24.02.2015  | Netzcode: 4494629
Kümmersbruck

Schöne Kunst und Labsal für die Seele

Andrea Paulus leitet Kalligraphie-Kurse beim EBW

Gekippte Feder: Mit dem Kalligraphie-Füller kann
Gekippte Feder: Mit dem Kalligraphie-Füller kann man unterschiedliche Strichstärken abbilden. Bild: Harald Mohr
Andächtig malt Andrea Paulus einen geschwungenen Halbkreis mit der breiten Feder, dann kippt sie das Schreibutensil und lässt den Bogen in einer zarten Linie auslaufen. „Das ist ein spezieller Kalligraphie-Füller“, erklärt die geschickte Künstlerin. „Man kann damit breit schreiben, man kann ihn aber auch auf die Kante stellen, um ganz schmale, zarte Linien zu ziehen.“ Obwohl heutzutage die unterschiedlichsten Schriften mit dem Computer erzeugt werden können, hat die alte Kunst der Kalligraphie (wörtlich „Schönschrift“) wieder starken Zulauf.

Am vergangenen Samstag hatten sich 14 Interessierte im Martin-Schalling-Haus versammelt, um diese Kunst zu erlernen. „Den Kurs hatte das Evangelische Bildungswerk nur für Samstag geplant“, berichtet Andrea Paulus. „Aber es gab so viele Interessenten, dass morgen ein Zusatzkurs stattfindet. Und trotzdem stehen schon wieder einige auf der Warteliste.“ Für einen Kurs kann nämlich nur eine begrenzte Zahl von Teilnehmern angenommen werden, damit sich die Kursleiterin genügend um jeden Einzelnen kümmern kann.
Sympathische Meisterin: Andrea Paulus. 	Bild:
Sympathische Meisterin: Andrea Paulus. Bild: Harald Mohr


Wie ist sie denn auf die Kalligraphie gekommen? „Nach dem Abitur habe ich eine ganz normale Lehre als Industriekauffrau gemacht“, erzählt die dreifache Mutter. „Ich habe schon immer gern geschrieben und schöne Buchstaben gemalt.“ Irgendwann hat sie sich ein Buch über Kalligraphie gekauft, ist aber damit nicht zurechtgekommen. „Man sieht zwar, dass etwas nicht stimmt, aber man kommt nicht drauf, was es ist. Dazu braucht man Anleitung.“

Vor 15 Jahren wurde in Schwandorf ein Kurs angeboten. „Da hat mich das Virus befallen“, lacht sie. Viel gelernt hat sie bei dem Regensburger Kalligraphen Hans Maierhofer. Auf Kursen in ganz Deutschland und sogar in Italien hat sie ihre Kunst immer mehr verfeinert. Den Büroberuf hat sie schon lange an den Nagel gehängt und betreibt die Kalligraphie hauptberuflich, soweit ihr ihre Familie dafür Zeit lässt.
Andrea Paulus (links) gibt ihre Kurse auch beim
Andrea Paulus (links) gibt ihre Kurse auch beim Evangelischen Bildungswerk in Kümmersbruck. Bild: Harald Mohr


Was lernt man denn in einem eintägigen Kurs? „Es gibt viele altüberlieferte Schriften wie beispielsweise gotische oder Frakturschrift. In jedem Kurs machen wir eine davon.“ Zuerst erklärt sie die Schreibmaterialien: Feder, Füller, Farben, Tusche, Tinte, die speziellen, satinierten Schreibblöcke. „Jede Schrift hat bestimmte Grundformen. Die werden zuerst herausgearbeitet. Dann gibt es Vorübungen mit dem Füller, bevor es dann an die Klein- und Großbuchstaben geht.“
Selbst gestaltete Karten sind sozusagen das
Selbst gestaltete Karten sind sozusagen das Gesellenstück der Kalligraphinnen. Bild: Harald Mohr


Schließlich müssen die auch noch zusammengesetzt werden, damit das Ganze ein schönes Bild ergibt.
Danach können Glückwunschkarten oder Ähnliches gestaltet werden. Meist bleibt noch Zeit, um verschiedene Maltechniken zum Füllen der Karte auszuprobieren, beispielsweise den Abdruck von getrockneten Blättern, der mit Wachskreide erzeugt wird, oder Blumen in Aquarelltechnik. „Es gibt immer wieder Kurse. Ich unterscheide nicht zwischen Anfängern und Fortgeschrittenen. Jede Schrift ist anders und muss neu gelernt werden.“ In ihren Kursen trifft sie meist auf bekannte Gesichter. „Erst die Kenntnis mehrerer Schriften macht die Sache interessant.“

Mitbringen müssen die Teilnehmer gar nichts, außer guter Stimmung und Interesse natürlich. Die Materialien bringt Andrea Paulus in mehreren großen Plastikboxen mit. „Das ist das Anstrengendste am ganzen Kurs“, lächelt sie. Jetzt wird auch klar, warum sie mit einem großen Kombi von Kurs zu Kurs fährt.

Wenn man sieht, wie gebannt die Teilnehmerinnen über ihre Arbeiten gebeugt sind, dann wird deutlich, dass die Kalligraphie nicht nur eine schöne Kunst ist, die das Auge des Betrachters erfreut, sondern auch Labsal für die Seele des Schaffenden, eine Möglichkeit, vom Alltag abzuschalten und innere Ruhe zu finden. Natürlich erfüllt es die Frauen auch mit Stolz, wenn sie nach der langen Mühe ihre gelungenen Werke betrachten und zur Schau stellen.
Immer schön üben: Kalligraphie-Vorlage.	Bild:
Immer schön üben: Kalligraphie-Vorlage. Bild: Harald Mohr


Ingrid Hargrove ist zum ersten Mal dabei. „Mir gefällt die Schrift ganz wunderbar“, schwärmt sie, „das Geschwungene, das Besondere. Ich mache auch Acrylmalerei und möchte schauen, wie ich beides verbinden kann.“ Elke Wittig-Schumm ist durch das Kochbuch „Kunst und Küche“ auf die Kalligraphie gekommen. „Ich bin Erzieherin“, sagt sie. „Ich möchte das in meiner Arbeit mit den Kindern umsetzen. Ich bin mehr als begeistert. Der Tag ist ganz schnell herumgegangen, die Arbeit ist sehr kurzweilig.“
Für Fortgeschrittene: Zauberwachs-Kreiden zum
Für Fortgeschrittene: Zauberwachs-Kreiden zum Malen. Bild: Harald Mohr


Wer die schöne Schrift erlernen möchte, kann sich beim Evangelischen Bildungswerk (EBW) über die nächsten Kurse informieren auf www.ebw-amberg.de oder direkt bei der Dozentin unter www.schriftpunkt.de. Melanie Büttner-Mohr

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