Von Harald Mohr  |  27.12.2011  | Netzcode: 3087941  |  376 Mal gelesen.
WEIDEN/TIRSCHENREUTH/AMBERG/SULZBACH-ROSENBERG

Mit heißem "Caipi" ins neue Jahr starten

So wird den Silvester-Gästen warm ums Herz

Typische Handbewegung: Barmann Bernd Maderstorfer
Typische Handbewegung: Barmann Bernd Maderstorfer mixt einen Cocktail. Bild: privat
Für alle, die sich sonst in der kalten Silvesternacht bibbernd an ihrem gut gekühlten Sektglas festhalten, hat die OWZ einen Vorschlag: Wie wäre es mit einem heißen Cocktail? Die Idee dazu kommt von Barkeeper Bernd Maderstorfer vom Partyservice der Metzgerei Voit in Weiden. Leicht war es nicht, ihm wenigstens ein Rezept abzuluchsen. Denn: „Man gibt es nicht weiter“, lautet eine Grundregel bei Barkeepern.

Dennoch ist es uns gelungen: Hier also das Geheimrezept für einen heißen Caipirinha: Vier Centiliter Cachaca (das ist ein Zuckerrohrschnaps) bilden die alkoholische Grundlage. Zwei bis drei Teelöffel brauner Rohrzucker dazu sowie einen Spritzer Limettensaft. Das Ganze dann mit abgekochtem, heißem Wasser auffüllen. Fertig. Wie der heiße Cuba Libre geht, das verrät Bernd Maderstorfer aber nicht. „Wir verwenden dafür einen speziellen Tee“, raunt Erwin Voit, der Chef.

Macht nix: Der Witz beim Cocktails mixen ist ja auch, dass man eigene Variationen ausprobiert. Hier die Zutaten für einen (kalten) Solero. „Ein klassischer Cocktail“, wie Erwin Voit erklärte: Grundlagen sind Wodka und Vanillesirup. Aufgefüllt wird hier mit Maracujasaft. Dazu kommt (flüssige) süße Sahne. Den Solero muss man „shaken“, also schütteln.
Schön angerichtet muss ein Cocktail sein. 	Bild:
Schön angerichtet muss ein Cocktail sein. Bild: privat


Das ist immer dann notwendig, wenn schlecht mischbare Zutaten zusammenkommen. In diesem Fall ist es wohl die Sahne: Das Milcheiweiß flockt in dem sauren Milieu des Maracujasaftes aus. Durch das Shaken wird es wieder fein verteilt.

Oft ist auch der stark unterschiedliche Zuckergehalt und die damit verbundene unterschiedliche Dichte der Zutaten der Grund, warum man shaken muss. Sie haben keinen Shaker? Eine einfache Cocktailgarnitur gibt es schon ab etwa 50 Euro. In dem typischen Handwerkszeug des Barkeepers ist oben eine gelochte Scheibe angebracht. Durch das kräftige Schütteln werden die Eisbrocken an den Löchern „gecrasht“. Man kann sich aber auch behelfen, indem man im Tiefkühlfach Eiswürfel macht, diese dann in ein Tuch steckt und mit dem Hammer darauf haut. Den Shaker ersetzen dann zwei ineinander gesteckte Gläser, von denen eines ein wenig kleiner ist als das andere. Für nicht geschüttelte Cocktails eignet sich sowieso ein größeres Trinkglas.

Aber was ist eigentlich ein Cocktail? Angeblich entstand er, weil der amerikanische Whiskey, dort einst das einzige hochprozentige Getränk, sich nicht unverdünnt trinken ließ. Erst in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts fand der Cocktail in Deutschland den Weg in die aufkommenden Hotelbars. Warum der Cocktail Cocktail, also „Hahnenschwanz“, heißt, weiß übrigens kein Mensch.
Erwin Voit (links) und sein Barkeeper Bernd
Erwin Voit (links) und sein Barkeeper Bernd Maderstorfer. Bild: Harald Mohr


Den fertigen Cocktail trinkt man wegen der Eiswürfel mit einem (dicken) Strohhalm. „Deko ist wichtig“, mahnt Erwin Voit. „Das Auge trinkt mit“, heißt eine Grundregel des Barkeepers. Überhaupt haben Cocktails viel mit Ästhetik zu tun. „Das Ambiente muss passen“, sagt Erwin Voit, der eine mit farbigen Leuchtdioden illuminierte mobile Bar samt Barkeeper Bernd Maderstorfer verleiht. Wichtig auch: Ein Cocktail will genossen werden. Deshalb: Langsam trinken!



OWZ-Info: "Geschüttelt, nicht gerührt"


Als passendes Plauderthema für die Silvesternacht bietet sich die Frage an, warum James Bond seinen Wodka-Martini immer „geschüttelt, nicht gerührt“ (im Original „shaken, not stirred“) haben wollte, obwohl dieser Cocktail eigentlich immer gerührt wird. Vielleicht legte er Wert darauf, schon beim ersten (und wegen in der nächsten Szene herannahender Gegner oft einzigen) Schluck in den vollen Genuss seines Wodka-Martini zu kommen. Bei einem nur gerührten Cocktail setzen sich geschmacksbildende Stoffe mit hoher Masse schnell wieder am Grund des Glases ab, weshalb man sie am Anfang nicht schmeckt. Für einen langen Genuss an der Bar hatte James Bond aber einfach keine Zeit. (moh)

Diese spektakuläre LED-Bar ist der Arbeitsplatz
Diese spektakuläre LED-Bar ist der Arbeitsplatz von Barkeeper Bernd Maderstorfer. Bild: privat

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