Das Rathaus bleibt rot
Michael Göth neuer Bürgermeister von Sulzbach-Rosenberg
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| Michael Göth wird der neue Bürgermeister von Sulzbach-Rosenberg. Bild: Harald Mohr |
57,25 Prozent der Wahlberechtigten gingen am Sonntag nochmal zur Urne, etwas mehr als bei der Wahl vor zwei Wochen (57,03 Prozent Wahlbeteiligung). Man erwartete bei der Stichwahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen, und genau so kam es auch. Schon um 18.06 Uhr trifft die Schnellmeldung des ersten Wahllokals ein. Zwei dicke Säulen sind nun auf dem Bildschirm zu sehen, die eine ist schwarz, die andere rot. Die rote ist ein bisschen länger als die schwarze.
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| Faire Gegner: Günter Koller (rechts) wünscht Michael Göth "viel Kraft". Bilder: Harald Mohr |
Von nun an lassen die beiden Kandidaten den Bildschirm nicht mehr aus den Augen. Ein Wahllokal bedeutet noch nichts und doch alles. Gibt es vielleicht doch schon die Stimmung der Wähler wieder? 18.12 Uhr: Plötzlich führt Koller, doch die Freude währt nicht lange: Schon um 18.14 Uhr führt wieder Göth.
13 der 32 Wahlbezirke sind ausgezählt, doch immer noch ist der Wahlausgang völlig offen. Die Gespräche sind längst verstummt. Im Flüsterton werden die aktuellen Zahlen weitergegeben. Immer schneller trudeln jetzt die Ergebnisse der Wahllokale ein. Göth führt denkbar knapp, 0,8 Prozent sind es jetzt nur noch, dann 1,3 Prozent, dann wieder 0,8 Prozent. 24 Wahllokale sind jetzt ausgezählt. Noch könnte sich das Blatt wenden. Doch beim Wahllokal Nummer 27 zieht Göth vor.
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| 18.13 Uhr: Noch weiß Michael Göth nicht, dass er um 18.32 Uhr designierter neuer Bürgermeister sein wird. |
2,5 Prozent liegt er jetzt vor Koller. Es sieht nicht gut aus für den CSU-Kandidaten. Beim 31. Wahllokal liegt der SPD-Mann mit 2,6 Prozent uneinholbar vorn. „Das war’s“, sagt Günter Koller enttäuscht zu seinen Unterstützern.
Um 18.32 Uhr liegt das Ergebnis aller 32 Wahllokale vor: Günter Koller hat beachtliche 48,68 Prozent der Stimmen bekommen, sein Kontrahent aber 51,32. Nur 236 Stimmen liegen zwischen den beiden Kandidaten, doch die alte SPD-Hochburg Sulzbach-Rosenberg hat den Ansturm der Schwarzen noch einmal abgewehrt. Vielleicht das letzte Mal, denn so ein knappes Ergebnis ist für Sulzbach-Rosenberger Verhältnisse äußerst ungewöhnlich. Seit 1956 stellt die SPD den Bürgermeister, der sich stets satter Mehrheiten sicher sein konnte. Zwischen 20 und 30 Prozent Vorsprung der SPD vor der CSU waren in der Maxhütten-Stadt jahrzehntelang üblich. Bei der letzten Bürgermeisterwahl im Jahr 2006 schaffte es der damals erstmals angetretene Günter Koller immerhin, mit 41,6 Prozent dem beliebten Günter Geismann (58,4 Prozent) unüblich nahe zu kommen. So gesehen ist der Beinahe-Gleichstand schon eine kleine Revolution für Sulzbach-Rosenberg.
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| Gebannt: Der Blick von Günter Koller wich während der Auszählung nicht mehr vom Bildschirm. |
Und so zeigt der knapp abgeblitzte Kandidat auch Selbstbewusstsein: „Ich denke nicht, dass die CSU den schlechteren Kandidaten gehabt hat, aber die Stadt Sulzbach-Rosenberg ist halt immer noch rot“, erklärte er unmittelbar nach Bekanntgabe des Ergebnisses. Und er weiß jetzt, dass viele Wähler hinter ihm stehen: „Ich bedanke mich bei allen, die mich gewählt haben.“ Auch seine unmittelbaren Unterstützer lobt er: „Mein Wahlkampfteam hat neun Monate lang geackert.“
Der kurzzeitig zu Tränen gerührte Wahlsieger Michael Göth zeigte sich bescheiden. Schließlich hatte er die Unterstützung des amtierenden Bürgermeisters und die Wahlempfehlung des Grünen-Kandidaten Karl-Heinz Herbst im Rücken: „Es hätte auch ganz anders ausgehen können.“ Er wolle „auch für jene 48,68 Prozent, die mich nicht gewählt haben, ein guter Bürgermeister sein“, erklärte er nach der Wahl. Jetzt wollen der neue Bürgermeister und der alte zweite Bürgermeister, der dieses Amt ja weiterhin hat, zum Wohle der Stadt zusammenarbeiten, wie beide kundtaten.
Und nach der Wahl ist vor der Wahl. 2018 werden die Karten wieder neu gemischt. Ob Günter Koller noch einmal antritt, ließ er am Wahlabend noch offen: „Ich hab noch keinen Gedanken daran verschwendet.“ Harald Mohr
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| Zitterpartie: Eine gute halbe Stunde lang war dieser Bildschirm die Attraktion des Wahlabends. |
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