Amberg
Ein Wiedersehen mit Gabrielle Scharnitzky in Amberg
Peter Gattaut interviewt die erfolgreichste Amberger Schauspielerin
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| Gabrielle und Peter. |
Die gebürtige Ambergerin ist mittlerweile nicht mehr in der Serie. Ein Herztod der Cosima Saalfeld beendete ihr Engagement bei „Sturm der Liebe“. Beim spontanen Kaffee-Treff in Amberg plauderte die vielseitige Künstlerin aus dem Nähkästchen und über ihre weiteren Pläne. Pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt erschien Gabrielle Scharnitzky in Amberg im Casino-Biergarten vor dem Stadttheater zum Interview.
Gattaut: Du bist kürzlich aus der erfolgreichen Telenovela „Sturm der Liebe“ durch einen Herztod ausgeschieden. War das im Vorfeld so geplant oder geschah das auf deinen Wunsch?
Scharnitzky: Nein, es war bei der Vertragsunterzeichnung schon klar, dass mein Engagement über den Zeitraum von einer Staffel (ein Jahr) nicht hinausgehen wird.
Gattaut: Wen oder was vermisst du von „Sturm der Liebe“ am meisten?
Scharnitzky: Ich vermisse (wenn man dass so nennen kann) das komplette Team. Angefangen von den Maskenbildnerinnen bis hin zu den Regisseuren und meinen Schauspielkollegen. Natürlich fehlt mir auch Cosima, aber ich genieße es sehr, dass ich mich jetzt auf andere Projekte konzentrieren kann. Dazu gehört u.a. auch meine Arbeit als Schauspielcoach. Anfang September gab ich im Rahmen des diesjährigen Filmfestivals in Venedig eine „Master Class“ für acht junge, italienische Schauspieler. Im Oktober gebe ich Seminare in München und im November wird eine Opernsängerin aus New York für zwei Wochen zu mir nach Berlin kommen, um mit mir an ihrem Repertoire zu arbeiten.
Gattaut: Was ist das Markenzeichen der Gabrielle Scharnitzky, was zeichnet sie aus?
Scharnitzky: Da gilt es zwischen der Privatperson und der Schauspielerin zu unterscheiden. Beide haben jedoch eines gemeinsam. Nämlich die unbedingte Suche nach der Wahrheit. Als Schauspielerin versuche ich immer als Erstes die Sehnsüchte, Schwächen, Stärken und Eigenheiten der Figur zu verstehen. Ich möchte mit dieser Figur eins werden, ihr Fleisch und Blut geben. Erst dann bin ich zufrieden.
Gattaut: Werden wir dich wieder in naher Zukunft im TV erleben?
Scharnitzky: Es gibt einige Sachen die mich interessieren, spruchreif ist allerdings noch gar nichts, deshalb möchte ich auch darauf nicht weiter eingehen. Ich bin da ein bisschen abergläubisch.
Gattaut: Dein letztes Projekt „The Empty Plan“ wo du die Helene Weigel, die Frau von Bertolt Brecht spielst, war eine große künstlerische Herausforderung. Wo wird dieses Werk zu sehen sein und wie kamst du dazu?
Scharnitzky: Ich werde seit drei Jahren durch eine Agentur in London vertreten, die sämtliche Anfragen, Castings und Verträge für mich abwickelt. Über das Internetforum „spotlight.com“, in dem jeder englische bzw. englisch-sprachige Schauspieler vertreten ist, fanden mich die Regisseure von „The Empty Plan“ und kontaktierten meine Agentur. Im Januar wurde ich für die Hauptrolle gecastet. Zwei Tage später entschieden die Regisseure den ursprünglich für Februar geplanten Dreh zu verschieben, da ich bis Ende Mai bei "Sturm der Liebe" verpflichtet war. Zwei Tage nach meinem letzten Drehtag bei "Sturm der Liebe", flog ich für den dreiwöchigen Dreh nach London. Es war eine große Ehre und Herausforderung für mich, die Schauspiellegende Helene Weigel zu verkörpern. Wir drehten eine Art Dokumentation des Lebens und Werkes von Bertolt Brecht und Helene. Das bedeutete, dass ich teilweise auf drei verschiedenen Zeitebenen in verschiedene Rollen schlüpfen musste. Zum Beispiel von Gabrielle zu Helene Weigel, die in der Rolle der „Mutter“ während der Theaterproben 1931 Anweisungen von Bertolt Brecht umsetzt oder mit Kollegen im Austausch ist, also wieder aus der Rolle der Mutter aussteigt und als Helene kommuniziert. Genauso kompliziert, wie es sich anhört, war es auch. (lacht) Starten wird der Film „The Empty Plan“ im Rahmen der BRITISH ART SHOW 7 in der Hayward Gallery in London. Von dort aus geht die Reise u.a. zur Staatsgalerie nach Stuttgart (Anfang Februar) über Oslo bis hin zur Villa Aurora in Los Angeles.
Gattaut: Was macht Gabrielle Scharnitzky in ihrer Freizeit?
Scharnitzky: Zur Zeit beschäftige ich mich mit der Kombination von Malerei und Fotografie und plane eine Ausstellung meiner Arbeiten.
Gattaut: Gibt es einen Mann im Leben der Gabrielle Scharnitzky?
Scharnitzky: (lacht) ja den gibt es, vor etwa einem Jahr hat´s geschnackelt. Ich habe ihn beim Dreh von „Sturm der Liebe“ kennen gelernt. Er ist Musiker. Am 20. November werden wir im Rahmen des Events „30 Tage Kunst“ zum ersten Mal gemeinsam in Berlin auftreten.
(Am mitgebrachten Laptop zeigt die vielseitige Künstlerin einen Videoclip des Songs, den sie gemeinsam mit ihrem Partner produziert.)
Gattaut: Was möchtest du unseren Lesern mit auf den Weg geben?
Scharnitzky: Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole. Lasst die kleinen Läden in Amberg nicht sterben. Die Groß-Industrie ist kein Anziehungspunkt für einen Besuch in Amberg. Kauft dort ein, wo der Kunde noch Kunde ist und unterstützt gezielt den Fach-Einzelhandel. Die Stadt Amberg sollte dahingehend ein Konzept entwickeln, bisher kann ich davon leider noch nichts feststellen.
Gattaut: Bist du eigentlich Ehrenbürgerin von Amberg? Immerhin bist du die bekannteste Schauspielerin, die Amberg je hatte.
Scharnitzky: Bisher hat mich noch keiner darauf angesprochen. (lacht) Aber wer weiß, vielleicht kommt das ja noch.
Mit Autogrammkarten und Küsschen verabschiedet sich die sympathische Schauspielerin und machte sich auf den Weg zu ihren Eltern.



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