Von Bürgerreporter/in Walter J. Pilsak  |  10.01.2012  | Netzcode: 3100257  |  205 Mal gelesen.Beitrag einer OWZ-Bürgerreporter/in
Waldsassen

Bayrische und böhmische Musikanten

Musik kennt keine Grenzen

Bild zu Bayrische und böhmische Musikanten
Instrumente bei einem Musikantentreffen in Kondrau.
„Aus Böhmen kommt die Musik“, heißt ein bekannter volkstümlicher Schlager! Dies gilt zwar nicht für alle Arten von Musik, doch zumindest die Polka kommt von unseren Nachbarn aus Böhmen. Ein altes bayerisches Sprichwort sagt auch, dass jeder Böhme mit einer Geige auf die Welt kommt. Den Böhmen steckt also bekanntlich die Musik im Blut.

Nicht umsonst bezeichnet man das benachbarte Tschechien als das Musikkonservatorium Europas. Melodien aus Böhmen sind nicht erst seit heute auf der ganzen Welt beliebt. Der im 18. Jahrhundert lebende Joseph Hazzi, der seine Beobachtungen über Land und Leute in einem vierbändigen Werk veröffentlichte, meinte zu diesem Thema: „Für die Musik hat der Baier wie der Böhme von Natur aus viel Anlage und harmonisches Gefühl."

Bis in die dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts hinein, waren in den Sommermonaten in Bayern viele Wandermusikanten unterwegs. Wobei in grenznahen Gebieten auch viele böhmische Musikanten darunter waren. Unter Böhmen bezeichnete man damals auf bayerischer Seite die Deutschböhmen, also Egerländer und Böhmerwäldler. Aber auch die tschechischen Böhmen waren und sind heute noch mit der gleichen Musikalität gesegnet. Diese Musikanten waren meist mit Dudelsack und Geige unterwegs. Diese beiden Instrumente waren damals die gebräuchlichsten Musikinstrumente, die zusammen an die 70 Prozent stellten. Die häufigsten Anlässe, an denen Musik gemacht wurde, waren Hochzeiten und die Kirchweih. Aber selbst noch in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zogen bei uns Musiker - meist mit einem Akkordeon - von Haus zu Haus, um sich mit einigen Musikstücken, die sie im Treppenhaus vortrugen, etwas zu verdienen.

Man nannte diese umherziehenden Musiker auch Bettelmusikanten, obwohl sie mit Bettlern im üblichen Sinn nichts zu tun hatten. In vielen Fällen waren es Instrumentenbauer, die auf diesen Touren ihre Instrumente, welche sie in den Wintermonaten gebaut hatten, verkauften. Je besser so ein Musikant sein Instrument beherrschte, um so mehr Chancen hatte er wohl auch, dieses zu verkaufen!

Einen Nachweis über das Vorhandensein von böhmischen Wandermusikanten im Stiftland gibt uns heute ein über 400 Jahre altes steinernes Kreuz bei der Einöde Buchgut, unweit von Neualbenreuth. Auf ihm ist die Darstellung eines Dudelsacks zu sehen. Einer Sage nach sollen hier zwei Wegelagerer einen böhmischen Dudelsackpfeifer überfallen, ausgeraubt und ermordet haben.

Die vielseitige Musikalität der benachbarten Böhmen hat auf die Ostbayern abgefärbt. Man betrachte nur die vielfältigen musikalischen Aktivitäten, die auch heute noch selbst in den kleinsten Ortschaften zu beobachten sind. Die ursprüngliche Volksmusik, die heute noch in den Grenzgebieten der Oberpfalz gespielt wird, hat aber nichts mit der oberbayerischen Volksmusik zu tun, auch wenn diese dort vielerorts schon gespielt wird. Auch Instrumente, wie die Zither und das Hackbrett waren in Nordostbayern seit jeher nicht zuhause. Viele Wurzeln der ostbayerischen Volksmusik sind im Egerland und den anderen angrenzenden Gebieten östlich der Böhmerwaldes zu suchen. Zahlreiche Elemente der Volksmusik sind deshalb heute noch hüben wie drüben gleich.

Hier nur ein kleines Beispiel dieser Ähnlichkeiten: Wenn man bei uns in einem Gasthaus gemütlich zusammen sitzt, dann bleibt es meistens nicht aus, dass zur späteren Stunde irgendeiner in der Runde zu einem Instrument greift. Meist ist dies eine Ziehharmonika oder ein Akkordeon. Schnell findet sich dann auch ein zweiter Mitspieler, der den Musikanten mit etwas Rhythmus begleitet. Dazu nimmt er entweder zwei Suppenlöffel, die er mit einer bestimmten Handhaltung im gleichen Takt gegeneinander schlägt oder aber er schlägt mit einem Besenstiel und einem Kochlöffel den Rhythmus. Diese beiden improvisierten Schlaginstrumente werden in gleicher Weise auch heute noch auf der anderen Seite der Landesgrenze in Westböhmen verwendet.

Um bei den Musikanten Böhmens zu bleiben. Seit der Grenzöffnung spielen auch diese wieder öfters bei uns. Dabei kommt es an den Grenzübergängen öfters zu Situationen, die Anlass zum Schmunzeln geben. So wollte an einem Grenzübergang einmal eine tschechische Musikantentruppe nach Bayern einreisen, um hier zum Tanz aufzuspielen. Die deutschen Zöllner waren jedoch misstrauisch. Als die angeblichen Musiker zum Beweis ihrer Echtheit ein Musikstück vortragen sollten, mussten sie klein beigeben. Es stellte sich heraus, dass sie die tschechischen Musikinstrumente unter Umgehung des Zolls in Bayern verkaufen wollten. Auf gut deutsch sagt man dazu „schmuggeln“!

Dass die Behörden nicht nur falsche Musiker enttarnen können, sondern auch ein Herz für echte böhmische Musikanten haben, bewies die Polizei vor einigen Jahren. Drei tschechische Musikanten waren in eine bayerische Stadt gekommen, um in einem Lokal zu spielen, für das sie engagiert waren. Dort angekommen, fanden sie die Gaststätte leer und ohne Wirt vor. Mit leeren Taschen und ohne Geld für die Rückfahrt nach Tschechien meldeten sie sich bei der dortigen Polizei. Diese hatte ein Herz für das Trio und verschaffte ihm eine Spielgelegenheit in einem Lokal. Auf diese Weise bekamen sie zumindest wieder das Geld für die Rückfahrt zusammen.


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