07.03.2017  | Netzcode: 5205891
Reuth bei Erbendorf

Wie der Vater, so der Sohn

"Domspatzen"-Tradition bei den Neugirgs

Die Neugirgs sind ein musikalische Familie: Max
Die Neugirgs sind ein musikalische Familie: Max (von links), Claudia, Lisa-Maria und Helmut-Stefan. Bild: Konrad Rosner
Das geflügelte Wort „Wie der Vater, so der Sohn“ trifft auf die Neugirgs 100-prozentig zu. Denn Vater Helmut-Stefan – von 1980 bis 1985 – und derzeit Sohn Max sangen und singen bei dem wohl berühmtesten und bekanntesten bayerischen Knabenchor, den „Regensburger Domspatzen“.

Der heute 46-jährige Justizfachwirt kam als Zehnjähriger zu dem Chor. Er ging 1980 auf das Musik-Gymnasium, zunächst in Etterzhausen, dann ab der fünften Klasse in Regensburg. Als Domkapellmeister war damals Georg Ratzinger tätig. Für Neugirg war Ratzinger ein „väterlicher, ja eher großväterlicher Lehrer, der zwar Disziplin verlangte, aber nie körperliche Züchtigungen austeilte“. Neugirg: „Ich habe es nie bereut, dass ich diese Schule und die Domspatzen besucht habe. Meiner größter Fehler war jedoch, die Schule nach fünf Jahren abgebrochen zu haben. Der Grund war einfach die Bequemlichkeit. Ich wollte den bequemeren Weg.“
Helmut-Stefan Neugirg blättert im Fotoalbum über
Helmut-Stefan Neugirg blättert im Fotoalbum über seine "Domspatzen"-Zeit. So manche schöne Erinnerung hat er dabei. Bild: Konrad Rosner


Die Schüler des Internats, so erinnert er sich, seien „ein eingeschworener Haufen“ gewesen, enge Freundschaften seien entstanden. In der Schule hätte es alles gegebenen: einen Bolzplatz, Turnhalle, sogar ein hauseigenes Hallenbad. Dennoch wollte er damals weg. „Ein Fehler“, wie er heute sagt. Neugirg besuchte später die FOS in Weiden und machte das Fachabitur. Das größte Erlebnis für Helmut-Stefan Neugirg war in den achtziger Jahren ein Besuch im Weißen Haus. Dort wurden sie von US-Präsident Ronald Reagan empfangen.

Sein Sohn Max, 13 Jahre alt, ist derzeit im vierten Jahr im Musikgymnasium bei den „Domspatzen“. „Ich fühle mich dort sehr wohl, auch das Singen macht so richtig Spaß.“ Max singt schon seit drei Jahren im Konzertchor, ein Jahr war er vorher beim Nachwuchschor aktiv. Mit den „Domspatzen“ kommt er viel herum, sowohl in Deutschland, als auch im Ausland. Im vergangenen Jahr war er mit den „Domspatzen“ in Südtirol, Österreich und der Schweiz, aber auch in Spanien und im Oman.
Die "Regensburger Domspatzen" bei ihrem  Auftritt
Die "Regensburger Domspatzen" bei ihrem Auftritt in Oman - ganz rechts ist Max Neugirg. Bild: hfz⁄Khalid AlBusaidi


Dort gaben die „Domspatzen“ im Opernhaus ein Konzert. Neben dem Konzert sei auch noch ein tolles Freizeitprogramm mit Wüstenrallye, Kamelreiten und verschiedene Besichtigungen angeboten worden. Von diesen Erlebnissen schwärmt er heute noch. Max genießt nicht nur diese Ausflüge, sondern das gesamte „Domspatzen“-Leben. Lob zollt er auch Domkapellmeister Roland Büchner. „Es macht einfach Spaß.“ Überhaupt gehe es sehr locker und familiär bei den „Domspatzen“ zu. „Ganz anders, als es manche Medien behaupten“, sagt Max und wird ganz ernst. Man würde „nur eine Negativschlagzeile suchen, ohne zu recherchieren“. Zwar werde Wert auf Disziplin gelegt, aber es gebe auch sehr viele Freizeitmöglichkeiten.
In Oman gaben die "Domspatzen" im Opernhaus ein
In Oman gaben die "Domspatzen" im Opernhaus ein Konzert. Von dem Freizeitprogramm mit Wüstenrallye, Kamelreiten und einem Besuch im Basar schwärmt Max Neugirg (Dritter von links) heute noch. Bild: privat


„Das Schöne ist auch: Wir haben eine Rundum-Betreuung, hier ist einfach alles perfekt. Sogar das Lernen macht Spaß“, schwärmt Max. Das kann er auch sagen: Derzeit hat der Schüler einen Notenschnitt von 1,8. Jeden Tag steht neben dem normalen Unterricht eine ein- bis eineinhalbstündige Chorprobe auf dem Programm. Anfangs hatte er zwar etwas Heimweh, bekennt er freimütig. „Aber das hat sich schnell gelegt.“

In diesem Jahr noch werden die „Regensburger Domspatzen“ eine neue CD aufnehmen – eine weitere Herausforderung, auf die sich Max freut. Neben dem Lernen und Singen spielt Max sehr gerne Fußball. Freude bereitet ihm auch das Klavierspielen. Übernachteten die „Domspatzen“ früher in einem Sechs-Bett-Zimmer, sind heute zwei bis vier Jungs in einem Zimmer untergebracht. In der Oberstufe gibt es dann Einzelzimmer.
Max lässt sich im Basar in Oman einen Turban
Max lässt sich im Basar in Oman einen Turban verpassen. Bild: privat



Dennoch, die „Domspatzen“ haben Nachwuchssorgen. Schüler aus ganz Deutschland sind im Musikgymnasium. Selbst aus dem Ausland werden mittlerweile Jungen aufgenommen, die ins Musikgymnasium gehen und Mitglied des weltberühmten Chores sein wollen. Rund 400 Schüler besuchen derzeit das Musikgymnasium der „Domspatzen“. Es gibt drei Chöre, zwei Nachwuchs- und einen Konzertchor. Konrad Rosner

Max spielt gerne auf seinem Klavier.	Bild: Konrad
Max spielt gerne auf seinem Klavier. Bild: Konrad Rosner

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