Von Harald Mohr  |  29.11.2011  | Netzcode: 3055731  |  182 Mal gelesen.
Friedenfels

Wer schnell sein will, muss fleißig üben

Besuch bei Christoph Daubner: Schnitzen ohne Schnitzer

Nicht alle Motive von Christoph Daubner kommen
Nicht alle Motive von Christoph Daubner kommen aus dem religiösen Bereich. Bild: Harald Mohr
Am Anfang steht immer ein Holzklotz. Wenn daraus am Ende eine Krippenfigur werden soll, darf man sich buchstäblich keinen Schnitzer erlauben. Schnitzen ist die Kunst, eine Figur, die eigentlich schon da ist, freizulegen. Man muss sie dazu aber vor seinem geistigen Auge sehen können. Christoph Daubner kann das.

Jahrelang hat er den Kurs „Handgeschnitzte Krippenfiguren“ bei der Volkshochschule des Landkreises Tirschenreuth, Außenstelle Friedenfels, gegeben. Heuer kamen nicht genug Teilnehmer zusammen. Schnitzen ist nicht unbedingt der angesagteste Trend bei den Jungen.

„Wenn’s es ned glei pack’n, dann verzagens“, erklärt sich Christoph Daubner den Frust bei den Jungen und fügt hinzu: „Ich hab’s ja auch ned g’lernt.“ Immerhin arbeitete er 22 Jahre lang als Porzellanmaler, eine gute Voraussetzung zum Schnitzen. Seit 25 Jahren schnitzt er nun schon in seiner kleinen Werkstatt im Keller. Bevor man zum Schnitzwerkzeug greift, muss man die Proportionen abschätzen. Dafür gibt es Regeln, etwa die, dass Oberarm und Unterarm jeweils einer Kopflänge entsprechen.
Vom Holzklotz zum Schnitzwerk ist es ein langer
Vom Holzklotz zum Schnitzwerk ist es ein langer Weg. Zuerst werden immer die Umrisse ausgesägt.


Erst wenn die groben Proportionen festgelegt sind, darf man schnitzen. Immer von vorn nach hinten, denn dann hat man noch Materialreserven, wenn man sich mal verschnitzt hat. Und auch unten darf ruhig was übrig bleiben, sonst fehlt hinterher das Holz für den Fuß.

Das Gesicht ist das Schwierigste beim Schnitzen einer Figur. „Einer, der a Hand schnitzen kann, kann auch a G’sicht schnitzen“, weiß Christoph Daubner. Das Lindenholz ist zwar weich, dennoch müssen die Präzisionwerkzeuge immer scharf bleiben. Ein Satz Schnitzeisen kostet einige Hundert Euro, aber am Anfang braucht man das ganze Sortiment aus geraden, runden, schmalen und breiten Werkzeugen nicht unbedingt. „Ein Flacheisen fünf Millimeter und ein Rundeisen drei Millimeter“ reichen zur Not für den Anfang, meint Christoph Daubner. „Damit kann ma scho mal a Gsicht schnitzen.“
Eine Holzkrippe, geschnitzt von Christoph
Eine Holzkrippe, geschnitzt von Christoph Daubner. Bilder: Harald Mohr


Er selbst nimmt „viel die flachen Eisen“. Eine Wissenschaft macht er nicht aus seinem Kunsthandwerk. Welches Werkzeug ihm am besten passt, muss jeder einfach selbst herausfinden. Eine einfache Krippenfigur sei für ihn eine Tagesarbeit, sagt er. Wer so schnell sein will, muss vorher fleißig üben. „Wer ein Talent hat, hat’s in zwei bis drei Jahren im Griff“, schätzt Christoph Daubner, mahnt aber: „Da muss er aber immer dran bleiben, nicht nur im Winter.“

Seine bisher größte Arbeit waren die Figuren für ein 5,5 Meter hohes Feldkreuz, die er vor zwei Jahren geschnitzt hat. „Der Herrgott ist 1,30 Meter groß, die Maria 1,20 Meter.“ Nicht immer verlangt Christoph Daubner Geld für seine Werke. Vor zwei Wochen erst hat er für die neu eingeweihte Feuerwehr am Ort als Geschenk einen Florian geschnitzt.
Christoph Daubner hat schon so viel geschnitzt,
Christoph Daubner hat schon so viel geschnitzt, dass er eine eigene, kleine Krippenausstellung daraus machen konnte.


Christoph Daubner hat schon so viel geschnitzt, dass er eine eigene, kleine Krippenausstellung daraus machen konnte. Sie ist nach telefonischer Terminvereinbarung zu besichtigen (09683/326).

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