Von  |  08.02.2017  | Netzcode: 5184210
WEIDEN

"Arbeit 4.0 ist nicht das Ende der Arbeit"

Ministerin Andrea Nahles zu Besuch an der Berufsschule

Andrea Nahles verwies in ihrer Rede häufig auf
Andrea Nahles verwies in ihrer Rede häufig auf Familienmitglieder. Bild: Harald Mohr
Wohin lädt man eine Arbeitsministerin am besten ein? In eine Berufsschule. Dort riecht es förmlich nach Arbeit, und es stehen diskussionsfreudige Schüler bereit. Das wird sich wohl auch der Bundestagsabgeordnete Uli Grötsch gedacht haben, und so kam Andrea Nahles auf ihrer Oberpfalz-Tour am Freitag an die Europa-Berufsschule nach Weiden. Das Thema ihres Vortrags: Die "Arbeitswelt 4.0".

Grötsch hatte für eine gefüllte Aula gesorgt: "Heute ist alles da, was Rang und Namen hat", war er stolz: die Schulleiter, die SPD-Stadtratsfraktion, Vertreter von Kirchen und Behörden, Banken und Firmen. Die Klientel also, die man auch zu einem Neujahrsempfang eingeladen hätte. Nahles hat es eilig, denn anschließend wird sie noch in Nabburg sprechen. Sie macht eine joviale Handbewegung Richtung Publikum, tritt ans Rednerpult, violetter Blazer, schwarze Hose. In der steckt die meiste Zeit burschikos ihre linke Hand, während sie mit der rechten routiniert gestikuliert.

Was nun die oft zitierte „Arbeitswelt 4.0“ eigentlich genau ist, wird man auch von ihr nicht erfahren, nur, dass man davor keine Angst zu haben braucht. „Die Deutschen neigen zur Apokalypse“, sagt Nahles, und auch bei diesem Thema werde immer gleich „die Angstmaschine angeschmissen“. Ohne Grund, findet sie: „Tätigkeiten verändern sich, es fällt aber nicht der ganze Beruf weg.“ Routinearbeiten würden künftig von Robotern erledigt, aber „die Fachkräfte machen was anderes“.

Schon bei der Einführung der ersten Computer habe ihre Mutter, sie hat beim Finanzamt gearbeitet, „Angst gehabt“, sie könne der modernen Technik nicht mehr folgen. „Aber sie hat’s gepackt.“ Und so werde es auch künftig sein: „Das Ende der Arbeit kommt auch künftig wieder nicht.“ Einfach, das räumt sie ein, werde das freilich nicht. „Wir müssen die Menschen davon überzeugen“. Deswegen habe sie einerseits Optimismus, aber auch „Ehrfurcht vor der großen Aufgabe“.

Ein Teil davon sei, dass Arbeit und Freizeit miteinander verschmelzen. Das sei auch früher schon so gewesen, erzählt sie von ihrem Großvater. „Mein Opa war Schmied.“ Zum Mittagessen habe er sich wenig Zeit genommen, aus Angst, das Schmiedefeuer könne ausgehen. „Leben und Arbeit war für ihn eine Einheit.“ Ihre Familie erwähnt die studierte Germanistin, die noch heute im Bauernhof ihrer Urgroßeltern in Weiler bei Mayen (Rheinland-Pfalz) wohnt, gerne. „Mein Vater war Maurer“, sagt sie bescheiden (er war Maurermeister), bei ihm seien Arbeit und Freizeit bereits getrennt gewesen. Heute brauche man „mehr Selbstbestimmung“ über seine Lebensweise.
Sie selbst lebe „als Mutter einer sechsjährigen Tochter und Ministerin“. Jeden Montag arbeite sie von daheim aus. Ihre Mitarbeiter im Ministerium hätten das schon als Vorbild genommen: Der Anteil von „mobiler Arbeit“ sei auf 27 Prozent gestiegen.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit dem Bundestagsabgeordneten Uli Grötsch, Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, Andrea Nahles und der Bundestagsabgeordneten Marianne Schieder ging es vor allem um die bessere Finanzierung der Schulen. Nahles hatte darauf „eine bescheuerte Antwort“, wie sie es nannte. Die Finanzierung der Schulen sei nämlich Ländersache. Und die Länder würden sich sträuben, zusammenzuarbeiten. „Wir haben dieses bekloppte Kooperationsverbot.“ Immerhin stehe die Europa-Berufsschule in Weiden gar nicht so schlecht da: „Ich habe schon schlechter ausgestattete Berufsschulen gesehen als die hier.“


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