15.07.2015  | Netzcode: 4654275
RIEDEN

Am Anfang war das Feuer

In der "Wildnisschule" lernt man das Überleben, Feuer machen gehört dazu

Es gibt Dinge, die muss man im Leben einmal gemacht haben. Solche Dinge will Christian Rudolf künftig den Menschen in seiner "Wildnisschule Oberpfalz" zeigen. Feuermachen gehört dazu. Natürlich mit Dingen, die man in der freien Natur findet. Gelingt es zum ersten Mal, durchfließen Glückshormone den Körper.

Eigentlich ist Christian Rudolf Diplom-Ingenieur (FH) Wald- und Forstwirtschaft, sprich: ein Förster. Dazu ist er auch noch Berufsjäger. Viele Jahre lang arbeitete der 37-jährige Lengenfelder in diesem Beruf in Privatforsten in Norddeutschland, bis ihm die viele Fahrerei zwischen den Revieren zu viel wurde. Er beschloss, in die Heimat zurückzukehren und zusammen mit Ehefrau Karen etwas Eigenes aufzubauen.

Einen Impuls dazu gab das Haus, in dem die beiden mit ihren Kindern jetzt in Rieden (im südlichen Landkreis Amberg-Sulzbach) wohnen: Dazu gehört ein Grundstück, auf dem einmal ein Kinderspielplatz gebaut werden sollte, und der sich deshalb perfekt für kleinere Outdoor-Kurse eignet. Auch die "Kunst des Feuermachens" wird hier zelebriert. Kunst heißt es, weil es eben nicht so einfach ist, "wie in diesen Survival-Sendungen". Das geht schon damit los, geeignetes Materialien zu finden. Das hat Christian Rudolf deshalb schon vor Kursbeginn schon erledigt.

Am einfachsten lässt sich Feuer mit dem "Handdrill" machten, erfährt man. Das ist ein Holzstab, der auf einem "Feuerbrett" gedreht wird, bis sich der abgeriebene Holzstaub durch die Reibungswärme entzündet und zu kokeln beginnt. Die Glut muss man dann auf einen "Feuerstarter" übertragen, von diesem auf Stroh. Bis es so weit ist, dauert es aber eine Weile.

Am besten eignet sich der Stängel der Königskerze als Stab, verrät Christian Rudolf - "Die kann man das ganze Jahr über ernten". Dann braucht man noch das Feuerbrett. Es sollte aus hartem Linden- oder Pappelholz bestehen. Alles zusammen soll natürlich schön trocken sein, sonst qualmt es nur, brennt aber nicht. Das Problem: "Trockenes Holz findet man selten". Ach ja, und den Feuerstarter nicht vergessen, zum Beispiel Distelsamen. Allein am Finden dieser Zutaten dürften die meisten Menschen schon verzweifeln.

Jetzt wird mit dem Holzdrill eine Vertiefung in das Feuerbrett gefräst, was auch nicht so einfach ist. Dann muss man mit dem Messer - ein wenig Zivilisation darf schon sein - eine Kerbe in das Feuerholz schneiden, durch die der glimmende Holzstaub anschließend herausrieseln kann. Jetzt endlich kann mit dem Feuermachen begonnen werden. "Druck an den Handflächen, Finger locker", erklärt Christian Rudolf. Und er macht Mut zum Durchhalten: "Das Andrehen ist relativ schwierig, das erste, was brennt, sind die Hände".

Hoffnung kann derjenige schöpfen, bei dem das Holz zu quietschen anfängt. "Das ist ein gutes Zeichen". Geschafft ist es schon fast, wenn es qualmt. Die kleine Glut gilt es jetzt zu retten. Der glimmende Feuerstarter muss in etwas Watte aufgenommen werden, diese wird in Stroh eingepackt. Läuft alles gut, geht das Stroh jetzt in Flammen auf. Das Erfolgserlebnis ist endlich da.

Wer mehr über das vielfältige neue Angebot der "Wildnisschule Oberpfalz" wissen will: Auf wildnisschule- oberpfalz.de steht alles. Harald Mohr


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