Weiden/Berlin
Horst Schlämmer – Die Faszination einer Kunstfigur
Warum würden ihn 18 Prozent wählen?
Dieser Tage war in Berlin die Premiere des Films „Isch kandidiere“ in der die Kunstfigur von Hape Kerkeling, Horst Schlämmer, die Hauptrolle spielt. Horst Schlämmer möchte im Film mit seiner Horst-Schlämmer-Partei (HSP) den Bundeskanzler stellen. Eine Umfrage ergab nun das ihn bei einer Bundestagswahl 18 Prozent der Bürgerinnen und Bürger wählen würden, wenn das ginge. Da drängt sich mir nun natürlich die Frage auf: Warum?Liegt es daran, dass Politiker nicht mehr unbedingt die Sprache aller Menschen sprechen und zwar so dass sie jeder versteht? Oder liegt es gar daran, das man den politischen Verantwortlichen meist sogar Unehrlichkeit unterstellt? Auffallend ist das, wenn man nun kurz vor der Bundestagswahl einen Blick in die Medien wirft, jede politische Partei ihre eigenen Rezepte hat. Für die unterschiedlichsten Probleme wird versucht, unterschiedliche Lösungsansätze zu präsentieren und die potentiellen Wählerinnen und Wähler davon dann zu überzeugen, dass der jeweilige Ansatz genau der richtige ist.
Dabei wird aber oft vergessen, diese Rezepte auch sprachlich so zu präsentieren, damit es wirklich jeder versteht und zum anderen wenn dann wirklich einmal mündige Bürger versuchen geschickt nachzufragen (siehe verschiedenste Sendungen im Fernsehen), wird mit rethorischen Intermezzi versucht auszuweichen, im Glauben, der Bürger wird es schon nicht merken.
Dies genau ist der Grund, warum erschreckender Weise eine Kunstfigur mehr Zuspruch erhalten würde als Politikerinnen und Politiker in der realen Welt. Was sich die Menschen wünschen ist doch eigentlich ganz einfach: Ehrlichkeit und Offenheit sind die Attribute, die bei den Mitmenschen wirklich ankommen würden und das verkörpert Horst Schlämmer in seinem Film. Er sagt von Anfang an: „Ich möchte Bundeskanzler werden.“ Und taktiert nicht, sondern sagt frei heraus, was seine Meinung ist.
Das politische Tagesgeschäft zeigt es immer wieder, die wenigsten politischen Vertreterinnen und Vertreter leben die für die Mitmenschen, von den sie gewählt wurden, wichtigen Attribute: Ehrlichkeit und Offenheit. Es wird taktiert und Hauptsache der jeweils politische Gegner steht schlecht da. Dabei lernt doch schon jedes Kind: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, selbst wenn er auch die Wahrheit spricht.“
Deshalb mein Vorschlag an alle politischen Verantwortlichen, schauen Sie sich zuerst einmal das neue Werk von Hape Kerkeling an und suchen Sie dann nach Anknüpfungspunkten, wie Sie ganz persönlich, eine für jeden verständliche Sprache und die nötige Offenheit schaffen können. Denn auch in der Politik sollten die Sprichworte: „Ehrlich währt am längsten“ und „Gemeinsam sind wir stark“ wieder viel mehr Einzug halten. Die Wählerinnen und Wähler werden es Ihnen danken mit hoffentlich hohen Prozentzahlen bei der nächsten Wahl.
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