14.04.2015  | Netzcode: 4551109
Amberg

Der Rhythmus, wo man mitmuss

Trommelgruppe "Jalapeños" lässt es krachen

Frauen-Power: In der Gruppe trommeln sie ganz
Frauen-Power: In der Gruppe trommeln sie ganz vorne mit. Bild: Harald Mohr
Jalapeños sind rote Paprikaschoten aus Mexiko. Wenn man welche isst, sollte man den Feuerlöscher griffbereit haben, so scharf sind sie. Eine Gruppe von Trommlern hat sich nach diesen scharfen Schoten benannt. Ob die Rhythmen so heiß sind, wie der Name verspricht?

Die Gruppe trifft sich zum Üben donnerstags in der Turnhalle des Max-Reger-Gymnasiums. Gegen 18.45 Uhr trudeln die ersten Männer und Frauen ein, einige schleppen große schwarze Koffer, einige tragen nur kleine Täschchen. Manche wickeln sich buntes Klebeband um die Finger. „Das ist selbstklebendes Tape“, erklärt Ines Kargl. „Das brauchen wir, wenn wir das Tambourim länger in der Hand haben, damit wir keine Blasen bekommen.“ Das Tambourim ist nicht zu verwechseln mit dem bei uns mehr bekannten hölzernen Tambourin, der mit der Hand geschlagen wird. Das Instrument von Ines Kargl besteht aus Kunststoff und wird mit einer siebenschwänzigen Peitsche geschlagen, was den besonderen Klang ergibt.
Andreas Bornholdt leitet die "Jalapeños".  	Bild:
Andreas Bornholdt leitet die "Jalapeños". Bild: Harald Mohr


Dann gibt es noch die Repis, kleine Trommeln, und die etwas größeren Caixas (sprich: Kaischas), Blechtrommeln, die mit Sticks geschlagen werden. Für die großen Timbas braucht man nur die Hände. Surdos, die großen Trommeln, gibt es in mehreren Größen, die in unterschiedlichen Tonhöhen gestimmt sind: 18, 20 und 22 Zoll. Sie werden mit Beatern geschlagen, das sind Trommelschlegel mit Plüschkugeln an der Spitze.

Da taucht Andreas Bornholdt auf, der Leiter der Gruppe. Der sportlich-schlanke Mann mit den silbergrauen Haaren erzählt über die Anfänge der Trommelgruppe. „Zu meinem 40. Geburtstag habe ich Bongos geschenkt bekommen.“ Was er damit anfangen sollte, wusste er nicht so recht. Aber als er im nächsten Jahr unter seinen Geburtstagsgeschenken einen Gutschein für einen Trommelkurs bei der KEB fand, kam es zur „Initialzündung“. Seine Leidenschaft war geweckt.
Die Tambourims werden mit der "siebenköpfigen
Die Tambourims werden mit der "siebenköpfigen Peitsche" geschlagen. Bild: Harald Mohr


Mehrere Jahre lang hat der heute 52-Jährige Kurse besucht. „Ich bin sogar mal nach Kuba geflogen und habe dort Unterricht genommen.“ Dann hat er angefangen, selbst bei der KEB Kurse zu geben. „Den Teilnehmern war das zu wenig, nur zweimal im Jahr ein Kurs von ein paar Wochen. Da habe ich gesagt, wenn Ihr das organisiert und einen Raum besorgt, dann kümmere ich mich um das Musikalische.“ Vor gut drei Jahren hat der sympathische Mann, der tagsüber ein Ingenieurbüro betreibt, mit 18 Trommlern angefangen. „Mittlerweile stehen 70 Leute auf der Liste. Zu den Proben kommen meist 40 bis 50 Musiker.“

Andreas Bornholdt schreibt die Stücke in Notenschrift und auch in Symbolen für die, die keine Noten können. „Man muss die einzelnen Patterns lernen. Ich stelle für die Mitglieder Soundtracks und Videos ins Internet, damit sie daheim üben können.“ Wozu braucht man denn Videos? „Wir üben nicht nur Rhythmen, sondern ganze Choreos. 50 Prozent sind fürs Auge, 50 Prozent fürs Ohr.“
Immer im Gleich-Takt: Trommler arbeiten wie ein
Immer im Gleich-Takt: Trommler arbeiten wie ein Chor zusammen. Bild: Harald Mohr


Mittlerweile haben sich alle aufgestellt. Die Trommler mit den größeren Instrumenten haben Knieschoner umgebunden, und alle haben ihre Ohren mit Spezialstöpseln verstopft. Sie hören noch, was der Leiter sagt, aber der Trommelklang wird deutlich gedämpft. Andreas Bornholdt läuft mit federnden Schritten nach vorn und gibt den Einsatz. Schon ist die Turnhalle mit fetzigen Samba-Rhythmen erfüllt. Die vielen Basstöne vibrieren im Magen. Das reißt jeden mit. Da kann keiner ruhig sitzen bleiben. Natürlich stehen auch die Trommler nicht einfach auf ihrem Platz, sondern laufen im Rhythmus zur Seite oder nach vorn. Wenn eine Gruppe Pause hat, dann jonglieren die Musiker mit den Schlegeln.

Doris Kastner aus Amberg war am vor kurzem in Alteglofsheim auf einem Wochenend-Workshop. Für die, die nicht mit dabei waren, macht sie das dort Gelernte vor. Was fasziniert sie so an der Trommelei? „Trommeln ist für mich der Herzschlag“, sagt sie begeistert. „Das stammt aus der Steinzeit, es ist so was Erdiges. Es geht darum, seinen eigenen Rhythmus zu finden. Das ist wie Meditation. Man denkt an nichts anderes.“
Die Trommler haben eine eigene Sprache für die
Die Trommler haben eine eigene Sprache für die einzelnen Trommel-Muster (Patterns) entwickelt. Bild: Harald Mohr


Evelyn Hentzke, ebenfalls aus Amberg, findet den 6/8-Rhythmus, der gerade geübt wird, schwer. „Das ist der Ur-Rhythmus“, sagt sie. „Den haben wir in unserer Kultur verlernt, den müssen wir erst wiederfinden.“ Bryan Mc Ghee aus Los Angeles, derzeit in Grafenwöhr bei der Army angestellt, ist von der Gruppe begeistert. „I really enjoy it. It feels like a family (Ich genieße das wirklich. Es fühlt sich an wie eine Familie)“, schwärmt er. Er spricht fast kein Deutsch. Aber das Trommeln ist eine gemeinsame Ur-Sprache, die auch ohne Worte die Menschen miteinander verbindet.

Die Trommler kommen nicht nur aus Amberg, sondern aus der ganzen Oberpfalz von Schwandorf über Altenstadt bis Oberbibrach, das noch hinter Speinshart liegt. Julian Minks ist seit einem halben Jahr dabei. Mit seinen 13 Jahren ist er der jüngste Anwesende. Der älteste ist der 63-jährige Achim Schneider. Die Gruppe ist offen für jeden, der gern mitmachen möchte. Wer die nächsten Auftrittstermine erfahren oder selbst mittrommeln möchte, kann sich mit Andreas Bornholdt unter Telefon 09621/9174580 oder 0151/15357665 in Verbindung setzen. Melanie Büttner-Mohr

Passendes Markenzeichen: Die Trommler sind so
Passendes Markenzeichen: Die Trommler sind so scharf wie die rote Paprikaschoten aus Mexiko. Bild: Harald Mohr

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