Von Bürgerreporter/in Nicole Koller  |  29.03.2010  | Netzcode: 2258773  |  1295 Mal gelesen.Beitrag einer OWZ-Bürgerreporter/in
Hahnbach

Palmsonntag

Neues aus meinem Familienleben

Bild zu Neues aus meinem Familienleben
Das Kunstwerk aus dem Kindergarten. Bild: Nicole Koller
Ich kann es überhaupt nicht leiden, wenn man alles auf den letzten Drücker macht, aber am vergangenen Palmsonntag ging es mir selbst mal wieder so.

Unser Jüngster hatte im Kindergarten für besagten Sonntag bereits einen schönen Palmstrauß gebastelt und ich wollte noch ein Exemplar für das Grab unserer Tochter und eventuell noch eines für unseren Großen machen, wenn er denn eines wollte…

Eigentlich hatte ich die große „Büsche-Schneide-Aktion“ für den Samstag geplant, aber an diesem Tag war das dann leider aufgrund fehlender Zeitlücken einfach nicht möglich. So kam es wie es kommen musste – nämlich geballt…!

Nach dem Aufstehen – das von mir übrigens nicht wegen der Zeitumstellung, sondern einfach wegen „Bettschwere“ wohl etwas zu spät gewählt wurde – und Anziehen streifte ich erstmal durch unseren Garten, um dort Buchs, Pseudo-Palmkätzchen, Felsenbirne und Thuje zu beschneiden. Zwischendurch versuchte ich herauszubekommen, ob denn nun unser Zehnjähriger auch einen eigenen Palmbuschen haben möchte oder nicht.

Als ich bei meiner Grünzeugbesorgungsrunde auf Höhe unserer Küche war, traf ich da den Kleinen an der geöffneten Balkontür, während er gerade den draußen stehenden Kuchenbehälter in mühevoller Kinderarbeit nach drinnen zum Frühstückstisch schleppte. Zum Glück handelte es sich dabei um das Modell eines namhaften Plastikhaushaltsbehälterherstellers, so dass dabei nix schiefgehen konnte.

Ich beauftragte den Kleinen bei der Gelegenheit gleich mal damit, mir seinen großen Bruder nach vorne an die Haustür zu schicken, damit ich nun endlich erfahren würde, ob ich denn einen zweiten Palmstrauß in meiner dafür äußerst knapp kalkulierten Bastelzeit produzieren sollte. Kurze Zeit darauf ging dann die Türe auch schon auf, während ich mir gerade beim Buchsschneiden die Jeans am hinter mir befindlichen Rhododendronbusch anfeuchtete.

Da stand dann aber wieder der Kleine, um mir – während er „strumpfsockert“ (dafür gibt es meiner Meinung nach kein treffendes Wort im Hochdeutschen) vor der Haustür stand, mitzuteilen, dass sein Bruder gleich kommt.

Nach dem Schneiden der Thuje rief ich dann mal laut durch die noch geöffnete Türe rein, um meine noch immer nicht beantwortete Frage nach dem zusätzlichen Palmstrauß, an den Großen zu stellen. Der überlegte kurz, und rief zurück: „I jaah, ich glaub schon!“
Gut, dann lief ich halt den gleichen Weg nochmal umgekehrt durch den Garten, um noch was abzuzwicken. Danach kehrte ich ins Warme und Trockene zurück, legte meine Ausbeute erstmal zum Abtropfen ins Treppenhaus und setzte mich an den bereits von Männerhänden gedeckten Frühstückstisch.

Nach einem kurzen Kuchenverzehr und einem halb ausgetrunkenen Tee, was übrigens eine seit meiner Kindheit kultivierte Tradition von mir ist, machte ich mich dann – eine Viertelstunde vor Gottesdienstbeginn übrigens – daran, zwei Palmbuschen zu binden. Es klappte recht schnell und gut, und während ich den zweiten bereits mit bunten Bändern schmückte, fragte mein großer Sohn zum Glück, ob er noch was helfen könnte. Der musste noch Malstifte und Spitzer herrichten, die ich – auf Wunsch der Gestalterin der Kinderkirche - mitbringen sollte.

Wir kamen dann nur unwesentlich zu spät zum Gottesdienst, was aber nichts an der Tatsache änderte, dass wir zu spät waren, was deutlich an den vielen vorwurfsvoll wirkenden Blicken der Gemeindemitglieder zu erkennen war, die wohl dank ihres perfektionierten Zeitmanagements bereits samt Kirchenchor, Ministranten und Pfarrer vor der Kirche versammelt waren. Dann ging es erstmal ins Jugendheim, wo die jüngeren Kinder eine Kinderkirche hatten, um dann später in die „große“ Kirche mit überzuwechseln. Wie immer war mein vierjähriger, sonst äußerst lebhafte Sohn, dann sehr ruhig, eingeschüchtert und nicht zu besonderer Mitarbeit zu bewegen. Übrigens wurden unsere Malstifte gar nicht benötigt, denn aus mir gut bekannten fehlenden Zeitlücken - die nun mal ohne Eigenverschulden ganz von alleine entstehen - konnten sich die kleinen Kirchgänger nach dem „Einzug in Jerusalem“ nicht mehr kreativ entfalten. Der Teil in der großen Kirche verlief recht normal - bis darauf, dass der Kleine sich selbstverständlich nicht beim Vaterunser zu den anderen Kindern auf den Altar traute, und auch bei der Kommunion lieber auf dem Fußbänkchen saß und die Strahlungswärme der Sitzheizung überprüfte.

Kurz vor Ende des Gottesdienstes setzte er sich dann noch auf seinen Palmbuschen, den er kurz zuvor auf die Sitzbank gestellt hatte. Dabei brach der unterste Teil seines Bambusstabes ab, was ihn aber zum Glück nicht weiter bedrückte. Er schien eher erfreut darüber, dass er nun noch ein „Extra-Steckerl“ hatte…

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