11.02.2017  | Netzcode: 5187300
AMBERG

Ein Blick ins Kunstkombinat

Zeitoase in der Altstadt ist ein beliebter Anlaufpunkt für die regionale Kunstszene

Alles begann vor rund fünf Jahren, als die Künstlerinnen Michaela Peter und Marion Mack nach Atelierräumen Ausschau hielten. Im ehemaligen Gebäude von Beschläge Eckert mitten in der Amberger Altstadt, das bereits seit einiger Zeit leer stand, wurden sie schließlich fündig. Nach der Renovierung entstand hier ein ganz besonderer Ort, an dem Kunst nicht nur ersonnen und erschaffen, sondern auch gezeigt und verkauft wird. Längst hat sich das Kunstkombinat zu einem beliebten Treffpunkt für die Kultur- und Kunstszene entwickelt, der aus der Stadt nicht mehr wegzudenken ist.

Im Hinterhof im Neustift 47 liegt Schnee, einige Stühle stapeln sich in der Ecke, einige leere Getränkekästen erinnern noch an das letzte Fest, das hier gefeiert wurde. Auf der Uhr an der Hauswand über dem Eingang zur Galerie ist es fünf vor zwölf - wie immer schon, seit sie hier hängt. Doch die Zeit ist im Kunstkombinat, das sich jetzt unter dem Dach des Vereins Kulturstift befindet, meistens gar nicht so wichtig - und wird auch gerne schon mal vergessen. Dann nämlich, wenn ein Abend wieder mal besonders schön ist. Wenn man nach einer Vernissage noch gemütlich zusammensitzt, interessante Gespräche führt oder auch mal das Tanzbein unter freiem Himmel schwingt.

"Das hat sich irgendwann so ergeben, dass man einfach gerne draußen gesessen ist", erzählt Marion Mack. Damals hatten sie und ihre Künstlerkollegin Michaela Peter nach eigenhändiger Renovierung gerade ihre Ateliers im ersten Stock des Gebäudekomplexes bezogen, in den Galerieräumen im Erdgeschoss fanden die ersten Ausstellungen statt. Und danach saß man eben gerne noch ein bisschen im Hof, trank ein Glas Wein und sprach über Kunst - oder einfach über Gott und die Welt.

Die ruhige Zeit bis zur großen Ausstellung im Erdgeschoss und dem jährlichen Internationalen Künstlersymposium nutzen die beiden, um sich verstärkt ihren Arbeiten zu widmen. Im Moment ist ein Querschnitt der Werke von Marion Mack und Michaela Peter nur in ihren Ateliers im ersten Stock zu sehen. In jeder Ecke eröffnet sich dem Betrachter ein kleines Stück ihrer kreativen Welt, überall gibt es etwas zum Betrachten und zum Staunen. Auch hier kann man ganz schnell die Zeit vergessen.

Im Atelier von Marion Mack dominiert überall das Thema Glas. "Der Werkstoff Glas ist ideal für mich, um Dinge in Erscheinung treten zu lassen, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind", sagt Marion Mack, die ursprünglich einmal eine Ausbildung zur Glasgraveurin machte, bevor sie die Designschule in Zwiesel und später die Akademie der Bildenden Künste in München besuchte. Nach einem längeren Aufenthalt im Ausland zog es die Ambergerin wieder zurück in ihre Heimatstadt, wo sie nun seit 2012 in ihrer Werkstatt im Kunstkombinat arbeitet.

Hier entstehen nicht nur Glasgravuren und Glasdrucke, sondern auch aus Glas geblasene Objekte oder Einschlüsse in Glas. In ihren Arbeiten beschäftigt sich die Künstlerin immer wieder mit der Transparenz und der Optik des Glases. "Ich baue oft mal eine Linse in meinen Arbeiten ein, um ein kleines Objekt hervorzuheben und um Details und Strukturen sichtbar zu machen", erzählt sie. "Bei meinen transparenten Vollglasarbeiten mit Einschlüssen, erscheint durch die Dicke und Optik des Glases das figürliche Innenleben vergrößert und verzerrt. Es entstehen mehrere Realitäten. Der Betrachter taucht in eine von ihm gesehene Wirklichkeit ein."

Einige Türen weiter, im Atelier von Michaela Peter, bietet sich ein ganz anderes Bild: Hier entstehen gerade großflächige Werke, die sich aus Malereien und Papierresten zusammensetzen. "Momentan fasziniert mich das Verwenden von alten Plakaten", sagt die Künstlerin, die in den angrenzenden Räumen auch als Kunsttherapeutin arbeitet und Einzelpersonen und Gruppen mit künstlerischen Mitteln bei Herausforderungen des Lebens wie Traumata, Trauerfällen, Krankheiten oder Entscheidungskonflikten begleitet. Bei ihren künstlerischen Arbeiten hat sich Michaela Peter nicht auf ein bestimmtes Material festgelegt. "Ich nehme eben das, was gerade in meinem Leben eine Rolle spielt", sagt sie. Im Moment arbeitet sie am liebsten mit Fragmenten von alten Plakaten. "Hier löse ich Plakate voneinander und arrangiere sie mit dem, was in mir drin ist. So kommt etwas ganz Neues dabei raus."

Vorletztes Jahr wurde der Verein Kulturstift e.V. gegründet, unter dessen Dach sich mittlerweile nicht nur das Kunstkombinat, sondern auch die Ateliers der Designerin Helga Sichelstiel und der Künstlerin Heike Lepke befinden. Regelmäßig finden hier auch Lesungen, Konzerte und andere Events statt. Und die Zeit lässt sich so im lauschigen Hinterhof nur allzu leicht auch weiterhin vergessen. Evi Wagner


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