Hochsee-Schifffahrt ohne Hafen
Besuch bei der einzigen Reederei in Bayern - 60 Hochseeschiffe im Einsatz - Neues Schiff kostet 30 Millionen Euro
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| Im Jahr 2002 wurde die 180 Meter lange Harriett gebaut. Bild: MST |
Im Sommer wird sie auf dem Gelände des ehemaligen Bahnhofs Schnaittenbach ihr neues Domizil beziehen. Noch ist die im Jahr 1985 gegründete Firma auf dem Gelände der Amberger Kaolinwerke untergebracht. Das erklärt sich durch den Ursprung der Reederei. Jürgen W. Ruttmann war damals bei einer niederländischen Reederei beschäftigt, die für die AKW Kaolin über die Ozeane schipperte. Daraus erwuchs die Geschäftsidee, eine eigene Firma am Standort dieses Großkunden zu gründen. Der Hamburger Ruttmann kaufte mit fünf Millionen Startkapital sein erstes Schiff.
Heute verfügt die MST über 60 Hochseeschiffe, davon zwölf ganz große Pötte, der größte ist die M/V Barbara. M/V steht für "Motor Vessel", zu deutsch "Motorschiff" (MS). Doch die Sprache der internationalen Hochseeschifffahrt ist Englisch. Und international geht es bei MST sowieso zu. Der Grund: "Deutsche Offiziere finden wir nicht in ausreichendem Umfang." Denn ein Frachter ist kein Vergnügungsdampfer. Das Leben an Bord dauert ein halbes Jahr, und so ein Frachter fährt nicht an schönen Südseestränden vorbei, sondern nimmt den kürzesten Weg quer über den Atlantik. Ein typisches Frachtschiff hat drei nautische Offiziere und drei Diplomingenieure an Bord.
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| Seniorchef Jürgen W. Ruttmann erklärte alles, was die Exkursionsteilnehmer wissen wollten. Bilder: Harald Mohr |
Die Offiziersmannschaft bei MST rekrutiert sich überwiegend aus tschechischem Personal. Nach dem Ende des Ostblocks gab es viele hoch qualifizierte Seeleute in Tschechien, für die in der Privatwirtschaft keine Verwendung mehr war. MST griff damals zu und bietet diesen Leuten seither einen sicheren Arbeitsplatz. Das seemännische Personal kommt überwiegend von den Philippinen. Weil die Offiziere keine Deutschen sind, können die MST-Schiffe auch nicht unter deutscher Flagge fahren. Viele der MST-Schiffe fahren zum Beispiel unter liberianischer Flagge. Nur eine Formalität: "Unsere Schiffe haben in Deutschland ihren Steuersitz und unterliegen dem Germanischem Lloyd, eine Art TÜV."
Die MST-Schiffe sind "hauptsächlich im atlantischen Bereich" unterwegs. Zwei neue sind gerade bei einer chinesischen Werft in Bau. Fast alle Handelsschiffe werden heute in Japan, Südkorea und zunehmend in China gebaut, erklärte Jürgen W. Ruttmann. Die Neubauten wurden notwendig, weil die Lebensdauer eines Hochseeschiffes begrenzt ist. Das aggressive Seewasser nagt am Stahl, dazu kommt Materialermüdung durch die wechselnde Beladung. Rund 30 Millionen Euro kostet ein neues Schiff, am Ende seiner Betriebszeit kann man es für immerhin 3,5 Millionen Euro als Schrott verkaufen.
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| Kein Hafen in Sicht: In Schnaittenbach gibt es nur Modellschiffe zu sehen. |
MST bietet übrigens auch Arbeitsplätze an, bei denen man nicht zur See fahren muss. Allein am Standort Schnaittenbach sind 40 Personen beschäftigt. Der typische Beruf hier ist der Reederei-Kaufmann. Abitur wird hierfür vorausgesetzt. Die zuständige Berufsschule sitzt in Hamburg. Extra für Azubis hat MST dort ein Zimmer angemietet. Aber auch eine Ausbildung zum Kapitän oder Schiffsingenieur bedeutet nicht, dass man sein ganzes Berufsleben zur See fährt. Die meisten wechseln nach höchstens zehn Jahren auf See in einen Arbeitsplatz an Land. Dann kann man die zweite Hälfte seines Berufslebens in Schnaittenbach verbringen. Harald Mohr
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| Volle Kraft voraus: Wer sich bei MST zum Kapitän ausbilden lässt, kann in die große, weite Welt hinaus. |
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