Benzinduft und Motor-Sound
Alltagsautos die heimlichen Stars beim 20.Oldtimertreffen in Kemnath
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| Moderator Elmar Högl stellte jedes der Fahrzeuge einzeln vor. Bild: Harald Mohr |
Als "Oldtimer" werden inzwischen Autos bezeichnet, die in den siebziger Jahren herumfuhren. Hauptsache älter als 30 Jahre und damit berechtigt, dass "H"-Kennzeichen zu führen. Den Zuschauern, meist deutlich über 40, ist es recht: Mit diesen Autos können sie sich noch identifizieren. Es sind die Autos ihrer Kindheit. Schon gewöhnliche C-Kadetten werden wohlwollend beschmunzelt, und wenn gar ein Opel GT seine "Schlafaugen" dreht, ist das Nostalgie pur.
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| Dieser Opel GT durfte sein altes "KEM"-Kennzeichen auch als historisches "H"-Fahrzeug behalten. Bild: Harald Mohr |
Auch Moderator Elmar Högl, gleichzeitig erster Vorsitzender des organisierenden KEM-Verbands, war hingerissen, als da ein Audi 80 vorfuhr: "Das war mein erstes Auto." Als gegen halb elf kurz die Sonne raus kommt, strahlt der Lack und die Herzen werden warm. Ist wirklich schon 2010? Nein, wir sind in den Siebzigern und der Himmel hängt voller Geigen. Man kann sie sogar hören.
Jedes Auto aus dieser Zeit klingt anders. Der Wankelmotor des genialen NSU Ro 80 summt das Lied vom unbegrenzten Fortschritt. Der NSU TT röhrt wie auf den legendären Bergrennen. Und ein VW quirlt seinen Boxersound, der immer ein wenig an einen Küchenmixer erinnert. Auch der berühmte Karmann Ghia klingt so, denn unter dem von der Turiner Carozzeria Ghia gestylten und von Karmann in Osnabrück gebauten Blech des "Lieblings der Frauen" steckt Großserien-Technik aus Wolfsburg.
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| Exoten wie dieser Lincoln Continental waren die Hingucker. Bild: Harald Mohr |
Der BMW 2002 tii war der Platzhirsch seiner Zeit: "Wer so ein Ding gefahren hat, der war anerkannt", stellte Elmar Högl fest. Das seltsame Doppel-i kam daher, dass der 2002 tii eines der ersten Autos mit Benzineinspritzung war, was man durch das zweite "i" herausstrich. Der erste VW Passat von 1973, der in Wirklichkeit nur die Fließheckversion des Audi 80 war, wirkt heute dagegen so spießig, dass er schon wieder Kult ist. Trotzig zeigte sein Besitzer ihn stilrein mit der obligaten Klopapierrolle im Häkelüberzug auf der Hutablage.
Die heimlichen Stars waren solche Alltagsautos, die Hingucker natürlich die Exoten wie ein Lincoln Continental, dessen blubbernder V 8 gelassen unglaubliche Blechmassen durch die Landschaft schiebt. Gut 150 Teilnehmer waren da, die meisten waren nicht weit angereist: Schwandorf im Süden, Bayreuth im Westen und Hof im Norden waren schon die entferntesten. Kaum zu glauben, was es in der Region für einen Bestand an interessanten Autos gibt.
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| Fachsimpeln am BMW 600, dem großen Bruder der Isetta. Bild: Harald Mohr |
Viele wurden inzwischen schlicht durch Abwarten zum Oldtimer-Besitzer: Der bestens gepflegte Mittelklassewagen des Vaters oder Opas dämmerte seit Jahrzehnten mit 60 000 Kilometern in einer Garage und musste nur noch wach geküsst werden. Der harte Kern der Oldtimer-Fans dagegen investiert Zehntausende in die Restauration von "Scheunenfunden" oder importiert für ähnlich viel Geld Autos ohne Rost aus Übersee. Wie auch immer: Oldtimer sind die Könige der Herzen, inzwischen auch schon bei der Generation 40 plus. Harald Mohr
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