Weiden
Die Sauna: Ein Ort der Entspannung - oder doch eher ein Stammtisch?
Die Erlebnisse am Rande eines Aufgusses, der eigentlich entspannen sollte
Neulich dachte ich mir ganz nach dem Motto: „Man gönnt sich ja sonst nichts“, suchst du wieder einmal die Saunalandschaft der Weidener Thermenwelt auf, um dich zu erholen und zu entspannen. Als ich dort ankam, las ich, dass als nächstes der Entspannungsaufguss in der 90-Grad-Sauna ansteht. „Jawohl genau das richtige“, dachte ich noch so bei mir.Also kurz bevor der Aufguss beginnen sollte ab in die Sauna. Dass sich die Leute hier auf den Entspannungsaufguss vorbereiten, konnte ich nicht feststellen. Nein, eher klang es hier wie auf dem Jahrmarkt. Da unterhielten sich die Gäste zum Beispiel über solche Themen wie: „Was ist besser: der Inhalt meines Kühlschranks oder der Inhalt meines Schlafzimmers?“. Ja, das taten die wirklich. Ich schaute genauso verdutzt wie Sie jetzt vielleicht.
Im Hintergrund lief bereits die Entspannungsmusik, mit Hilfe derer man sich eigentlich schon ein wenig entspannen sollte, um für den Aufguss vorbereitet zu sein. Aber in der anderen Ecke der Sauna gab es eine sicherlich spannende Disskusion darüber, ob es für Rentner nun schlimm ist, dass sie keine Urlaubsanträge mehr stellen können und dass sie auch keine gelben Krankmeldungen mehr bekommen und sie eigentlich ja Zeit hätten, den ganzen Tag in der Sauna zu verbringen.
Zuerst versuchte ich dieses Gesrächsgewirr zu ignorieren, was aber wegen der Lautstärke der Unterhaltungen leider nicht möglich war. Dann kam endlich die Bademeisterin um ihres Amtes zu walten und den Aufguss durchzuführen, aber bevor sie mit ihrer Arbeit beginnen konnte, musste sie erst einmal für Ruhe sorgen. Dann war sie endlich da, die Stille, die bei dieser Art von Aufguss schon hätte viel früher herrschen sollen. Einigen Gästen viel es aber sichtlich schwer, sich an die Anweisungen der Bademeisterin zu halten, denn sie begannen erneut zu flüstern und es bedurfte einer erneuten Ermahnung, dass während des Entspannungsaufgusses nicht gesprochen werden darf. Dann konnte sie ihr Handwerk auch in Ruhe zu Ende bringen und ich mich für fünf Minuten auch entspannen.
Die Bademeisterin hatte - umsichtig wie sie war - auch erklärt, dass sie nach Ende des Aufgusses die Sauna einfach verlassen und sich nicht verabschieden würde um die Entspannung nicht zu stören, soweit so gut. Als der Moment dann gekommen war und sie ihre Ankündigung in die Tat umsetzte sahen sich einige Gäste aufgefordert lautstark zu klatschen, auf den Hinweis eines Saunagastes, dass es sich hier um einen Entspannungsaufguss handelt und die Stille zu wahren sei, kam nur ein „Wennst moinst“.
Mit der Entspannung war es nun ohnehin vorbei, denn eine Unsitte, wie ich finde, die sich bei allen Aufgüssen einschleicht, sobald das Personal nach dem Aufguss die Sauna verlassen hat, hat man ja keine Minute mehr Zeit um noch ein wenig nachzuschwitzen. Nein, einige Gäste müssen die Sauna sofort nach dem Aufguss verlassen und damit auch gleich die ganze Wärme mitnehmen. Bitte verstehen sie mich jetzt nicht falsch, wenn jemand aus sagen wir medizinischen Gründen nicht mehr bleiben kann, soll er selbstredend die Sauna verlassen, aber alle anderen sollten doch eher noch etwas die wohltuende Wärme genießen und nicht mit ihrem rudelartigen Fluchtverhalten regelrecht die Wärme aus der Sauna saugen.
Für alle, die es nun noch nicht wissen, zu guter Letzt noch mal der Hinweis: Ein Entspannungsaufguss ist kein Stammtisch! In diesem Sinne gesundes Schwitzen.
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