31.10.2012  | Netzcode: 3445801

Die Eishockey-Welt erobern

Maximilian Gläßl wagt den Sprung zu den Suomis - Großes Ziel: Eishockeyprofi in der NHL

Maximilian Gläßl als "Kistenrutscher" beim EHC
Maximilian Gläßl als "Kistenrutscher" beim EHC Stiftland. Bilder: privat
STIEGLMÜHLE bei WALDERSHOF. Vielleicht ist einer der kommenden Eishockey-Cracks der NHL aus dem Stiftland, genauer gesagt aus Stieglmühle bei Waldershof. Das Talent dafür hat er jedenfalls. Gerade mal 15 Jahre als ist Maximilian Gläßl, Sohn der "Stieglwirt"-Familie Uwe und Karin Gläßl.

Dafür nimmt der Jugendliche, der als Vierjähriger als "Kistenrutscher" beim EHC Stiftland begann, einiges auf sich. Seit einigen Wochen ist er in Finnland, er spielt bei den Kiekko-Espoo-Junioren in Helsinki, einer überaus starken Juniorenmannschaft in Finnland. Er wohnt bei Niklas Hede, einem ehemaligen zigfachen finnischen Nationalspieler, der zehn Jahre in Deutschland Eishockey spielte - unter anderem in Berlin, München, Straubing und Regensburg.

Vier Jahre spielte Maximilian Gläßl beim EHC Mitterteich, ehe er mit acht Jahren zum VER Selb ging. Dort war er fünf Jahre aktiv. Seine vorerst letzte Adresse in Deutschland war der EV Regensburg. Hier reifte er zu einem der stärksten deutschen Eishockeyspieler heran. Nach Ablauf der Saison wurde er im April gar zum stärksten Verteidiger der Bundesliga gekürt. Natürlich schaffte er es in die Deutsche U16-Nationalmannschaft, ebenso drei seiner Mannschaftskameraden aus Regensburg. Maximilian schaffte den Sprung sogar als einer der Jüngsten, denn erst im März dieses Jahres wurde er 15 Jahre alt.
Maximilian Gläßl im Trikot der Bayern-Auswahl.
Maximilian Gläßl im Trikot der Bayern-Auswahl.


Grund für seine Leistungsexplosion: Maximilian ist immer hochmotiviert und sehr, sehr ehrgeizig. Deshalb war er auch schon zweimal in Finnland, um zu trainieren. Die Kontakte nach Finnland, zu Niklas Hede, vermittelte ihn Sven Gerike, sein ehemaliger Trainer in Regensburg. Niklas Hede, der natürlich die Eishockey-Fähigkeiten von Maximilian erkannte, lud ihn nach Helsinki ein. Die Hedes sind auch jetzt wieder seine Gastfamilie. Maximilian ist überwältigt, was das Eishockey in Finnland anbelangt. Alleine in Helsinki, so erzählen seine Eltern, gibt es 21 Eishallen, von denen 19 das gesamte Jahr über offen sind. Was der Fußball in Deutschland ist, ist das Eishockey in Finnland - absoluter Volkssport.

Auch die Dimensionen sind enorm. Bei seinem neuen Club Kiekko-Espoo-Junioren gibt es alleine in seiner Altersklasse, der U16, vier Nachwuchsteams. Klar, dass der Konkurrenzkampf enorm ist. Maximilian schaffte auf Anhieb den Sprung in die zweite Mannschaft. Er ist übrigens der einzige Ausländer im Nachwuchsbereich. Auch im schulischen Bereich ist der Sprung für Maximilian enorm. In Regensburg besuchte er die Realschule. In Helsinki geht er nun in ein deutschsprachiges Gymnasium mit 400 weiteren Schülern. Die Hauptsprache ist Deutsch, es wird jedoch auch Englisch und Finnisch gelehrt. Später kommt noch Russisch hinzu. Für Maximilian natürlich ein enormer Sprung. Doch er will es schaffen. Seine Eltern sind von ihm überzeugt. Er tut einfach alles, sowohl im sportlichen als auch im schulischen Bereich. Zudem vertrauen die Eltern dem finnischen Schulsystem, das als eines der Besten auf der ganzen Welt gilt.
Maximilian Gläßl (rechts) im Trikot der Deutschen
Maximilian Gläßl (rechts) im Trikot der Deutschen U16-Eishockey-Nationalmannschaft.


Die Entscheidung nach Helsinki zu gehen, so Maximilians Eltern, sei sehr kurzfristig, spontan gefallen. Innerhalb von drei Tagen musste entschieden werden. Für Maximilian war sofort klar: "Ja, ich will das internationale Eishockey kennenlernen." Er hat ein absolutes Traumziel im Hinterkopf: "Die NHL-Liga in den USA - die Krönung für jeden Eishockeyspieler." Das tägliche Leben ist für den 15-Jährigen sehr hart und wohl nicht jedermanns Sache. Aber Maximilian meistert auch dies, denn er war von klein auf schon immer selbstständig, weiß alles zu koordinieren. Zwei Mal wöchentlich wird schon vor der Schule trainiert. Die Sporthalle ist in einem ganz anderen Teil von Helsinki. Maximilian ist also sehr lange mit dem Omnibus unterwegs. Nach dem Schulunterricht geht es erneut aufs Eis zum Training. Für weitere Hobby bleibt keine Zeit übrig.

In den Herbstferien fliegen Uwe und Karin Gläßl und seine 17-jährige Schwester Annika ("Ich bin sehr stolz auf meinen Bruder.") nach Helsinki. Endlich wird Karin Gläßl ihren Sohn wieder in ihre Arme schließen können. Sie bekennt freimütig: "Mir wäre schon wohler, wenn er bei uns zuhause wäre." Konrad Rosner


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