Über den Tellerrand des Ingenieurs schauen
Alois Glück sprach in der Hochschule zum Thema Ethik der Technik - "Dem Fortschritt neue Aufgaben geben"
|
| Alois Glück liebt das Theoretische. Bild: Harald Mohr |
"Nicht nur technischen Kram", wollten die Studenten hören, sagte Professor Dr. Franz Bischof, Beauftragter der HAW für Ethik und Nachhaltigkeit, bei der Begrüßung des Gastes im voll besetzten größten HAW-Hörsaal. Man wolle vielmehr "auch über den Tellerrand des Ingenieurs schauen". Wer allerdings etwas Konkretes über die neue Energiepolitik erwartet hatte, wurde enttäuscht. In seiner 50-minütigen, frei gehaltene Rede bewegte sich Glück zumeist auf der Meta-Ebene der Philosophie.
Die Grundbotschaft des 72-jährigen Ex-Politikers: Wenn der einzelne Bürger Verantwortung trägt und ein engagiertes Leben führt, dann klappt's auch mit dem Staat: "Aus den Leitbildern ergeben sich Prioritäten, daraus ergeben sich politische Struktur und Systeme".
Der in der deutschan Medienlandschaft auch schon mal als "Hausphilosoph der CSU" oder auch als "Vordenker" Betitelte steckt hinter dem inzwischen geflügelten Wort "Aktive Bürgergesellschaft". Wie kein anderer verkörpert der Oberbayer die drei Buchstaben der CSU: Christlich sowieso und durch und durch so sozial, dass es eigentlich "SCU" heißen müsste - und Union im Wortsinn verstehend: Man müsse "alles unterstützen, das geeignet ist, Menschen zusammenzuführen", sagt er in seinem Vortrag. Leider verzichtete der Redner auf konkrete Handlungsanweisungen. Seine erwarteten Mahnworte kommen stets mit einem mildem Lächeln, nie mit einem deftigen Ausrufezeichen. Nie greift Glück direkt an, stets deutet er nur an. "Wir haben Systemprobleme" sagt er etwa mit der Nüchternheit einer Windows-Fehlermeldung, oder er stellt fest: "Unsere heutige Art zu leben, ist nicht zukunftsfähig", "Sozialkompetenz und Menschenführung fehlen über alle Ebenen" oder "die Alltagswährung heißt Respekt vor dem Anderen".
Nicht immer ist es leicht, Glücks Botschaften zu dechiffrieren. So spricht er etwa das böse Wort "Zwei-Klassen-Gesellschaft" nie aus, sondern umschreibt es mit: "Wir haben in unserer Gesellschaft riesige Fliehkräfte". Und was sollen wir tun, um "die Frage der Gerechtigkeit in den Mittelpunkt zu stellen"? Was erwartet Glück von einem "starken Staat, der die richtigen Spielregeln setzt"?
Statt den "alten Fortschritts-Leitbildern vom höher, größer, schneller" zu frönen müsse man "dem Fortschritt neue Aufgaben geben" sagt Glück, man dürfe aber andererseits nach "dem Schock-erlebnis Fukushima keine Luftschlösser bauen". Welche Empfehlungen wird Alois Glück wohl in der Ethik-Kommission für sichere Energieversorgung abgeben? Harald Mohr
Kommentare
Ihre Kommentare werden veröffentlicht in Kooperation mit der best webnews GmbH, Köln.


versenden
drucken
Leserbrief
kommentieren























