08.02.2017  | Netzcode: 5184170

Oberpfalz feiert Reformation doppelt

2017 ist Lutherjahr und Ottheinrichjahr - Zahlreiche Veranstaltungen im Jubiläumsjahr

WEIDEN. 1517 hat Martin Luther seine 95 Thesen veröffentlicht. Damit löste er eine Reformationsbewegung aus, die letztlich zur Spaltung der Kirche führte. Hat also Luther die evangelische Kirche gegründet? "Nein, es ist ein entscheidendes Missverständnis," widerspricht Dekan Dr. Wenrich Slenczka, "wenn man denkt, die Reformation sei die Gründung einer neuen Kirche."

Luther war katholischer Theologieprofessor. Als solcher hatte er eine Verpflichtung unterschrieben, dass er auf Missstände in der Kirche achtet und diese abschafft. Darauf hat er sich berufen, als er seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen hat. "Luther wollte eine Disputation unter Gelehrten, deswegen hat er seine Thesen auf Latein verfasst." In der Hauptsache ging es damals um den Ablasshandel. "Luther war der Meinung, dass der Papst nicht wüsste, was da in Deutschland geschieht. In den folgenden vier Jahren entwickelte sich das, was wir heute im Rückblick als Reformation bezeichnen."

Wann ist denn die Trennung offiziell geworden? "Erst auf dem Trienter Konzil (1545 - 1563) distanzierte sich die katholische Kirche offiziell von den Reformierten. Mit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 wurde die lutherische Kirche im römisch-deutschen Reich offiziell anerkannt und eine gleichberechtigte Koexistenz beider Konfessionen ermöglicht."

Wieso feiern wir denn dann nicht erst 2055 das Jubiläum? "Der Thesenanschlag ist ein symbolisches Datum. Damals ist Luther zum ersten Mal an die Öffentlichkeit getreten. 1617 wurde das 100-jährige Reformationsjubiläum gefeiert. Diese Tradition wird bis heute fortgeführt." Wir in der Oberpfalz feiern allerdings heuer zwei Jubiläen: Am 22. Juni 1542, also vor 475 Jahren, hat Herzog Ottheinrich verfügt, dass in seinem Territorium die Reformation eingeführt wird.

Wer hat denn die Veranstaltungen zum Jubiläum geplant? "Wir haben schon Ende vorletzten Jahres ein großes Team zusammengeholt", erzählt der Dekan, "die beiden Religionspädagoginnen Susanne Götte und Bettina Hahn haben das Ganze organisiert. Viele Ehrenamtliche aus den Dekanatsausschuss haben mitgearbeitet, ebenso Mitglieder des Freundeskreises der Akademie Tutzing, natürlich auch die evangelische Jugend mit ihren haupt- und ehrenamtlichen Vertretern. Dr. Wappmann, Schulreferent fürs Dekanat, der über die Geschichte der Simultankirchen promoviert hat, und Petra Vorsatz mit ihren fundierten Kenntnissen über die Weidener Stadtgeschichte haben ihr Spezialwissen ebenfalls eingebracht.

Im Jubiläumsjahr sind so viele Veranstaltungen geplant, dass die OWZ sie hier gar nicht alle aufzählen kann. "Die Vielzahl der Termine zeigt, wie lebendig die Reformation in den Gemeinden unseres Dekanatsbezirks ist", freut sich Dr. Wenrich Slenczka. "Die gemeinsam mit katholischen Pfarrgemeinden durchgeführten Veranstaltungen zeigen, dass wir heute einander als gute Geschwister begegnen."

Zu den Bildungsveranstaltungen gehört der Vortrag "Martin Luther aus katholischer Sicht" am 20. Februar und die Vortragsreihe "evangelisch.glauben 5.0" von Ende September bis Ende Oktober. Hier werden unter anderem die evangelischen Sakramente erläutert. Am 22. Juni wird das 475-jährige Reformationsjubiläum gefeiert mit einem Festgottesdienst und einen Vortrag über Ottheinrich als Reformationsfürst.

Im März gibt es eine Ausstellung "Frauen der Reformation". "Das Dekanat legt hier besonderes Augenmerk auf Frauen aus der Oberpfalz", so Dr. Wenrich Slenczka, "Argula von Grumbach beispielsweise hat zu dem Thema Briefe verfasst, die wie Flugschriften verbreitet wurden." Gruppen können sich zu einer fachkundigen Führung durch die Ausstellung anmelden.

Für Freunde klassischer Musik dürfte die Aufführung der Johannes-Passion am 2. April eins der Highlights des Jahres sein. Wer es moderner mag, sollte am 11. März um 19 Uhr das Konzert mit Felicia Friedrich nicht versäumen. Die Sängerin hat Psalmen in der wuchtigen Sprache Luthers vertont im Grenzbereich von Jazz, Pop und Chanson.

Die Schauspieler Lukas Ullrich und Till Florian Bayerbach bringen am 21. Februar um 19.30 das Stück "Play Luther" auf die Bühne. Spielerisch und häufig mit einem Augenzwinkern stellen sie Momente aus dem Leben des Reformators vor. Ausgewählte Lutherlieder werden zeitgemäß vom Volkslied bis zum Elektropop vertont. "Ich bin schon sehr gespannt auf das Stück", sagt der Dekan. Es gibt vormittags zwei Vorstellungen für Schulklassen und abends eine für jedermann. Noch ein Schauspiel gibt es am 20. März um 19.30 Uhr: John von Düffel zeichnet zusammen mit der Kulturbühne Weiden ein spannendes Persönlichkeitsbild des Reformators und wird dabei von Live-Musik begleitet.

Neben diesen kulturellen Veranstaltungen gibt es auch Angebote für Freizeitgestaltung und Kreativität wie zum Beispiel die Fahrrad-Sternfahrt "Mit Luther im Gepäck" am 28. Mai. Nicht nur an Jugendliche richtet sich das Projekt "Knockin' on Heaven's Door". In Erinnerung an die 95 Thesen, die Luther an die Tür der Schlosskirche anschlug, sollen 95 Türen künstlerisch gestaltet werden nach dem Motto "Welche Türen müssen wir öffnen für eine zukunftsfähige und tolerante Gesellschaft?" Am 1. und 2. Juli werden diese Türen im Stadtpark in Weiden ausgestellt, wo vor allem während der Serenade am Nachmittag viel Publikum garantiert ist.

Nicht zu vergessen der Lutherzoigl. "Das ist ganz typisch für unsere Region", so Dr. Wenrick Slenczka. "Luther hatte immer viele Gäste im Haus. Beim Essen hat er sich mit ihnen über die verschiedensten Themen unterhalten. Vieles davon ist überliefert; die Themen reichen von tiefschürfenden theologischen Überlegungen bis zu derben Witzen." (mbü)

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Weitere Informationen:

www.dekanat-weiden-evangelisch.de


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