Amberg-Sulzbach.
AFO-Jubiläumstagung in Neukirchen
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| Exkursion zur Grabungsstätte in Ermhof. Bild: Evi Steiner-Böhm |
1. Vorsitzender Dr. Peter Morsbach und Geschäftsführer Bernhard Frahsek begrüßten die zahlreichen Gäste, darunter Bürgermeister Winfried Franz (Neukirchen), Bürgermeister Georg Schmid (Weigendorf), den Ehrenvorsitzenden des Vereins, Professor Dr. Ludwig Zehetner, den Vorsitzenden der Deutschen Steinkreisforschung Werner Wiedemann, Kreisheimatpfleger Dieter Dörner und die beiden Tagungsleiter, die Ortsheimatpfleger der Gemeinden Birgland und Neukirchen, Evi Steiner-Böhm und Walter Schraml.
Dr. Morsbach wies darauf hin, dass man bereits zum dritten Mal im Landkreis Amberg-Sulzbach sei, allerdings zum ersten Mal im westlichen Teil, wo die Klein- und Flurdenkmäler bisher wenig erforscht seien. Man verspreche sich von der Veranstaltung einen wichtigen Impuls, um die Bevölkerung zu sensibilisieren für den Erhalt dieser wichtigen Zeugnisse der Vergangenheit. Denn: „Was weg ist ist weg“ und kann nicht mehr zurückgeholt werden, so Dr. Morsbach.
Die Bürgermeister Franz und Schmid richteten sich mit kurzen Grußworten an die Gäste und zeigten sich erfreut, dass die Tagung auf ihren Gemeindegebieten auf so großes Interesse gestoßen sei.
Geschäftsführer Bernhard Frahsek stellte anschließend den Jahresband BFO 2010 der AFO (Beiträge zur Flur- und Kleindenkmalforschung in der Oberpfalz) vor, der wieder viele interessante neue Erkenntnisse zum Thema enthielte.
Der erste Vortrag von Evi Steiner-Böhm drehte sich um den „Erdchartaweg - Nachhaltig leben in Amberg-Sulzbach“. Sie erläuterte die Idee, unter diesem Motto alle am Thema Nachhaltigkeit Interessierten des Landkreises zu vernetzen und für zukünftige Bildungsangebote zu diesem Thema zu gewinnen. Den Bezug zum Thema der Tagung stelle dabei der Artikel 8 der Erdcharta her. Darin wird gefordert, das überlieferte Wissen und die spirituelle Weisheit aller Kulturen, die zu Umweltschutz und menschlichem Wohlergehen beitragen, anzuerkennen und zu bewahren. Steiner-Böhm wies darauf hin, dass Heimatforschung auch der Gestaltung der Zukunft diene und wertvolle Hinweise auf eine nachhaltige Lebensweise aus der Geschichte gewonnen werden könnten. Sie stellte dazu einige Erdchartaprojekte vor.
Der Goglhof in Eberhardsbühl sei von seiner Besitzerin Margarete Jäkel penibel restauriert worden, um die im besten Sinne nachhaltige Lebensweise unserer Vorfahren sichtbar zu machen. Ähnliches hätten auch die Familie Bräutigam mit der Erhaltung der Oedmühle in Oed oder die Familie Patzelt mit der Renovierung der ehmaligen Taverne in Hirschau geleistet.
Bernhard Frahseks Vortrag zum Thema „Kleindenkmäler entlang der Goldenen Straße“ schloss sich an. Die „Goldene Straße“ gehe zurück auf Kaiser Karl IV, der damit den Weg durch seine Herrschaftsgebiete von Nürnberg nach Prag gesichert hätte, so Frahsek. Nach dem Fall der Mauer sei diese alte Handelsstraße revitalisiert und als Tourismusstraße neu aufbereitet worden. Die zahlreichen Klein- und Flurdenkmäler entlang dieser Straße dokumentieren sehr gut die Bedeutung, die dieser historisch gewachsenen Altstraße immer zugekommen sei: Wappen an Hausfassaden, Bildstöcke, Steinkreuze, Marterln und besonders Nepomuk-Statuen, die sich häufig an Brücken fänden, gäbe es überall entlang der Straße. Im Landkreis Amberg-Sulzbach seien hier vor allem das Wappen Kaiser Karl IV an einer Hausfassade in Hirschau, Steinkreuze in Großschönbrunn und Krickelsdorf und ein Pestmarterl in Hirschau zu nennen.
