Birgland
Regenerative Energien ja - aber nicht wieder auf Kosten der Natur
Eine großflächige Photovoltaikanlage und zwei Windkraftanlagen für 80 Millionen Euro sollen in der Gemeinde Ursensollen auf rund 91 Hektar landwirtschaftlichen Areals entstehen. In Auerbach entsteht ein Solarpark. So die Schlagzeilen der letzten Woche.Da fragt man sich: Sind hier Visionäre am Werk, die die Welt vor dem Klimawandel retten wollen? Oder vielleicht doch nur clevere Geschäftsleute, die die Gunst der Stunde nutzen wollen, um große Gewinne einstreichen zu können?
Dass wir an einem kritischen Zeitpunkt in der Geschichte der Menschheit stehen, ist mittlerweile jedem bewusst. Dass wir etwas tun müssen, um unseren natürlichen Lebensraum bewohnbar zu erhalten, ist unbestritten. Aber macht es Sinn, die Symptome mit immer neuen Medikamenten zu bekämpfen, wenn man nicht gleichzeitig bei den Ursachen ansetzt? Noch dazu mit Medikamenten, deren Nebenwirkungen man noch nicht kennt?
Denn die Ursache unserer Probleme ist weder die Endlichkeit der fossilen Brennstoffe, noch die hohe C02-Emission, noch die Klimaerwärmung. Das sind alles nur Folgen unseres Tuns. Die Ursache ist einzig und allein unser Lebensstil. Es ist unsere High-Tech-Gesellschaft, unsere Mobilität, der hemmungslose Konsum in allen Lebensbereichen, den wir uns angewöhnt haben. Alles muss zu jeder Zeit machbar sein, alles muss immer im Überfluss vorhanden sein. Dafür haben wir uns in einem Teufelskreis eines „Immer mehr“ begeben, der uns nicht nur immer mehr abverlangt, sondern aus dem wir auch immer weniger innere Befriedigung ziehen.
Diesen Lebensstil haben wir voll Stolz in alle Teile der Welt transportiert und immer mehr Menschen suchen nun ihr Glück in genau dem gleichen Lebensstil. Wer z.B. die Berichterstattung über die Entwicklung in China verfolgt, kann im Zeitraffer erleben, wie der vermeintliche Fortschritt direkt in die Katastrophe führt. Und zwar nicht nur für die Menschen, sondern vor allem auch für die Natur. Denn wie selbstverständlich verlangen wir, dass wir unsere Bedürfnisse ohne Rücksicht auf den Rest der Natur-Welt stillen dürfen. Dass andere Lebewesen ausbaden müssen, was wir ihnen einbrocken.
Doch die Natur wehrt sich gegen die menschliche Dominanz, das erleben wir gerade sehr eindringlich. Und nun glauben wir, als Antwort, wir dürften wieder unberührte Natur mit Windkraftanlagen und Solarparks zupflastern? Mit dem Argument, das sei nicht schädlich, weil das ja erneuerbare Energien sind? Und mit den erneuerbaren Energien könnten wir weitermachen wie bisher?
Erneuerbare Energien – ein schöner Ausdruck, von dem wir uns nur zu gerne darüber hinwegtäuschen lassen, dass die Technik zur Erschließung dieser Energiequellen mitnichten erneuerbar ist. Windkrafträder und Solarzellen müssen gebaut, gewartet und wieder entsorgt werden. Wenn wir sie in unbebautes Land (statt auf unsere Dächer, was ja auch möglich wäre) stellen, greifen wir damit wieder in die Ökosysteme ein. Welche Folgen das alles haben wird, können wir vermuten, aber wissen werden wir es erst in zwanzig, dreißig Jahren.
Die Lösung für unsere Probleme sieht anders aus. Wer die Studie „Zukunftsfähiges Deutschland“ des Wuppertaler Instituts für Klimaforschung gelesen hat (www.zukunftsfaehiges-deutschland.de), weiß, dass nur eine radikale Konsumbeschränkung eine wirklich spürbare Entlastung für die Erde bringt. Dazu müssen wir Menschen verstehen, dass nur ein achtsamer Umgang mit allem Lebendigen unser eigenes Überleben sichern wird. Um dieses Verständnis zu fördern, braucht es vor allem eine neue Art von Bildung. Nicht eine Aus- und Fortbildung, die auf die Bedürfnisse einer auf permanentes Wachstum fixierten Wirtschaft ausgerichtet ist, sondern eine Bildung, die uns Menschen in dem unterstützt, das (wieder) zu werden, was wir eigentlich sind: natürliche Wesen, die für sich und die Welt eine Freude sind.
Deshalb wäre eine Investition von 80 Millionen Euro in die Bildungseinrichtungen im Landkreis Amberg-Sulzbach, mit Lehrern, Betreuungskräften, Schulgärten, Lernbauernhöfen, Praktikumsstätten, Ateliers, Schulküchen … wirklich visionär und im besten Sinne nachhaltig.
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