Furth im Wald
Oberpfälzer Pflichtfilme (Folge 21)
Sehenswerte Filme in den Oberpfälzer Kinos vom 28. Dezember 2009 bis 3. Januar 2010
Diese Woche ein reichhaltiges Programm für Oberpfälzer Filmfreund/innen: gleich sechs Filme sollte man im Lauf seines Kinolebens mal gesehen haben.
Tomas Alfredson: So finster die Nacht (2008)
Der Originaltitel deutet den Genremix an: "Låt den rätte komma in" von Tomas Alfredson vermengt Adoleszenz-Drama, Vorstadt-Portrait und Horror-Genre. Die Vampirin wurde mit zwölf Jahren transformiert und ist dennoch pubertär geblieben. Das Motiv der Pädophilie wurde übrigens aus der Romanvorlage von John Lindqvist gekürzt, wie auch die meisten Erklärungen und Dialoge. Die Kameraarbeit drängt sich zuweilen überdeutlich mit sprechenden Einstellungen ins Bewusstsein der Zuschauer/in, was aber insgesamt noch stimmig ist: sie muss auch die budgetbedingten Mängel der Splatter-Effekte kaschieren. Einer der Höhepunkte des Kinojahrs 2008. (Montag bis Mittwoch, jeweils 19:00 Uhr, im Akademiesalon Regensburg, Andreasstr. 28)
Roman Polanski: Tanz der Vampire (1967)
Ein eigenartiger Film zwischen Slapstick-Hommage und Horror-Persiflage, quasi eine Kreuzung aus Buster Keaton und Quentin Tarantino. Solitär auch im Filmschaffen Polanskis. In der englischsprachigen Originalfassung zu sehen, also mit den Gags zum Kalten Krieg. (Nur Montag, 21:30 Uhr, im Akademiesalon Regensburg, Andreasstr. 28)
Abel Ferrara: The Addiction (1995)
Ferraras Deutung des Vampirs als Junkie ist zwar nicht sonderlich originell, und Geschmackssache auch das Aufblähen durch einige existenzphilosophische Phrasen, vornehmlich im Heidegger-Sartre-Umfeld. Aber aufgrund der Neo-Noir-Optik unter der Kameraleitung von Ken Kelsch, mit dem Ferrara auch bei den Spielfilmen Bad Lieutenant, Dangerous Game, The Blackout und New Rose Hotel gearbeitet hat, eine der stimmigeren Übertragungen des Vampir-Mythos in die zeitgenössische Großstadt. An den Kinokassen mit nur $307 Tsd. US-Einspielergebnis jedoch ein empfindlicher Flop für Ferrara. (Nur Dienstag, 21:30 Uhr, im Akademiesalon Regensburg, Andreasstr. 28)
Paul Morrissey: Blood for Dracula (1974)
Ausnahmsweise wiederhole ich bereits Gesagtes: "Einer der am meisten mit Pathos aufgeladenen Deutungen des Dracula-Stoffes, getragen von einem Udo Kier in dekadent-schwülstiger Hochform. Ob der Film 'gut' sei, lasse ich offen, und alle Trash-Verächter dürfen sich den Weg sparen. Auch bekannt unter dem Titel Warhols Dracula." (Nur Mittwoch, 21:30 Uhr im Akademiesalon Regensburg, Andreasstr. 28)
Sehenswerte Neuproduktionen
Michael Haneke, Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte: Auch für Freundinnen und Freunde von Andrea Schenkels Tannöd eine Überlegung wert! Vielleicht wäre Hanekes medienkritische Spitze gegen Autobiographie und oral history besser geglückt, wenn die Off-Erzählung sich konsequent auf das subjektiv erlebte beschränkt hätte oder wenn das Hinzukonstruierte genauer als vom Hören-Sagen übernommen markiert worden wäre. (Regina Regensburg, Holzgartenstr. 22, nur Mittwoch um 18 Uhr)
Theo Angelopoulos, Dust of Time: Noch immer eine Empfehlung per name dropping, ich habe den Film noch nicht gesehen, halte aber jeden Film von Angelopoulos für ein Muss. Montag Abend mit mir in der ersten Reihe! (Montag bis Mittwoch, jeweils 18:45 in der Filmgalerie im Leeren Beutel, Bertholdstraße, Regensburg)
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