Wunsiedel
Der Brandner Kasper bei den Luisenburg-Festspielen
Ein Michael Lerchenberg, der ganz und gar der Boandlkramer wird
Ich muss ehrlich zugeben, als mir Freunde sagten: „Komm Alexander wir fahren zu den Luisenburg Festspielen“, da habe ich schon einige Zeit gezögert und dachte mir, ach nein den Brandner Kasper hast schon so oft gesehen, auf Freilichtbühnen und natürlich auch die Neuverfilmung auf DVD, dass muss jetzt nicht schon wieder sein.Aber gut, ich ließ mich überreden und fuhr mit nach Wunsiedel. Nachdem wir den Burgberg erklommen hatten (das war ganz schön anstrengend für jemand Unkonditionierten wie mich) begaben wir uns nach einer kurzen Stärkung auch sofort auf unsere Plätze.
Das Bühnenbild wirkte auf mich im ersten Augenblick schlicht, aber zweckmäßig. Dann ging es auch schon los und was mir vorher nicht so klar war, dass muss ich ehrlich zugeben, die Bühne wurde in ihrer kompletten Tiefe bespielt. Da gibt es unendlich viele Stufen und kleine Gänge und war ein/e Darsteller/in noch eben an der einen Stelle zu sehen, konnte es schwups auch schon wieder eine andere sein. Sicherlich ist das auch nicht ganz ungefährlich, denn nicht alle Ecken und Kanten könnten natürlich zu 100 Prozent ausgeleuchtet sein und die Treppen in den Felsen sind auch ganz schön steil, da ist Kondition gefordert.
Das Haus des Brandner Kaspers war zuerst von außen zu sehen und ich fragte mich die ganze Zeit, was machen die, wenn eine Szene im Haus spielt. Aber siehe da, das Haus befand sich auf einem beweglichen Plattform und wurde binnen Sekunden einfach umgedreht, sodass man auch gleich einen Blick in das Innere werfen konnte. Solche ausgeklügelte Technik fand auch gleich Szenenapplaus beim Publikum.
Die herausragendste Rolle spielte an diesem Abend für mich zweifelsohne Michael Lerchenberg in der Rolle des Boandlkramers. Für zweieinhalb Stunden verkörperte er für mich nicht nur den Boandlkramer, nein für mich war er es von der ersten bis zur letzten Minute. Man fühlte sich von Anfang an von der Geschichte gepackt, was aber sicherlich auch zu einem beträchtlichen Teil an den anderen Darstellern lag, denn sie hauchten dieser Naturbühne Leben ein.
Der Erfindungsreichtum beim Kulissenbau kannte anscheinend keine Grenzen, so das man sich oft im Vorgriff auf eine bestimmte Szene fragte: „Wie werden die das wohl umsetzen?“ Da ja Lachen bekanntlich die beste Medizin ist, bekamen die Zuschauer bei der ausverkauften Aufführung gleiche eine Überdosis verabreicht. Ich habe die Menschen einmal genau beobachtet: Am Anfang waren sicherlich einige ernste Gesichter dabei aber nach zweieinhalb Stunden lachten sie alle. Ich habe auch nicht nur einen enttäuschten Menschen nach der Vorstellung getroffen. Auch der Schlussapplaus fiel mit über 15 Minuten äußerst großzügig aus und war nocheinmal Ausdruck der Begeisterung des Publikums.
Die Preisgestaltung wurde von manchem Besucher in Zeiten knapper Kassen natürlich kritisch beleuchtet. Aber hier darf man ruhig ganz selbstbewusst sagen, wenn man sieht, dass manche Musicalproduktionen nicht annähernd hochkarätig besetzt sind und dafür für die besten Plätze zum Teil 90 Euro und mehr verlangt werden und auf der Luisenburg gerade einmal 29 Euro in der besten Kategorie fällig werden, dann ist dieser Preis sicherlich gerechtfertigt.
Alle die nun sagen, dass sie ja gerne sich dieses Stück anschauen würden, aber keine Karten mehr bekommen haben, kann man beruhigen, denn aufgrund des großen Erfolgs wird das Stück in der gleichen Besetzung in den Spielplan 2010 mit aufgenommen. Dann haben auch Sie die Chance für 29 Euro zweieinhalb Stunden Medizin zu bekommen. Und das von Darstellern die nicht nur darstellen, sondern ihre Rollen in dieser Zeit auch leben.
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