wenn uns Dr. Heins "Kanon 99" diesen Monat mit "Schindlers Liste" beleidigt, dürfen wir uns diese Woche an einem reichen "Kessel Buntes" erfreuen.
John Huston: Asphalt Jungle (1949)
Ein Noir mit Blick von "hinter den Kulissen", mit Blick aufs Uhrwerk und den entscheidenden Faktor "Information". Weil Hustons Film auf Musik komplett verzichtet, steigt und steigt die Spannung, ohne dass wir vor der Leinwand uns manipuliert fühlen. (Akademiesalon Regensburg, Dienstag 20 Uhr)
Sam Peckinpah: The Wild Bunch (1969)
Einer der Western ganz am Ende von dessen Zeit: 1913. Kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs und in den Anfängen der Ost-Öffnung der USA wird das Leben für Cowboys härter, was Peckinpah mit der vermutlich chaotischsten Bankraub-Sequenz der Westerngeschichte verdeutlicht. (Garbo Regensburg, Dienstag 20:30 Uhr)
Jacques Becker: Le trou (1960)
Wer Bressons Ausbruchs-Film zu idealistisch, zu vergeistigt geraten findet, bevorzugt Beckers härtere Fassung: Muskelkraft statt Planung, Stahl auf Stein, Frustration statt Verzweiflung. (Akademiesalon Regensburg, Mittwoch 20 Uhr)
Werner Herzog: Stroszek (1976)
In seinem zweiten Film mit Bruno S. verarbeitet Herzog nach der Vermittlung über Kaspar Hausers Fremdheit in der Sprache die Fremdheit im Sozialgefüge direkter, damit fast zwangsläufig auch flacher. Wenn jedoch das utopische Exil am tanzenden Automaten-Huhn anlangt, wird man mit einer dieser Brandeisen-Chiffren belohnt, die einen wieder und wieder in Herzogs Filme treiben. (Akademiesalon Regensburg, Samstag 20 Uhr)
Woody Allen: Manhattan (1979)
Woody Allens Abwendung vom "bloß Komischen" hin zum "großen Kino" ist im Rückblick schwer vorstellbar ohne Kameramann Gordon Willis, der mit zuvor mit Francis Ford Coppola zwei Teile des "Paten" gedreht hatte. Unvergesslich schöne, die Großstadt grotesk verklärende Schwarz-Weiß-Aufnahmen vom nächtlichen New York lassen das zähe Bergman-Imitat "Interiors" aus dem Vorjahr vergessen. (Akademiesalon Regensburg, Sonntag 20 Uhr)
Sehenswerte Neuproduktionen
Woody Allen: Vicky Cristina Barcelona (2008): Der Latin Lover, die verkopfte Akademikerin, das Mädel auf der Suche, die glutäugige Spanierin, der vertrocknete Yuppie - das kann eigentlich nicht funktionieren. Aber Woody Allens harmloser plot biegt die Klischees zurück zur Erde und plausibilisiert den Korks der Figuren so wohlwollend, dass man hinterher so was ähnliches wie Glück im Leibe spürt. (Neue Welt Kino-Center Weiden, Mittwoch, 20:50 Uhr)
Jim Jarmush: The Limits of Control (2009): Surreal? Absurd? Existenzialistisch? Neo-Noir? Keine Ahnung, aber Abweichler-Gangster wenden sich gegen die Organisation, anscheinend. Jarmush gelungenste Arbeit seit "Dead Man". (Kino am Ostentor Regensburg, Mo - Mi 21:30 Uhr, Do - So 19:15 Uhr)
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