15.02.2012  | Netzcode: 3140415  |  198 Mal gelesen.

Eine FOS, und keiner geht hin?

Bekommt Eschenbach eine Fachoberschule? Probeeinschreibung vom 5. bis 16. März

Minister Dr. Ludwig Spaenle (von links) im
Minister Dr. Ludwig Spaenle (von links) im Gespräch mit den Leitern des Gymnasiums Eschenbach, Dr. Knut Thielsen, und der Realschule Kemnath, Volker Diener.
ESCHENBACH. Als Schulstadt ist die alte Kreisstadt Eschenbach eigentlich gut aufgestellt: Es gibt eine Grund- und Mittelschule, eine Förderschule, eine Krankenpflegeschule, eine Pfarr-, Sing- und Musikschule, eine Wirtschaftsschule und sogar ein Gymnasium. Realschüler fahren in das nur wenige Kilometer entfernte Kemnath. Nur eine Schule fehlt noch: eine Fachoberschule.

Das soll jetzt anders werden. Mit einer Probeeinschreibung will man testen, wie viele Schüler in so eine FOS gehen würden. Vom Kultusministerium hat man grünes Licht, wie bei einer Veranstaltung mit Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle vorige Woche deutlich wurde.

Zu der Veranstaltung mit den beiden Landtagsabgeordneten Annette Karl (SPD) und Tobias Reiß (CSU) hatte Landrat und Schulträger Simon Wittmann neben Lokalpolitikern auch Vertreter der Wirtschaft geladen, die die Einladung gerne annahmen. So gerne, dass man einigen absagen musste, weil der Platz in der Aula der Wirtschaftsschule nicht reichte. Hier nämlich soll die künftige FOS angesiedelt werden.
Will mehr Schulen in der Fläche: Kultusminister
Will mehr Schulen in der Fläche: Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle.


"Klein - fein - familiär" soll sie werden, dem geplanten Neubau der Weidener FOS wolle man keine Konkurrenz machen, hieß es. Eine Baumaßnahme ist mit der neuen Schule nicht verbunden. Ein paar neue Türschilder reichen: Die nötigen Lehrer kann die Wirtschaftsschule stellen, wie Schulleiter Walter Schnoy sagte. Als Diplom-Handelslehrer haben sie die Befähigung, an einer FOS zu unterrichten. Lediglich ein Mathelehrer müsse noch her.

Und die Klassenzimmer sind auch schon da: Vier sind es, die das benachbarte Gymnasium bisher genutzt hat, aber nach vollständiger Einführung des achtstufigen Gymnasiums in diesem Schuljahr nun nicht mehr braucht. Fehlen also nur noch die Schüler. Sie rekrutieren sich vor allem aus den benachbarten Realschulen, in erster Linie Kemnath, mit fast 1000 Schülern die größte Realschule weit und breit.

Deren Schulleiter und Mathelehrer Volker Diener hat schon mal gerechnet: Rein statistisch betrachtet - 30 Prozent der Realschulabsolventen gehen im Schnitt auf die FOS - könne er 25 Schüler aus dem Einzugsbereich der künftigen FOS Eschenbach anbieten. Gehe es hingegen nach Eignung, seien es gar deren 43. Doch auch das wird knapp: Zwar wurde vom Ministerium "noch keine Zahl genannt", wie Walter Schnoy der OWZ berichtete, doch strebe man offenbar eine zuerst zweizügige FOS mit den beiden Richtungen "Wirtschaft" und "Sozial" an. Das bedeutet vier Klassen, und genau vier Klassenzimmer stehen ja auch leer.
Hat Lehrer und Räume für die FOS: Walter Schnoy,
Hat Lehrer und Räume für die FOS: Walter Schnoy, der Leiter der Wirtschaftsschule.


Berücksichtigt man die Grenze, ab der eine Klasse geteilt werden darf, zurzeit 33 Schüler, kommt man also auf mindestens 16 Schüler pro Klasse, macht zusammen 64. Die fehlenden Schüler könnten von der - mit zurzeit knapp 400 Schülern wesentlich kleineren - Realschule des Zweckverbands Auerbach kommen. Doch dort hat man noch keine derartigen Berechnungen angestellt. Das Gymnasium Eschenbach eignet sich nicht als Schülerquelle. Ein Übertritt an eine FOS nach der zehnten Klasse sei zwar möglich, aber nicht das Ziel des Gymnasiums, wie Schulleiter Dr. Knut Thielsen der OWZ sagte. Vielmehr will er die besten Absolventen der Realschule in eine neu zu schaffende "Einführungsklasse" an seinem Gymnasium abschöpfen, was eher eine Konkurrenz zur FOS wäre.

Von derlei Zahlenspielchen hält Minister Spaenle indes sowieso wenig: "Berechnen ist das Eine, das Andere ist, für solche Schulen zu werben." Mit peppig aufgemachten Plakaten und Flyern will man das in den nächsten Wochen auch tun. Man wirbt dabei mit der zentralen Lage in der Region, "bester Infrastruktur" und "modernster Ausstattung" sowie einer "breiten Unternehmenslandschaft". Letztere dürfte das ausschlaggebende Kriterium sein für alle, die in der Region bleiben wollen: Die Wirtschaftsschule verfügt über beste Kontakte für Praktika und kann auf eine hohe Übernahmequote in lokalen Betrieben verweisen.

Das dürfte für FOS-Absolventen erst recht zutreffen. "Es liegt an Dir!" spricht der Flyer die umworbenen Schüler an. In der Tat: Politisch ist die FOS Eschenbach gewollt. Scheitern kann sie nur noch an mangelndem Interesse.
Werben statt zählen: Mit peppigen Plakaten und
Werben statt zählen: Mit peppigen Plakaten und Flyern wirbt man für die neue FOS. Bilder: Harald Mohr


Die Probeeinschreibung findet statt vom 5. bis 16. März und zwar nicht in Eschenbach, sondern an den vorhandenen Fachoberschulen und Berufsoberschulen in Weiden, Marktredwitz, Bayreuth oder Amberg. Nähere Informationen auch unter www.wsesb.de und auf Facebook.

Am 1. März findet um 19 Uhr auch ein Infoabend in der Wirtschaftsschule Eschenbach statt. Die Probeeinschreibung ist ohne Risiko: Sollte die Neugründung der FOS Eschenbach scheitern, gilt die Einschreibung auch für die FOS, an der die Probeeinschreibung gemacht wurde. Harald Mohr


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