München/Sulzbach-Rosenberg
Abbas Khider auf dem LiteraturSommerFest in Sulzbach-Rosenberg
Lesung „Die Orangen des Präsidenten“ und „Der falsche Inder“ im Literaturhaus Oberpfalz
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| Abbas Khider zog bei der Lesung die Zuhörer in seinen Bann. |
Ein guter Freund, der meine Begeisterung für den irakischen Schriftsteller Abbas Khider kannte, informierte mich über dessen Lesung im Rahmen des LiteraturSommerFestes in Sulzbach-Rosenberg. Kein Weg war mir zu weit, um diese Gelegenheit wahr nehmen zu können und so machte ich mich auf in das schöne Sulzbach-Rosenberg, um einen für mich herausragenden „deutschen“ Schriftsteller sehen und hören zu können.
Der Saal des Literaturhauses Oberpfalz war bis auf den letzten Platz mit interessierten Zuhörern besetzt. Abbas Khider erzählte lustige Vorfälle aus seinem ereignisreichen Leben, das für unsere Verhältnisse so gar nichts Lustiges an sich hat. Neulich wurde sein siebenjähriger Neffe in Bagdad gefragt, was er werden wolle. „Schriftsteller, wie sein Onkel“, war die Antwort. Auf die Nachfrage, was denn ein Schriftsteller so mache, überlegte der Knabe lange und sagte dann: „Er hockt nur auf dem Sofa.“
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| Der "falsche Inder" Abbas Khider. |
Dann las Abbas Khider aus seinen beiden Büchern: aus dem Erstlingswerk „Der falsche Inder“ und danach aus seinem aktuellen Bestseller „Die Orangen des Präsidenten“. Im ersten Buch schildert er die Stationen seiner langen Flucht aus dem Irak des Saddam Hussein durch viele Länder des Orients bis ihm nach mehreren gescheiterten Versuchen endlich der illegale Grenzübertritt in die Europäische Union, nach Griechenland, gelang. Eigentlich wollte er dann nach Schweden weiter, dem verheißungsvollen Land Europas für Intelektuelle, Künstler und Schriftsteller, aber im Zug von München nach Hamburg wurde er ausgerechnet bei Ansbach von der Polizei aufgegriffen. Der Richter, dem er dann vorgeführt wurde, glaubte ihm nicht, dass er Iraker sei. Dafür sei sein Aussehen viel zu dunkel. Er müsse Inder oder Pakistani sein, eben ein „falscher Inder“ und als solcher erhalte er kein Asyl in Deutschland oder sonstwo in Europa.
Nachdem er schließlich glaubhaft machten konnte, dass er tatsächlich vor dem Regime von Saddam Hussein geflohen war, durfte, ja musste er in Deutschland bleiben. Passau und Bayreuth waren danach seine aufregenden Stationen in Bayern. Heute lebt er in Berlin, bald wird er einige Zeit als Stipendiat der Villa-Aurora-Stiftung in Los Angeles verbringen und wenn er nicht durch die Lande von einer Lesung zur nächsten reist, schreibt er an seinem nächsten Werk weiter. Vormittags in Göttingen, abends in der Oberpfalz, nächste Woche in Braunschweig. Seit er aus Bayern weg ist, ist er ein gefragter Autor.
Man muss seine beiden Bücher gelesen haben. Gerade in diesen Tagen, nach der arabischen Revolution und während kranke Despoten das eigene Volk abschlachten, erfährt man vieles über die Araber und über Moslems und über ihr Leben innerhalb und außerhalb der Gefängnisse.
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| Abbs Khider beim Signieren und im Gespräch mit seinen Fans. Bilder: Wolfgang Demleitner |
Nach der Lesung ließen sich über ein Dutzend Zuhörer ihre Bücher von Abbas Khider signieren. Die meisten besaßen beide Bücher. Ich hatte mir schon den ganzen Tag ausgemalt, wie ich den Autor bitten würde, mir etwas in arabischer Schrift in meine Exemplare zu schreiben. Aber diesen Gag nahm Abbas Kider für sich selbst in Beschlag. Jeder Zuhörer bekam zwei Autogramme in seine Bücher: „Sulzbach, 02.07.2011, Abbas Khider“. Einmal in unserer Schrift und einmal auf arabisch und mit jedem Leser wechselte er ein paar Worte und sein Lachen erfüllte den ganzen Raum und es flog in die Lüfte wie eine Taube und es macht Hoffnung auf eine friedliche Revolution in den noch unterdrückten Ländern des Nahen und Mittleren Ostens.