15.02.2017  | Netzcode: 5189536

Wallfahrt für gutes Wetter

Am Sonntag ist Ostbayerischer Faschingszug in Vohenstrauß

Schon vor zwei Jahren auf dem großen Umzug in
Schon vor zwei Jahren auf dem großen Umzug in Sulzbach-Rosenberg haben die Vohenstraußer Werbung gemacht für den Faschingszug in diesem Jahr. Archivbild: Harald Mohr
VOHENSTRAUSS. 1973 wurde der Vohenstraußer Faschingsverein gegründet. Dann gibt es also nächstes Jahr ein Jubiläum zu feiern? "Faschingsvereine feiern die Schnapszahlen", widerspricht Katja Ring, 2. Vorsitzende des Vereins. "Drum wird heuer groß gefeiert. Deshalb haben wir uns schon vor ein paar Jahren für den Ostbayerischen Faschingszug am 19. Februar beworben." Seit zwei Jahren ist der Verein mit den Vorbereitungen beschäftigt.

"Das ist eine Großveranstaltung, die muss vom Landratsamt genehmigt werden", erklärt der 1. Vorsitzende Gerald Grosser. "Wir mussten die Strecke festlegen und dann ein Sicherheitskonzept ausarbeiten." Das Konzept hat 27 Seiten, die dicht beschrieben sind. Wichtig sind auch Verpflegungspunkte, Toiletten und Müllentsorgung. "Die weiteste Anfahrt hat der ,Bogener Narrentisch'. Die haben zweieinhalb Stunden Anfahrt. Da kommt ein Bus voller Leut', die haben Hunger und Durst und müssen zur Toilette. Vor allem für die Gardemädels, die bei der Kälte oft drei Strumpfhosen übereinander tragen, ist das sehr wichtig."

Was den Besuchern oft so selbstverständlich erscheint, muss alles organisiert werden. "Mit drei Leuten haben wir angefangen, das sind die Zugmacher", erzählt Gerald Grosser. "Mittlerweile sind es sieben geworden. Anders wäre das nicht zu schaffen gewesen." Am großen Tag selbst werden ungefähr 70 Vereinsmitglieder als Helfer unterwegs sein, dazu die drei Garden mit ihren Trainern, das sind ungefähr Hundert Tänzerinnen und Tänzer.
Das Organisationsteam des Vohenstraußer
Das Organisationsteam des Vohenstraußer Faschingsvereins. Hintere Reihe von links: Andreas Fritsch (PR und Marketing), Katharina Meyer (Prinzessin Katharina I.), Aline Schneider (zuständig für die Kostüme), Tobias Plödt (Präsident). Vordere Reihe von links: Matthias Nickl (technischer Leiter), Benjamin Bruckner (Organisationsleiter, unter anderem zuständig für die After-Zug-Party), Katja Ring (2. Vorsitzende) und Gerald Grosser (1. Vorsitzender). Bild: Harald Mohr


"Zuerst musste die Strecke geplant werden", beschreibt der Vorsitzende das Vorgehen. "Die soll nicht zu kurz, aber auch nicht zu lang sein." Es darf keine Hindernisse geben, weil die Faschingswagen teilweise sehr groß sind. "Die Pleysteiner kommen mit ihrem Pulverturm, das ist ein Riesengefährt, da darf kein Torbogen oder so etwas im Weg sein." Die Sicherheit steht an erster Stelle. Es muss jederzeit möglich sein, dass die Wagen über andere Straßen ausweichen und wegfahren können. Die alte B 14 wurde für die Aufstellung des Zuges ausgewählt, wurde dann abgelehnt, weil es sich um eine Autobahnersatzstraße handelt, aber schließlich doch allen anderen Varianten, die durch Wohnviertel führen, vorgezogen.

"Für die Aufstellung brauchen wir eine breite Straße. Die Gruppen müssen noch aneinander vorbeikommen, weil sie ja nicht in der Reihenfolge ankommen, in der sie schließlich mitziehen", so Gerald Grosser. Am Ende der Aufstellungsstrecke werden alle Wagen vom TÜV kontrolliert. "Dabei gibt es viele Auflagen zu beachten, beispielsweise wie hoch die Geländer an den Wagen sind. Ich habe aber keine Sorge, dass alle durchkommen."

