Schwandorf
Bridgeclub Schwandorf kämpft in der Bundesliga ums Überleben
Deftige Schlappe gegen Tabellennachbarn und Niederlage gegen Tabellenletzten
|
| Wolfgang Demleitner und seine fünf Mannschaftskollegen vom Bridgeclub Schwandorf hatten am zweiten Spiel-Wochenende in Kassel viele harte Nüsse zu knacken. An manchen bissen sich die Schwandorfer die Zähne aus. |
Der Samstag-Nachmittag verlief noch nach Plan: Mit 17:13 besiegten Dr. Nikolaus von Bay/Anselm Kiessling, Gabi Schmelter/Dr. Johann Wempen und Wolfgang Demleitner/Hans Luger das leicht favorisierte Team aus Bergisch-Gladbach. Doch in der Abendrunde folgte der erste Schock: Gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten Elmshorn unterlagen die Schwandorfer völlig unerwartet mit 14:16. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Am Sonntag verlor man haushoch mit 5:25 gegen Delmenhorst. Dazu muss man wissen, dass beim Bridge am Ende alle erzielten Punkte gewertet werden. (Zur Veranschaulichung für Nicht-Bridgespieler, auch wenn der Vergleich gewaltig hinkt: Wäre die Wertung im Fußball ähnlich wie im Bridge, dann würde die Mannschaft Deutscher Fußballmeister werden, die das beste Torverhältnis hat. Wer zum Beispiel zweimal 1:0 gewänne und einmal 0:1 verlöre, wäre schlechter dran als einer, der zweimal 0:1 verliert, dafür aber einmal 4:0 gewinnt).
Im Kampf gegen Delmenhorst ging es hoch her - in neun der 32 Spiele konnte theoretisch ein Schlemm erfüllt werden. Gleich in Board 5 musste der Schwandorfer Alleinspieler erfahren, wie grausam Bridge sein kann. Wie im echten Leben lagen Erfolg und Katastrophe nur eine Kartenbreite auseinander. Während sich die Delmenhorster mit einem Kleinschlemm (das heißt, man muss 12 der 13 Stiche erzielen) begnügten, reizten die Schwandorfer einen Großschlemm (alle Stiche müssen gemacht werden). Leider reizte das Schwandorfer Paar den Großschlemm nicht im 5-3-Fit in Coeur (dort wären alle Verlierer auf die langen Piks verschwunden und somit ohne Sorgen alle Stiche gemacht worden), sondern im überraschenderweise schlechteren 6-3-Fit in Pik. Da hatte man plötzlich nur 12 sichere Stiche. Woher sollte der 13. Stich kommen? Aufgrund der Zwischenreizung hielt es der Schwandorfer Alleinspieler für unwahrscheinlich, dass der Karo-König vor dem Karo-Ass stand. Also entschied er sich für eine selten vorkommende Spieltechnik. Er hätte damit tatsächlich den Höhepunkt im Leben eines Bridgespielers erfahren dürfen: die Erfüllung eines Großschlemms via kompliziertem Squeeze. Doch leider kam der Schwandorfer Spieler im letzten Moment von seinem Erfolgsweg ab: Als er zum vorletzten Stich Karo spielte, glaubte er beim Ostspieler ein kleines Zögern zu erkennen. Hatte dieser also doch den Karo-König? Der Alleinspieler wich von seinem Spielplan ab, schnitt auf den Karokönig und - verlor an den blanken König beim linken Gegner. Wäre der Großschlemm erfüllt worden, hätten die Schwandorfer nicht haushoch 5:25, sondern "nur" 10:20 verloren. Mit fünf Punkten mehr auf der Haben-Seite hätten sie dann im April etwas entspannter zum dritten und entscheidenden Spiel-Wochenende in Kassel antreten können.
Die Tabelle nach sechs von neun Kämpfen: 1. Böblingen (111 Siegpunkte), 2. Ulm (107,5), 3. Berlin (106), 4. Delmenhorst (101,5), 5. Bergisch-Gladbach (95), 6. Bielefeld (90), 7. Darmstadt (87), 8. Schwandorf (76,5), 9. Kiel (76,5), 10. Elmshorn (55). Am letzten Spieltag spielen die Schwandorfer gegen Darmstadt, Ulm und Bielefeld.



versenden
drucken
Leserbrief

