Weiden
Weiden ist bunt
Anscheinend gilt dieser Leitsatz leider noch nicht überall
Als ich dieser Tage beim Frühstück die Zeitung aufschlug, dachte ich, ich lese nicht richtig. Da gibt es in Weiden tatsächlich einen Veranstalter, der aufgrund von Vermutungen, Empfindungen nur noch einen Prozentsatz an amerikanischen Gästen in sein Lokal lassen möchte. Zuerst dachte ich, das kann doch gar nicht sein, denn „Weiden ist bunt“.Aber da wurde ich getäuscht. Auf der Homepage des Veranstalters steht zu lesen: „Da die Möglichkeit objektiv in Erwägung gezogen werden muss, dass sich diese Attacke gezielt gegen unsere US-amerikanischen Gäste gerichtet hat, sehen wir uns gezwungen, ein „Off-Limit“ von 5% gegenüber den US-Amerikanern zu setzen - was bedeutet, dass ab sofort nur noch zwischen 20 und 90 US-amerikanischen Gästen je nach Größe der Veranstaltung Einlass erhalten.“
Da war und bin ich, ganz ehrlich, erst einmal platt. Eine Sortierung von Menschen nach ihrer Herkunft, also Menschen mit amerikanischem Pass müssen draußen bleiben, wenn die Quote erreicht ist. Da könnte man jetzt sagen, na gut der Veranstalter hat ja das Hausrecht. Aber ich gebe zu bedenken, es gibt ja in Deutschland das Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Im Paragraphen eins dieses Gesetzes steht zu lesen: „Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.“
Damit ist schon einmal klipp und klar dargestellt, dass im vorliegenden Fall etwas nicht ganz okay läuft. Denn im Paragraphen zwei, Absatz eins Nummer 8 des Gesetzes steht: „Benachteiligungen aus einem in § 1 genannten Grund sind nach Maßgabe dieses Gesetzes unzulässig in Bezug auf: den Zugang zu und die Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, einschließlich von Wohnraum.“ Für mich ist die Veranstaltung einer Party eine Dienstleistung, die nun amerikanische Bürger nur bedingt im Vergleich zu allen andern Bürgern wahrnehmen können.
Objektiv gesehen ist diese Maßnahme gesellschaftlich eigentlich kaum zu tolerieren. Wir sprechen immer von Toleranz und Verständnis in unserer Gesellschaft, für mich ist diese Maßnahme kein geeignetes Mittel um evtl. „Anschlägen“ vorzubeugen. In meinen Augen schürt diese Maßnahme Intoleranz und Fremdenhass und eine Gesellschaft muss sich immer daran messen lassen, wie sie mit ihren Randgruppen umgeht.
Dies scheint aber die Veranstalter dieser Partys nur wenig zu interessieren. Ich kann nur jeden Bürger unseres Landes bitten, sich selbst seine Meinung zu bilden und zu entscheiden, ob man derartig geartete Veranstaltungen, bei denen Menschen nach Herkunft ausgesiebt werden, besuchen möchte. Denn mich erinnert das Ganze ehrlich gesagt an eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte und da Weiden ja angeblich bunt ist, kann man so etwas nach meiner Meinung kaum hinnehmen.
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