Walter Schraml stellte danach ein besonders bedeutendes Flurdenkmal aus dem Tagungsgebiet vor: den Grenzstein, der die Grenze zwischen Weigendorf und Hartmannshof und damit zwischen der Oberpfalz und Franken markiert. Seit 2008 stünde er wieder an der alten Högenbach-Grenzbrücke, nachdem er vorher mehrmals seinen Standort gewechselt habe.
Geschichtlich nachgewiesen sei er seit 1750, seine Wurzeln seien aber zweifellos älter, gingen wohl auf den Bayerischen Erbfolgekrieg von 1504/1505 zurück. Um die Grenze, die nicht immer eindeutig zu erkennen gewesen sei, zu kennzeichnen, sei dieser mit der Nr. 61 bezifferte, in der Literatur als der schönste und kunstvollste im Nürnberger Land beschriebene, hier aufgestellt worden. Vermutlich läge das auch daran, dass hier nicht nur die politische und die juristische Grenze („Fraischgrenze“), sondern auch eine frequentierte Geleitgrenze auf der „Goldenen Straße“ gewesen sei. Das restaurierte, etwa einen Meter hohe Flurdenkmal aus rotem Sandstein trage auf der einen Seite das pfalzbayerische Wappen und auf der anderen Seite das Wappen der freien Reichsstadt Nürnberg.
Den Abschluss der Vortragsreihe bildete der Vortrag von Dr. Matthias Hentsch zur Ausgrabungstätte St. Martin von Ermhof. 2006 waren dort Teile der Fundamente und des Friedhofs des Gotteshauses von Ermhof, das 1979 bis auf die Grundmauern abgetragen worden war, freigelegt worden. Die zahlreichen Radiocarbon-Untersuchungen von Skeletten, aber auch Bauteilen hätten ergeben, dass die Wurzeln dieser Kirche wohl bis ins 8. Jahrhundert, in die Zeit Karls des Großen, zurückreichten.
Damit gehöre St. Martin zu den ältesten Kirchen in der Oberpfalz. Vermutlich sei die erste an dieser Stelle errichtete Kirche eine einfache Holzkirche gewesen, die dann von einem Steinbau und später einem größeren Steinbau mit Apsis überbaut worden sei. An der Grabungsstätte entstünde nun ein historisches Dokumentations- und Informationszentrum an dem die Besucher die verschiedenen Bauphasen anhand der ergrabenen Mauerreste gut nachvollziehen könnten.
Wie immer schloss sich an die Vortragsreihe eine mehrstündige Exkursion an. Erstes Ziel war die Grabungsstätte von Ermhof, wo Dr. Hentsch seine Ausführungen vom Vormittag „vor Ort“ noch näher erläuterte. Danach ging es durch das Lehental vorbei an der Oedmühle, die Evi Steiner-Böhm bereits vorgestellt hatte. In Weigendorf konnten die Teilnehmer den von Walter Schraml beschriebenen Grenzstein begutachten, bevor sie als nächstes Ziel die Burgruine Lichtenegg ansteuerten.
Dort wurden sie bereits von Bürgermeister Herbert Steinmetz (Gemeinde Birgland) erwartet, der sie durch die Burgruine Lichtenegg führte. Den Abschluss bildete ein Besuch auf dem Wunderhof von Evi Steiner-Böhm. Die nächste Jahrestagung der AFO wird voraussichtlich in Wiesent stattfinden. Weitere Informationen unter www.afo-regensburg.de.



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