Von
Harald Mohr |
11.01.2012
| Netzcode: 3100821 | 218 Mal gelesen.
Sulzbach-Rosenberg
Schiebelok für schwarze Fracht
Seehofer umjubelter Redner beim CSU-Neujahrsempfang
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| Ministerpräsident Horst Seehofer präsentierte sich als jovialer Landesvater. |
Bei der Bürgermeisterwahl am Sonntag will die CSU die alte SPD-Hochburg Sulzbach-Rosenberg schleifen. Damit das gelingt, hat man schweres Gerät aufgefahren: Ministerpräsident Horst Seehofer persönlich kam als Redner zum Neujahrsempfang der CSU Amberg-Sulzbach in den großen Saal des Gasthauses Wagner nach Großenfalz. "Wir sind heute hier, um Dir den Rücken zu stärken" erklärte der CSU-Kreisvorsitzende Dr. Harald Schwartz, an Koller gewandt.
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| Illustre Gäste: (von links) Günter Koller im Gespräch mit MH-Rohr-Geschäftsführer Karl Reyzl, Unternehmer Max Aicher und Ehefrau Evelyne. Bilder: Harald Mohr |
Auch Europaministerin Emilia Müller, Bezirksvorsitzende der CSU, blies am Samstag kräftig ins Wahlkampf-Horn: "Seit vielen Jahren" kenne sie den Kandidaten, und sie wisse: "Er ist wertorientiert und gleichzeitig zukunftsgewandt." Der Schwerpunkt des studierten Sozialpädagogen sei "sein Konzept für Familien". Der Kandidat und amtierende zweite Bürgermeister nahm den zugespielten Ball gerne auf: "Wir brauchen ein Kindertagesstätten-Konzept". Auch Scheinangriffe auf den Ministerpräsidenten gehörten zu Kollers rhetorischem Arsenal. Die vielen Leerstände müssten beseitigt werden, das brauche aber Zuschüsse. "Ich hoffe, Sie werden dazu etwas sagen", forderte er. Solidarisch mit der Polizei - Sulzbach-Rosenberg ist ja Standort der siebten Abteilung der Bereitschaftspolizei - forderte er: "Die Besoldungs-Nullrunde für die Polizei korrigiert's wieder!"
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| Starthilfe: Horst Seehofer wünscht Günter Koller einen Wahlsieg. |
Der Angesprochene frotzelte zurück: „Der stellt schon Forderungen an den Ministerpräsidenten, bevor er überhaupt Bürgermeister ist.“ Scheinbar geschlagen fügte Horst Seehofer hinzu: „Erfüllt, erfüllt, erfüllt!“ In seiner frei gehaltenen, über eineinviertel Stunden dauernden Rede bekannte er sich zu konservativen Werten. Nicht nur verbal, auch symbolisch: Als Seehofer den Saal betrat, wummerte nicht AC/DC aus Lautsprechern, sondern die Bergknappenkapelle blies den Bayerischen Defiliermarsch, wie zu Franz Joseph Strauß' Zeiten.
Zynische Nachtritte auf den entschwebten Grafen steigerten die Stimmung im Saal: Wer „an Glamour und Glitzerleben teilnimmt, kommt schnell und geht schnell“. Seehofer gab dagegen den lebenserfahrenen Landesvater, der seine schützende Hand künftig auf Sulzbach-Rosenberg lege, wenn Koller gewählt werde. „Sie haben meine Unterstützung, und Sie dürfen sich darauf verlassen“, versprach er öffentlich. Nach Kollers Wahl werde man „sehr zeitnah einen Termin in der Staatskanzlei“ machen, bei dem Koller und andere CSU-Politiker der Region ihre Wünsche vortragen dürften.
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| Wie bei Franz Joseph Strauß: Defiliermarsch zur Begrüßung. |
„Mir liegt sehr an der Entwicklung der ländlichen Räume“, verkündete der Ministerpräsident. Eine „gleichgewichtige Entwicklung“ wolle er in die Bayerische Verfassung aufnehmen. Bayern zahle heute schon sieben der 40 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt zum Gemeinde-Finanzausgleich. Das sei eine „konkrete kommunalfreundliche Politik“. Und, wieder zu Koller gewandt: „Herr Koller, das werden wir fortführen.“
Dass Günter Koller es schaffen wird, steht für Horst Seehofer außer Frage. Schon scherzte er: „Frau Koller, für Sie ist der schönste Teil des Lebens bald vorbei.“ Auch er selbst brauche eine Stunde, bis er daheim ansprechbar sei. Mit einem bergmännischen „Glückauf und Gottes Segen!“ beendete Horst Seehofer seine Rede. Ob sein Einsatz als schnaubende Schiebelok, die den schwarzen Zug ins rote Rathaus drücken soll, Erfolg hatte, wird erst der Sonntag zeigen.