Regensburg
Oberpfälzer Pflichtfilme (Folge 17)
Filmtipps für Oberpfälzer Kinos in der Woche vom 30. November bis 6. Dezember
Regensburg. (Christian Vogl) Verkehrte Welt an meiner Kinofront: Einem sehenswerten Klassiker stehen vier sehenswerte Neuproduktionen gegenüber.
Michelangelo Antonioni: Blow Up (1966)
Egal ob die Bilder bewegt werden oder still stehen, egal ob mono- oder multimedial, die Frage bleibt, spätestens seit Platons "Staat": Inwieweit repräsentiert irgend ein Abbild der Wirklichkeit diese tatsächlich? Muss der Anteil der menschlichen Interpretation nicht auf hundert Prozent gesetzt werden? Dieses akademische Problem mit Elan und sowas ähnlichem wie "Zeitgeist" inszeniert zu haben, ohne es im Kern zu verflachen, stellt eine der bleibenden Leistungen der Cinematographie dar. (Akademiesalon Regensburg, Andreasstr. 28, Nur Montag, 20 Uhr)
Sehenswerte Neuproduktionen
Michael Glawogger, Das Vaterspiel: Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Josef Haslinger holpert zwar nicht weniger dahin als der Roman selber, insofern ist sie also "adäquat", und Glawogger konnte (und wollte) seine Schauspieler noch nie "führen". Angesichts der geringen Rate an Filmen, die sich der genoziden Vergangenheit Europas aufarbeitend statt bloß abbildend stellen, darf ich den Gang ins "Vaterspiel" und den Blick auf Sabine Timoteos Frisurenvielfalt dennoch warm empfehlen. (Wintergarten im Andreasstadl, Andreasstr. 28, Regensburg, täglich um 21 Uhr)
Michael Haneke, Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte: Haneke wendet sein Dauerthema von der verfremdenden Wirkung der Medien auf Bewusstsein und Wirklichkeit auch historisch an, auf einen (fiktiv) autobiographischen Bericht über die zunehmende Gewaltbereitschaft einer Dorfgesellschaft. Das will sich nicht so recht ins Plausible, Erhellende fügen, ist aber ansonsten sehr gut gemacht. (Regina Regensburg, Holzgartenstr. 22, Montag bis Mittwoch, jeweils 18:30 Uhr)
Quentin Tarantino, Inglourious Basterds: Alternative Geschichtsverläufe im Kino, durch das Kino - Tarantinos Film ist zunächst ein Plaidoyer für die Wirkungsmacht der Institution Kunst, die Realitäten an den Fronten im Zweiten Weltkrieg fungieren, wenn überhaupt, als Versatzstücke. (Nur Mittwoch, 20:45 Uhr im Garbo, Weissgerbergraben 11, Regensburg)
Birgit Schulz, Die Anwälte - Eine deutsche Geschichte: Horst Mahler, Otto Schily und Hans-Christian Ströbele waren in den 70ern Anwälte der ("linken") APO und finden sich 30 Jahre später an entgegengesetzten politischen Polen, von "weit rechts" über die "Regierungsmitte" bis "halblinks". Birgit Schulz versucht, den Ursachen des Werdegangs im Gespräch und mit recherchierten Bildern auf den Grund zu gehen. Das kann nicht funktionieren, schon gar nicht mit einem sinnleeren "Soundtrack", kommt aber doch wichtigen Fragen der deutschen Republik gestern und heute recht nahe. (Akademiesalon Regensburg, Andreasstr. 28, Freitag bis Sonntag, jeweils 20 Uhr)
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