Von Bürgerreporter/in Petra Scharf  |  20.09.2011  | Netzcode: 2970777  |  251 Mal gelesen.Beitrag einer OWZ-Bürgerreporter/in
Amberg

Atem ist weit mehr als nur Luft

Atemphysiotherapie hilft bei Atemproblemen

Erkrankungen der Atemwege gehören zu den häufigsten Beschwerden in Deutschland. Asthma, Bronchitis und Lungenkrebs zählen sogar zu den so genannten "großen Volkskrankheiten". Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist etwa jeder zehnte Todesfall einer Erkrankung der Atmungsorgane zu zuschreiben.

Allerdings steht heutzutage eine Vielzahl wirksamer Medikamente und weiterer Therapiemaßnahmen zur Verfügung, die das Voranschreiten von Atemwegserkrankungen eindämmen können und helfen die Lungenfunktion zu stabilisieren oder sogar zu verbessern.
Hierzu gehört auch die so genannte physiotherapeutische Atemtherapie, ein überaus gefragtes und gesuchtes, aber immer noch rares Angebot, das im Klinikum St. Marien in der Physiotherapieabteilung sowohl von stationären Patienten als auch ambulant auf Rezept in Anspruch genommen werden kann.

Karina Koscielniak von der Physiotherapeutischen Abteilung des Klinikum St. Marien ist ausgebildete Physiotherapeutin mit der Zusatzqualifikation Atemlehrer und Atemphysiotherapeutin und Mitglied der Deutschen Atemwegsliga, der AG Atemtherapie und verfügt über langjährige Erfahrung auf diesem Gebiet.

Die Atemphysiotherapie befasst sich mit den Krankheiten und Funktionsstörungen von Lunge und Stimmapparat und zielt auf die bestmögliche Wiederherstellung und Erhaltung einer möglichst uneingeschränkten Atmung ab. Dies kann in vielen Fällen den Arzneimittelbedarf erheblich reduzieren. Als Teil der Physiotherapie kann sie aber in weitgehend allen medizinischen Fachbereichen zum Einsatz kommen, wie etwa nach Operationen im Bauchraum, in Bereich der Intensiv- und Palliativmedizin oder auch bei weaning Patienten (Beatmungsentwöhnung).
Eine effektive Atemtherapie soll zum Abbau von die Atmung erschwerenden Widerstände beitragen und Formen einer Fehlatembewegung korrigieren. Darüber hinaus soll sie die Sekretlösung erleichtern, die Ventilationssteigerung fördern, zur Kräftigung der Atemmuskulatur und zu einer allgemeinen Leistungssteigerung beitragen.

Sie findet sowohl präoperativ zur Verbesserung der Lungenfunktion, prophylaktisch in allen Fachbereichen, zum Beispiel bei Schmerzpatienten, nach Chemo- und Strahlentherapie, im palliativen bereich oder bei anhaltenden Hustenattacken wie auch therapeutisch bei obstruktiven und restriktiven Lungenerkrankungen und vegetativen Funktionsstörungen oder etwa nach Operationen am und im Thorax, nach Operationen im Bauchraum sowie in der Intensivmedizin, Anwendung.

Es wird mit verschiedenen Techniken, beispielsweise mit manuellen Techniken und Griffen wie auch reflektorisch in unterschiedlichen therapeutischen Lagerungen und Positionen gearbeitet. Eine der möglichen Atemtechniken ist die so genannte PEP-Atmung, bei der der Patient wiederholt in ein Gerät mit integriertem Widerstand ausatmet, wodurch ein positiver Druck (Positive Expiratory Pressure) erzeugt wird. Bestimmte Atemtechniken, die der Therapeut mit dem Patient einübt bringen bei regelmäßiger Anwendung nachhaltige Verbesserungen des Zustandes des Patienten oder eine Verlangsamung des Fortschreitens der Erkrankung.
Je nach Befund kann die physiotherapeutische Atemtherapie aber auch zur soforti-en Verbesserung und Erleichterung der Atmung führen.

Physiotherapeutische Atemtherapie kann abhängig von der Diagnose ärztlich verordnet werden. Das ist zum Beispiel der Fall bei Asthma oder chronischer Bronchitis sowie bei Menschen, die eine Stimmtherapie benötigen. In solchen Fällen übernimmt die Krankenkasse die Kosten.

Die Atemphysiotherapie beeinflusst als ein Element in der Behandlung von chronischen Atemwegserkrankungen, das Verhalten und den Umgang des Patienten mit seiner Erkrankung positiv. Voraussetzung für einen erfolgreichen Therapieverlauf ist wie bei jeder Physiotherapie das regelmäßige Durchführen der Übungen und die Motivation des Betroffenen, sich aktiv einzubringen.

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