Natürlich müssen auch Parkplätze für die Besucher ausgewiesen werden. Diese Aufgabe hat Andreas Fritsch erfolgreich gelöst. "Im Winter kann man nicht auf Wiesen ausweichen", berichtet er. "Wir haben mit vielen Firmen ausgemacht, dass wir ihre Parkplätze für die auswärtigen Besucher ausweisen dürfen. Bei uns gibt es auch Einweiser und Streckenposten. Die verteilen an alle, die mit dem Auto kommen, Infoblätter mit dem Streckenplan."

Wenn die Strecke und das Sicherheitskonzept stehen, werden die Einladungen verschickt. "Immer wenn wir auf Faschingszügen oder anderen Veranstaltungen unterwegs waren, haben wir Werbung gemacht", erzählt Katja Ring. Ab Dezember bis Ende Januar sind die Anmeldungen gekommen. Insgesamt 56 Gruppen haben für das Großereignis zugesagt. "Wenn's konkret wird, wenn die Anmeldungen kommen, muss man das ganze Konzept noch mal umdenken", ergänzt Gerald Grosser. Während der Unterhaltung klingelt immer wieder sein Handy. "Ständig rufen Gruppen an, weil noch irgendwas zu regeln ist." In der Vorbereitung stecken nach seiner Schätzung 10 000 Arbeitsstunden. "Fasching ist eine todernste Angelegenheit."
Gerald Grosser, Vorsitzender des Vohenstraußer
Gerald Grosser, Vorsitzender des Vohenstraußer Faschingsvereins. Bild: Harald Mohr


Wie läuft denn der große Tag ab? "Um 10 Uhr gibt es einen Empfang für alle Prinzenpaare im Rathaus", erzählt Vereinspräsident Tobias Plödt. Ab 13 Uhr findet am Raiffeisenplatz und am Rathausplatz je eine Warm-up-Party statt. Ab 14 Uhr bewegt sich der Faschingszug über den Kreisverkehr-Ost in die Waidhauser Straße Richtung Marktplatz, weiter durch die Bahnhofstraße, über die Ulmenstraße in Richtung Altenstädter Straße wieder zurück über die Bahnhofstraße, den Marktplatz, die Waidhauser Straße bis zur Stadthalle. Dort gibt es eine große After-Zug-Party. Eine weitere Party wird in den Räumen der "Alten Glasfabrik" gefeiert.

"Das Restaurant vorn in der Stadthalle wird zur Kaffeestube für die Busfahrer. Die müssen ja warten, und sie dürfen keinen Alkohol trinken." "Keiner von denen, die auf den Wägen draufstehen, darf etwas trinken", ergänzt der Vorsitzende. Von zwei Bühnen aus wird der Zug moderiert. "Auf der ersten Bühne stehen Leute von uns und vom Landesverband Ostbayern, auf der zweiten Bühne Leute von uns und von Radio Ramasuri."

"Viele Wagen sind mit Motto angemeldet, aber davon darf ich noch nichts verraten," so Tobias Plödt. "Das Ganze soll ja eine Überraschung sein. Aber so viel schon vorweg: Heuer gehen viele ehemalige Prinzenpaare von uns mit, die tragen teilweise noch ihre Originalkostüme." "Das war eine Gänsehautsituation", schwärmt Gerald Grosser, "letzten Sonntag war Jubiläumsball, und immer wieder ging die Tür auf und es kam ein Paar rein mit dem alten Kostüm von damals."
Auch die Knappnesia aus Sulzbach-Rosenberg wird
Auch die Knappnesia aus Sulzbach-Rosenberg wird beim Zug mit dabei sein, hier beim Ostbayerischen Faschingszug 2015 in Sulzbach-Rosenberg. Archivbild: Harald Mohr


Mittlerweile ist alles geregelt, jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen. "Wir essen immer schön unseren Teller auf", bekräftigt Katja Ring. "Sogar eine Wallfahrt zum Fahrenberg haben wir gemacht", lacht Gerald Grosser. Da bleibt also nur noch zu hoffen, dass Petrus den Faschingsfreunden gnädig ist, und dann heißt es: "VFV - helau, helau, helau!" Melanie Büttner-Mohr


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