Von Hans Luger  |  19.01.2011  | Netzcode: 2650667  |  286 Mal gelesen.
Weiden

Mutbürger wollen die beste Lösung

Bürgerinitiative will bei Planung des Einkaufszentrums mitwirken

Die Bürgerinitiative mit Vorsitzendem Prof. Dr.
Im Falle des geplanten Einkaufszentrums spielt die Größe eine wichtige Rolle. Das rote "Lasso" umfängt alle Grundstücke, die "Sonae Sierra" sicher (oder fast sicher) in Händen hat. Gelb markiert ist das Evangelische Vereinshaus, die Pfarrei hat über einen Verkauf noch nicht entschieden. Grafik: Michael Ascherl
Der portugiesisch-britische Einkaufszentren-Spezialist „Sonae Sierra“ möchte ein großes Shopping-Center in der Innenstadt bauen. Seit Bekanntwerden dieser Pläne sorgt das Großprojekt für viel Gesprächsstoff in der Region und verständlicherweise insbesondere in der Stadt Weiden. Die Bandbreite der Kommentare reicht von Segen für die Max-Reger-Stadt bis hässlicher Bauklotz. Nicht nur diskutieren, sondern aktiv „mitarbeiten“ will die am 13. Dezember gegründete Bürgerinitiative „Weiden – unsere Stadt“, die seit 3. Januar ein eingetragener Verein ist. Am Montag stellten neun Mitglieder der BI die konkreten Ziele vor.

„Das am ,Dännereck‘ geplante Einkaufszentrum soll die Attraktivität der Stadt erhöhen, darf sie jedoch keinesfalls beeinträchtigen,“ nannte BI-Vorsitzender und Sprecher Prof. Dr. Fritz-Dieter Doenitz als Kernpunkt des Vereinszwecks. Die BI befürwortet ausdrücklich das Vorhaben des Investors, nicht zuletzt weil es die Lösung für die Problemzone „leerstehender Hertie und Schandfleck Dännereck“ bedeutet. Aber, betont die BI, es geht um mehr: Nicht nur die Einkaufs-attraktivität, sondern auch die „Aufenthalts- und Wohnqualität des Oberzentrums Weiden muss nachhaltig, das heißt auch für die nachfolgenden Generationen“ gestärkt werden. Deshalb ist es der Initiative als „Zusammenschluss von Bürgern ein tiefes Anliegen, mitzuhelfen, dafür nicht die erstbeste, sondern die bestmögliche Lösung zu finden.“

Foto aus HUP-Import
Die Bürgerinitiative mit Vorsitzendem Prof. Dr. Fritz-Dieter Doenitz macht sich Gedanken über "unsere Stadt".
Das dafür erforderliche Gestaltungskonzept möchte man „partnerschaftlich mit den Entscheidungsträgern – den städtischen Verantwortlichen und potenziellen Investoren – und den interessierten Bürgern entwickeln“. Dazu hat die BI in einem ersten Schritt „zehn Anforderungen an ein Einkaufszentrum“ formuliert, die von den BI-Mitgliedern erläutert wurden. Architekt Karlheinz Beer präzisierte die Forderung nach einem Architektenwettbewerb. Es sei ein „Glücksfall, dass ein Investor mit 100 Millionen Euro schmerzhafte Brachflächen“ beseitigen wolle. Um die bestmögliche Lösung für alle Betroffenen zu finden, müssten alle Varianten und Alternativen untersucht werden. Dazu gehöre „ein Architektenwettbewerb wie in vielen anderen Städten“.

Immobilienmanager Andreas Schmid vom City-Center Weiden verwies auf wissenschaftliche Untersuchungen zur Dimension bzw. Verträglichkeit von Einkaufszentren mit vorhandenen Innenstadtstrukturen. Demnach dürften nicht mehr als 15 Prozent der vorhandenen Innenstadtverkaufsflächen dazukommen. Ohne Hertie gerechnet käme man da auf 5850 Quadratmeter für das neue Center, Hertie miteinbezogen auf 11 850 Quadratmeter. Zudem forderte er neutrale Gutachter, da vom Bauherrn bezahlte Gutachter stets unrealistische Einschätzungen liefern würden.

Karlheinz Beer (links) will Alternativen
Karlheinz Beer (links) will Alternativen aufzeigen und Rahmenbedingungen für den Investor. Dr. Herbert Klein wünscht sich einen "Runden Tisch". Bilder: Luger
Tobias Sonna argumentierte auch aus dem Blickwinkel Inhabergeführter Innenstadt-Fachgeschäfte: „Ein Center muss den Leuten einen Zusatznutzen bringen. Es muss neue Sortimente bringen, die noch nicht in Weiden vorhanden sind.“ Als Beispiele für die Innenstadt nannte er ein Lebensmittelgeschäft und einen Elektrofachmarkt. Ein Center müsse auch Vielfalt bieten, einen guten Mix von Praxen, Büros und Wohnungen. „Der Einzelhandel will das Projekt nicht verhindern. Wir sehen aber bei einem Riesenprojekt die Gefahr eines Verdrängungswettbewerbs.“ Dann verliere die Stadt am Ende unweigerlich an Attraktivität.

Bert Roscher vom „Team Roscher“ warb für ein vernetztes Stadtmarketing und sah durchaus Nachholbedarf am Erscheinungsbild mancher Gebäude: „Auch wenn Weiden attraktiv ist, wir haben auch miserable Hausfassaden und Ladeneingänge.“

Tobias Sonna (links) und Andreas Schmid (Mitte)
Tobias Sonna (links) und Andreas Schmid (Mitte) werben für eine neutrale Analyse von Bedarf, Dimension und Verträglichkeit. Bert Roscher möchte Weidens Innenstadt als gesamte Einkaufsgalerie gesehen haben.
Dr. Hubert Klein (O-Ton: „einfacher Mitbürger“) wünscht sich einen „Runden Tisch“, der frühzeitig Fachwissen mobilisiert, damit „gangbare und nicht gangbare Wege“ aufgezeigt werden. Joachim Strehl, viele Jahre Wirtschaftsförderer der Stadt Weiden, verwies auf die Notwendigkeit eines verbindlichen Konzepts der Stadtentwicklung.

Um all diese Aspekte in einem dafür erforderlichen Gestaltungskonzept umsetzen zu können, „sehen wir es als unsere Aufgabe an, die Öffentlichkeit durch Vorträge qualifizierter Fachleute, Diskussionsveranstaltungen und die Beschaffung einschlägiger Informationen über die Problematik in Kenntnis zu setzen.“ In Analogie zum Wort des Jahres 2010 – „Wutbürger“ – charakterisierte Professor Doenitz die BI-Mitglieder als Mutbürger: „Sie finden sich nicht damit ab, einmal innerhalb einer Wahlperiode in der Kabine ein Kreuz zu machen, sondern sie wollen lebendige Demokratie leben und selbst Verantwortung dort übernehmen, wo es nötig erscheint.“

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