Von Bürgerreporter/in Christiane Stubenvoll  |  10.06.2011  | Netzcode: 2843039  |  411 Mal gelesen.Beitrag einer OWZ-Bürgerreporter/in
Amberg

Mann oder doch Frau in einer Führungsposition

Die "Päpstin" in Fulda

Bild zu Mann oder doch Frau in einer Führungsposition
Johanna als neu gewählte Päpstin - im eindrucksvollen Bühnenbild. Bild: Spotlight-Musical
Die Frage wer nun besser in einer Führungsposition ist, Männer oder Frauen, begegnet uns in der emanzipierten Welt doch noch sehr oft. Meist wird immer noch den Männern die Führungsposition zugeschrieben. In der Katholischen Kirche kennt man dieses Thema ja eigentlich nicht, bis Donna W. Cross einen Roman veröffentlichte, in dem die Rolle des Papstes eine Frau inne hatte. Dieser Roman war sehr erfolgreich und schaffte es sogar in die Kinos. Seit dem 3. Juni 2011 ist diese Geschichte auch als Musical in Fulda auf einer Bühne zu sehen. Das Musical wird präsentiert von "Spotlight Musicalproduktion" unter der Produktions- und Musikalischen Leitung von Peter Scholz und der Regie von Stanislav Mosa. Die Musik und die Liedtexte stammen von Dennis Martin.

Für alle, die weder das Buch noch den Kinofilm kennen, eine kurze Zusammenfassung. Die Geschichte spielt im Jahre 814 Anno Domini. Hier zählt das Leben einer Frau sehr wenig. Man glaubt, durch die Frau entstand die Sünde, und dadurch muss sich die Frau auch ganz dem Manne unterordnen. In dieser Zeit kommt ein Mädchen Namens Johanna, Tochter eines Dorfpfarrers, zur Welt. Johanna, dargestellt von Sabrina Weckerlin, lernt gegen den Willen Ihres Vaters (Norbert W. Conrads) lesen und schreiben. Sie ist außer gewöhnlich klug, das fällt dem gelehrten Aeskulapius (Daniele Nonnis) auf und er holt sie, zusammen mit ihrem Bruder, an die Klosterschule zu Dorstadt.

Bischof Fulgentius (Dietmar Ziegler) entscheidet sich trotz des Widerstandes des römischen Adelssohns Anastasius, gespielt von Christian Schöne, für die Aufnahme eines Mädchens in die Klosterschule. In die Obhut des Markrafen Gerold, dargestellt von Matthias Edenborn, und seiner Frau werden die Kinder gegeben. Johanna hat es als heranwachsende Frau aber nicht einfach. Sie wird von ihren Mitschülern gehänselt, bekommt nur Verachtung von allen Seiten, selbst ihr Fürsprecher Aeskulapius verlässt sie, um nach Rom zu wechseln. Einzig Gerold hält zu ihr und verliebt sich in die junge Frau. Als auch er eine neue Stellung annimmt, veranlasst Gerolds Frau die Nebenbuhlerin zu verheiraten.

An diesem Tag fallen die Normannen über das Dorf her. Das Massaker überlebt einzig Johanna. Sie fällt eine Entscheidung und legt ihre Frauenkleider ab, schneidet ihr Haar und gibt sich fortan als Mann Johannes Anglicus aus und tritt als Mönch ins Kloster Fulda ein.

Sie muss ihr Geheimniss vor aller Welt verstecken und wird aufgrund ihrer Heilkräfte nach Rom zum päpstlichen Leibarzt berufen. In Rom jedoch spinnen bereits Andere Intrigen, zusammen mit einer römischen Kurtisane (Isabell Dörfler), um an die Macht zu kommen. Hier begegnet sie auch ihrem Geliebten Gerold wieder, und muss sich zwischen Liebesglück und Unabhängikeit entscheiden. Johanna wird nach dem Tod des Papstes vom römischen Volk als dessen Nachfolger gewählt. Sie muss nun vor aller Welt nicht nur ihr Geheimniss verbergen, auch darf sie ihre Liebe nicht ausleben. Schließlich stirbt sie in aller Öffentlichkeit an den Folgen einer Fehlgeburt.

Eine packende Geschichte die in Fulda gut umgesetzt wurde. Das Bühnenbild von Christoph Weyers muss dabei besonders hervorgehoben werden. Auf einer Drehbühne wurden alle bespielbaren Szenen zusammengefasst und mit viel Licht (David Kachlir) gut aus- und beleuchtet.

Für diese Uraufführung wurden eingehende Lieder wie "Boten der Nacht", "Zum Ruhme der Familie", "Jahrmarkt in St. Denis", "Wehrlos" und viele weitere geschrieben. Die Showstopper des Abend waren jedoch "Einsames Gewand" von Sabrina Weckerlin als Johanna, "Die Cesarin von Rom" von Isabell Dörfler, "Ein Traum ohne Anfang und End" präsentiert von Matthias Edenborn. Diese Nummern gehen einfach unter die Haut. Die Choreografien von Julia Poulet, sind eingehend und das Ensemble stimmlich gut besetzt. Die Panne in der Nachmittagsvorstellung am 5. Juni 2011 wurde von den vielen, sonst unsichtbaren Helfern schnell behoben.

Für die Hauptrollen konnte man namhafte Künstler gewinnen. Sabrina Weckerlin haucht der Johanna, nicht nur mit ihrer einzigartigen Stimme, Leben ein. Schauspielerisch beweist sie ihre große Wandelbarkeit und setzt auch den Johannes gut dar. Matthias Edenborn und Isabell Dörfler glänzen vor allem durch ihre Stimmen. Christian Schöne spielt, wie bereits in den vorherigen Produktionen, den Bösen, den er stimmlich und schaupielerisch gut umsetzen kann. Man kann auch hier nicht alle erwähnen, jedoch ein ganz großes Lob gilt den Kinderdarstellern, vor allem der Johanna-Darstellerin als Kind. Eine mehr als realistische und schaupielerisch gute Darstellung.

Die Story wurde gut umgesetzt, jedoch wurden manchmal ein paar Szenen, vor allem im zweiten Teil, zu schnell übergeleitet. Das Musical könnte auch noch ein paar mehr Lieder gebrauchen. Auch wenn kein Liveorchester vorhanden ist (Musik kommt vom Band), kann man zusammengefasst sagen: Ein gelungenes und sehenswertes Musical, das in Fulda uraufgeführt wurde. Das Publikum war ebenso begeistert und dankte es im ausverkauften Schlosstheater mit minutenlangen stehenden Orvationen.

Wer nun Lust bekommen hat, sollte sich gleich die Karten sichern, denn die Päpstin als Musical ist noch bis zum 14. August 2011 in Fulda zu sehen.

Nähere Infos und Hörproben unter www.spotlight-musical.de/musicals/paepstin/home

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