ERBENDORF
Gemütlich zockeln wie der Bockl
OWZ-Radltipp: Von Erbendorf nach Reuth auf der alten Bahntrasse
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| Gegenüber dem Bahnhof Reuth bei Erbendorf endet der Radweg an der Stelle, wo einst die Personenzüge der Nebenbahn abfuhren. Bild: Harald Mohr |
Der Bahnhof Erbendorf Nord ist nicht mehr vorhanden. Dafür hat man beim Bau des Radweges einige Bahn-Utensilien an den Beginn des Weges drapiert. Anlässlich des Jubiläums wird in Kürze sogar ein echter "Bockl" des Typs, der zuletzt auf der Strecke gefahren ist, als Denkmal feierlich enthüllt.
Aller Anfang ist hier leicht: Die Strecke folgt mit stetem Gefälle der nahen Fichtelnaab, an der sich einst viele Industriebetriebe gegründet haben. Sie haben durch den Bahnbau profitiert, einige Neuansiedlungen kamen dazu, und alle bescherten der einstigen Bergbaustadt Erbendorf noch eine zweite Blüte als Industriestadt. Nach 1,1 Kilometern rollender Fahrt erreichen wir einen Rastplatz mit Bänken, bei dem Infotafeln an die Bedeutung der Bahn erinnern.
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| Die Fichtelnaabbrücke ist der tiefste Punkt der Strecke. Von hier geht es steil bergauf nach Krummennaab. Bild: Harald Mohr |
Ungefähr hier war früher der Bahnhof Erbendorf Süd. Zur Zeit des Bahnbaus gab es im Erbendorfer Stadtparlament eine "Nordpartei" und eine "Südpartei", und heute noch erzählt man sich in Erbendorf davon, wie der Bahnbau die Stadt in zwei Lager spaltete, die sich um die Lage des Bahnhofes stritten. Letztlich wurden beide gebaut.
Wir lassen unser Radl weiter rollen. Der Radweg wurde recht aufwendig gebaut. Im Ortsbereich Erbendorf gibt es eine Beleuchtung, und überall entlang des Weges haltbare Metallbänke, so dass man immer wieder Rast machen kann. An einigen Stellen gibt es Infotafeln, so bei Kilometer 3,3, wo man auf den "Bahnkörper als Lebensraum" aufmerksam macht. Erstaunlicherweise hat der gravierende menschliche Eingriff in die Landschaft nach der Stilllegung der Nebenbahnen Rückzugsreviere geschaffen. Hier für Arten, die früher in den Auwäldern des Fichtelnaabtales lebten und jetzt an den Bahndämmen abwechslungsreiche Lebensräume vorfinden.
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| Einige gut gemachte Infotafeln und Bänke laden zum Verweilen ein. Bild: Harald Mohr |
Etwa bei Kilometer 3,8 - die noch vorhandenen Kilometersteine der Bahn bieten eine gute Orientierung auch ohne digitalen Fahrrad-Tripcomputer - hat die lockere Talfahrt ein Ende. Wir haben gerade die Fichtelnaab auf der für den Rad- und Wanderbetrieb umgerüsteten alten Bahnbrücke überquert und damit den mit 454 Metern über Meereshöhe tiefsten Punkt der Strecke. Hier verlässt die Trasse das Fichtelnaabtal und klettert ziemlich abrupt am Berghang entlang hoch nach Krummennaab, was der Radler schnell in den bis jetzt noch nicht beanspruchten Wadln spürt.
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| Über den Beginn des Radwegs in Erbendorf hat man ein kleines Häuschen gebaut. Sogar ein paar Meter Schienen hat man hier symbolisch mit eingebaut. Bild: Harald Mohr |
Doch die Steilrampe hat schon bald ein Ende. Bei Kilometer 4,7, gleich nach der Porzellanfabrik Seltmann, erreichen wir die Stelle des ehemaligen Bahnhofes Krummennaab und damit automatisch eine Ebene. Denn die durchgehenden Gleise in Bahnhöfen dürfen keine nennenswerten Neigungen haben. Die kurze Strampelei schaffen auch Radler, die es gemütlich angehen lassen wollen, oder Familien mit Kindern. Weiter geht es bei Kilometer 5 durch einen Einschnitt. Reuth kommt in Sicht, die Strecke fällt jetzt stark ab, um das Niveau der jetzt sichtbaren Hauptstrecke Regensburg - Hof zu erreichen.
Wir können unser Radl also wieder laufen lassen und beobachten, wie der Bahnhof Reuth bei Erbendorf näher kommt. Der Radweg endet auf der Straßenseite des Bahnhofes, dort wo früher auch die Personenzüge abfuhren. Von hier aus können wir noch einen Abstecher zum nahen Schloss Reuth machen, dass aber nur von außen zu besichtigen ist. Die Rückfahrt gestaltet sich wegen der starken Steigung zu Beginn weniger sympathisch, aber wie schon Karl Valentin sagte: Bergauf fahren macht Spaß, weil es danach ja wieder runter gehen muss. Harald Mohr
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