Regensburg
Oberpfälzer Pflichtfilme (Folge 23)
Sehenswerte Filme in den Oberpfälzer Kinos vom 19. bis 24. Januar 2010
Regensburg. (Christian Vogl) Das wär ein "Gutes Neues Jahr": jeden Tag ein Gang ins Kino. Diese Woche kann man's in Regensburg. Was ein Dilemma offenbart: die "Oberpfälzer Pflichtfilme" spielen angebotsbedingt haupsächlich in den Regensburger Kinos.
Sergio Leone: C'era una volta il West (1968)
"Wenn bei John Ford jemand ein Fenster aufmacht, blickt er in eine strahlende Zukunft. Wenn er dasselbe bei mir macht, wird er erschossen." (Sergio Leone) Uns allen bekannt unter dem Titel Spiel mir das Lied vom Tod, welches aber im Original gar nicht gespielt wird. (Nur Dienstag, 20 Uhr im Akademiesalon Regensburg, Andreasstr. 28)
Wolfgang Staudte: Die Mörder sind unter uns (1946)
Frühe Anklage der Verdrängungsarbeit in Nachkriegsdeutschland. Als solche zwar arg holzschnitthaft geschrieben, aber glänzend fotografiert. Der Beleuchtungsaufwand lässt erkennen, wie sehr die junge SBZ hohe künstlerische Anstrengungen fördern wollte - und bedauern, wie sehr nach den 1950ern "drüben" alles den Bach runter ging. (Nur Donnerstag, 18:45 Uhr im Akademiesalon Regensburg, Andreasstr. 28)
Carol Reed: The Third Man (1949)
Und noch einmal grandiose Fotografie einer Nachkriegs-Szenerie: wie Carol Reed und Robert Krasker den (selten zu sehenden) Star Orson Welles mit einem Lichtschein aus dem Nebengebäude einführen als "das personifizierte Nachkriegs-Schlechte", den paranoiden Kriegsgewinnler, der abseits kauernd sein schlechtes Gewissen auf andere projiziert - das ist allein schon die anderthalb Stunden Krimizeit wert. (Freitag bis Sonntag, jeweils 18:30 Uhr im Akademiesalon Regensburg, Andreasstr. 28)
Sehenswerte Neuproduktionen
Michael Haneke, Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte (2009): Eigentlich seltsam, dass dies der erste Historien-Film Hanekes ist: sein Faible für geschlossene Versuchsaufbauten im sozialen Raum passt bestens auf die historische Situation eines Dorfes vor dem Großen Krieg. (Regina Regensburg, Holzgartenstr. 22, nur Dienstag 18 Uhr)
Quentin Tarantino, Inglourious Basterds (2009): "So geht man nicht mit Geschichte um", klar. Aber Tarantino inszeniert den Kampf des Kinos gegen die Nazis erkennbar nicht als Auseinandersetzung mit der Geschichte. Sondern als Plädoyer für die Wirkungskraft der Kunst, mit glänzenden Dialogen. (Nur Dienstag, 22:30 Uhr im Garbo, Weissgerbergraben 11, Regensburg)
Béla Tarr, A Londoni férfi (2007): So schade es ist, dass Béla Tarr im neuen Jahrtausend nicht mehr mit Gábor Medvigy zusammenzuarbeiten scheint: die Kameraarbeit des Deutsch-Ungarn Fred Kelemen - übrigens auch ein beachtenswerter Regisseur - passt in ihrer langsamen, beweglichen, mit Totalen wie mit Close-Ups gleichermaßen malerisch-komponierend umgehenden Art so vorzüglich zum Tarr-Stil, dass man fast schon einen neuen Sátántangó vorhersagen möchte. Unbedingt ansehen! Deutscher (sic!) Verleihtitel: The Man from London. (Filmgalerie im Leeren Beutel Regensburg, Bertoldstr. 9, nur Donnerstag bis Montag, jeweils 18:30 Uhr)
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