Von Bürgerreporter/in Maja Berendes  |  06.10.2010  | Netzcode: 2521298  |  252 Mal gelesen.Beitrag einer OWZ-Bürgerreporter/in
Amberg

Kindererziehung - ein Kinderspiel?

Triple-P-Kurs vermittelt Strategien

Bild zu Kindererziehung - ein Kinderspiel?
Geht das? Kinder erziehen ohne Schimpfen, Schreien und Ausrasten? Ohne diese ewigen Diskussionen? Ohne immer wieder die Nerven zu verlieren, weil der Sprössling schon wieder nicht folgt oder sich im Supermarkt vor Wut auf den Boden schmeißt?

Alle Eltern wissen, dass Elternsein sehr schön und beglückend, aber nicht immer einfach ist. Oft kann Erziehung von Kindern nervig und frustrierend sein. Die nächste Generation heranzuziehen, ist für Eltern eine verantwortungsvolle Aufgabe - doch die meisten beginnen ihre ”elterliche Karriere” ohne Vorbereitung auf das, was auf sie zukommt. Sie lernen durch Versuch und Irrtum. Glückliche, gesunde und anpassungsfähige Kinder in einer liebevollen Umgebung großzuziehen, stellt für alle Eltern eine große Herausforderung dar.

Der hier vorgestellte Ansatz der ”Positiven Erziehung” Triple P (Positive Parenting Program) wurde in zwölfjähriger Forschung an der Universität von Queensland in Australien entwickelt. In enger Zusammenarbeit mit Familien wurden am dortigen Forschungszentrum Ideen entwickelt, die beim Umgang mit häufigen kindlichen Verhaltensauffälligkeiten wie z. B. Schlaf- oder Essproblemen, Gequengel, Ungehorsam, Wutanfällen und Aggressionen und anderen täglich erlebten Schwierigkeiten Hilfestellung bieten können.

”Positive Erziehung” hat das Ziel, die kindliche Entwicklung zu fördern und mit kindlichem Verhalten in einer konstruktiven und nicht verletzenden Weise umzugehen. Grundlage dafür sind Zuwendung und angemessene Kommunikation. Ziel der ”Positiven Erziehung” ist es, das Elternsein leichter und dadurch schöner zu machen. Triple P hilft den Eltern eine gute Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen und ihm bei seiner Erziehung zu helfen. Der Ansatz stützt sich auf den aktuellen klinisch-psychologischen Wissensstand, ist international anerkannt und wurde bereits von vielen Eltern als hilfreich empfunden.

Warum zeigen Kinder ein bestimmtes Verhalten? Um zu verstehen, wie sich das Verhalten von Kindern entwickelt, müssen drei Aspekte berücksichtigt werden: das genetische Erbe, gesellschaftliche Einflüsse und das familiäre Umfeld. Besonders das familiäre Umfeld können Eltern so verändern, dass die Entwicklung angemessener Verhaltensweisen begünstigt wird. Wie aber fördert man angemessenes Verhalten? Durch ”Positive Erziehung”. Strategien wie ”wertvolle Zeit” mit seinem Kind verbringen, ”Zuneigung” zeigen oder für ”spannende Beschäftigung” sorgen, fördern die kindliche Entwicklung und schaffen eine gute Beziehung zwischen Eltern und Kindern.

Lobt man sein Kind und schenkt ihm Aufmerksamkeit, wenn es erwünschtes Verhalten zeigt, so erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Verhalten erneut auftritt. Zeigt das Kind unangemessenes Verhalten, wie Wutanfälle, Ungehorsam oder Aggressionen muss konsequent, d. h. sofort, konstant und entschieden reagiert werden. Wichtig dabei ist ruhig zu bleiben, genau zu sagen, mit was das Kind aufhören soll und was es statt dessen tun soll.

Triple P beschreibt verschiedene Strategien zum Umgang mit Problemverhalten, wie das Aufstellen von Familienregeln, direktes Ansprechen oder das absichtliche Ignorieren von geringfügigerem Problemverhalten. Klare, ruhige Anweisungen helfen den Kindern, diese auch wirklich zu befolgen. Wenn nicht, sollte eine logische Konsequenz folgen. Dabei sollten die Eltern immer selbst reagieren, anstatt zu drohen.

Den Bedürfnissen der Kinder nachzukommen ist einfacher, wenn Eltern auch ihre eigenen Bedürfnisse nicht vernachlässigen. Als ”Überlebenstipps” für Eltern beschreibt Triple P Ideen, die das Erziehen leichter machen können, wie z. B. sich auch mal eine Pause gönnen oder sich Unterstützung zu holen.

Ein neuer Elternkurs, der diese Strategien vermitteln will, beginnt am Mittwoch, 10. November um 20.00 Uhr in der Tagesstätte des Sozialpsychiatrischen Zentrums, Paulanergasse 18, in Amberg. Die Leitung hat Gerda Krusche, Lehrerin und Triple P-Trainerin. Der Kurs erstreckt sich über 4 Wochen mit vier Treffen und vier anschließend individuell vereinbarten Telefongesprächen, um neu erworbene Kenntnisse im Alltag zu festigen.

Die Anmeldung für den Kurs erfolgt beim Evangelischen Bildungswerk (09621/496260 oder unter www.ebw-amberg.de). Die Kursgebühr beträgt pro Familie 99 Euro, für Alleinerziehende 63 Euro. Ermäßigung für Familien mit geringem Einkommen ist auf Anfrage möglich.


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