Sympathisch, solide und nie arrogant
SpVgg-Vorsitzender Kurt Haas blickt auf ein ereignisreiches erstes Vereinsjahr zurück - Vertrauen wird zurückgewonnen
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| Kurt Haas, Vorsitzender der SpVgg Weiden 2010, blickt auf ein ereignisreiches erstes Vereinsjahr zurück. Archivbild: lst |
Herr Haas, ein turbulentes Jahr liegt hinter Ihnen. Wie fällt Ihr kurzer Rückblick aus?
Kurt Haas: Anfang Dezember 2010 lag die alte insolvente SpVgg Weiden in Scherben am Boden. Niemand in Weiden und Umgebung gab diesem 86-jährigen Traditionsverein noch irgendeine Chance. Fast neun Jahrzehnte glänzende Fußball- und Sportgeschichte drohten im Nichts zu verschwinden. Doch einige Getreue der SpVgg Weiden standen Mitte Dezember 2010 nochmals auf und am 21. Dezember wurde der Nachfolgeverein aus der Taufe gehoben. Mit klaren Grundsätzen im Bereich der Finanzierung, mit einer Personalphilosophie, die sich zur Region Weiden und der nördlichen Oberpfalz bekennt und mit einem klar definierten Auftritt der Sportler und Funktionäre intern und nach draußen in die Öffentlichkeit. Diese Geschäftsphilosophie überzeugte die anwesenden rund 100 Gründungsmitglieder und es wurden die zur Kandidatur angetretenen Funktionäre alle einstimmig gewählt.
Es gab aber noch weitere enorme Schwierigkeiten zu überwinden, oder?
Der nächste schwierige Schritt war die Werbung von Sponsoren. Auch hier ging die neue SpVgg ungewöhnliche, neue Wege. Über ein Notar-Anderkonto wurde über die Tageszeitung "Der neue Tag" die gesamte Bevölkerung mit eingebunden und die Erfolge bei der Spenden- und Sponsorenwerbung fast täglich veröffentlicht. Das war mutig, denn durch einen festgelegten Stichtag 31. Januar 2011 mit mindestens 150 000 Euro eingezahltem Kapital war das Risiko des Scheiterns sehr hoch. Und wer scheitert gerne in aller Öffentlichkeit? Aber das fast unmöglich Erscheinende gelang. Es konnte genügend Geld von der Bevölkerung und der heimischen Wirtschaft, trotz Vertrauensdefiziten aus der Insolvenz, eingesammelt werden. Der Notar durfte deshalb das Geld auszahlen.
Wie war die Stadt Weiden in die Neugründung involviert?
Anfang Februar legten wir die neuen Vereinsstrukturen endgültig fest. Auch hier wurden die im Geschäftsplan festgelegten Grundsätze eingehalten und mit fast ausschließlich ortsansässigen und loyalen Personen wurden Vorstand und Vereinsausschuss besetzt. Mit der Stadt Weiden konnte in langwierigen Verhandlungen das Stadion am Wasserwerk zu beidseitig zufriedenstellenden Konditionen auch die alte Spielstätte der SpVgg Weiden gehalten werden.
Und wie sah es im sportlichen Bereich aus?
Im sportlichen Bereich konnten wir nur noch eine dezimierte und sehr jugendliche Mannschaft an den Start bringen, denn die sogenannten Leistungsträger waren sehr schnell verschwunden, als in der Insolvenz das Geld ausblieb. Gott sei Dank hatten wir aufgrund der Präsenz der zweiten Mannschaft in der Landesliga und mit Hilfe des Insolvenzverwalters die Chance, in der Landesliga-Mitte zu starten, wobei wir eine Sicherheitsleistung beim Insolvenzverwalter von 20 000 Euro hinterlegen mussten. Natürlich ein finanzielles Erschwernis für einen neuen Verein. Unserer junge Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 19 Jahren schlug sich zwar wacker, hatte aber wenig Erfahrung und musste leider in der Folge dann in die Bezirksoberliga absteigen. Für die neue Saison konnten wir dann beim Bayerischen Fußballverband das Spielrecht erlangen, mussten aber vorher die nicht bezahlten Gebühren der alten SpVgg beim Fußballverband und beim Bayerischen Landessportverband bezahlen. Das waren auch wieder zirka 9000 Euro. Ebenfalls wieder ein harter finanzieller Schlag für den jungen Verein SpVgg 2010. Aber wir schafften das und konnten sogar acht neue, aber erfahrene, Spieler dazugewinnen.
Ihre Ziele für die Zukunft?
Sportlich wollen wir mit unserer ersten Mannschaft in die Landesliga aufsteigen und dort in der neuen Saison ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Im Zuschauerbereich konnten wir uns langsam wieder das Vertrauen schaffen und wir werden ab Beginn der zweiten Halbzeit der Saison garantiert den Fußball anbieten, der als Grundsatz in unserer Geschäftsphilosophie erklärt ist: Mit einheimischen Spielern aus der Region und Nachwuchsspielern, die jungen Wilden, aus der eigenen U19 wollen wir einen offensiven und begeisternden Fußball im Wasserwerk und bei den auswärtigen Spielen anbieten, für den sich unsere Fans und Zuschauer begeistern können. Sympathisch und solide und nie arrogant wollen wir auftreten. Das gilt für unsere Sportler aus allen Bereichen und für alle Funktionäre des Vereins. Die Sponsoren und Fans unserer SpVgg Weiden 2010 sind unsere Kunden und Partner und werden entsprechend zuvorkommend behandelt. (lst)
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